Nachrichten | 30.10.2008

Die nächste Pleite

Renommierprojekt der Agrar-Gentechnik gibt auf

Das AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz in Mecklenburg-Vorpommern steht vor einschneidenden Veränderungen. Die BioCon Valley GmbH, Betreibergesellschaft der selbsternannten „Drehscheibe der modernen Agrobiotechnologie“, gibt das Projekt wegen dauerhafter Erfolglosigkeit auf. Das Dienstleistungszentrum mit seinen 800 Quadratmetern Büro- und Laborfläche brauche dauerhaft Zuschüsse, die Anschubförderung sei jedoch ausgelaufen, weitere Förderung gebe es nicht, erklärte der Geschäftsführer Wolfgang Blank der Agentur dpa. Die Hälfte der Räumlichkeiten des Zentrums, das mit Steuergeldern in Höhe von rund zehn Millionen Euro erbaut worden war, stand Pressemeldungen zufolge seit langem leer. Bereits im Frühjahr hatte der Landesrechnungshof den lockeren Umgang von BioCon Valley mit Fördergeldern kritisiert. So seien 2005 bis zu einer Million Euro fast ohne Verwendungsnachweis ausgegeben worden.

„Nach der Pleite der Gentechnik-Firma Novoplant zu Beginn des Jahres steht nun das nächste Renommierprojekt der Agrar-Gentechnik in Ostdeutschland vor einem Scherbenhaufen“, kommentierte das Umweltinstitut München die Meldung. Doch die Gentechnik-Lobbyisten seien unbelehrbar. „Anstatt sich nun endlich für eine längst überfällige Neuausrichtung der Agrarforschung hin zu mehr Ökolandbau einzusetzen, fordert der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern unbeirrt weitere Gentechnik-Forschung in Groß Lüsewitz.“

Das Umweltinstitut bietet auf seinen Internetseiten einen Überblick über Gentechnik-Verflechtungen in den neuen Bundesländern, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Ein Beispiel dafür ist auch die BioCon Valley GmbH. Sie gehört zu 51 Prozent dem Land Mecklenburg-Vorpommern. 27 Prozent hält der BioCon Valley e.V, dem 162 Mitglieder angehören, darunter Gentechnikfirmen und Wissenschaftler, die von den Aktivitäten des Vereins profitieren. Das restliche Fünftel halten Banken.

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