Nachrichten | 20.10.2008

EU bleibt sauber

Kaum Genfood in den Regalen

Lebensmittel mit Zutaten aus gentechnisch veränderten Organismen sind in den EU-Staaten weiterhin Mangelware. Für eine Studie der EU-Kommission machten sich Wissenschaftler aus zehn Ländern koordiniert vom Londoner King’s College auf die Suche nach Genfood in den Regalen – und fanden fast nicht.

In sechs der untersuchten zehn EU-Länder standen gekennzeichnete gentechnisch veränderte Lebensmittel in den Regalen der Supermärkte. In Tschechien waren es 27 Produkte, in den Niederlanden 18 und in Estland 13. In Spanien (6), Großbritannien (3) und Polen (1) waren die Funde noch geringer. In den meisten Fällen handelte es sich um Soja-Öl oder Margarine, oft in Großpackungen für die Gastronomie. In Deutschland, Schweden, Griechenland und Slowenien fanden die Wissenschaftler in den großen Supermarktketten gar keine Produkte mit Gentechnik-Kennzeichnung, dafür mehrere mit Gentechnik-frei-Logo. Nur in deutschen Asia-Läden standen vereinzelt Lebensmittel mit Gen-Soja.

Bei Marktuntersuchungen zeigte sich, dass nur 20 Prozent der Kunden, die Genfood gekauft hatten, dies auch wussten. Die Hälfte hatte es nicht gewusst, weiteren 30 Prozent war es schlicht egal. Nach Ansicht der Studienautoren zeigt dies, dass viele Verbraucher die Zutatenliste nicht lesen oder sich nicht darum kümmern, ob sie gekennzeichnete Produkte kaufen. „Was diese Studie zeigt, ist, dass egal was die Verbraucher in Meinungsumfragen sagen, die meisten nicht versuchen, GV-Artikel im Supermarkt aktiv zu vermeiden. Es deutet sich an, dass sie nicht besonders beunruhigt sind über das Gentechnik-Thema,“ kommentierte Professor Vivian Moses vom Kings College die von ihr koordinierte Studie. Deren Fazit lautet, der Handel müsse einfach Genfood anbieten: „Wer die Wahl hat, kauft auch GV-Lebensmittel“.

„Das Problem liegt bei der kaum zu entziffernden Kennzeichnung“, schlussfolgert Stephanie Töwe-Rimkeit, Campaignerin bei Greenpeace, aus der Studie. „Denn die meisten der Verbraucher wussten gar nicht, dass sie Gen-Food kauften. Sie verlassen sich darauf, dass der europäische Markt frei von Gentechnik ist“.

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