Nachrichten | 4.11.2008

Patentierter Hunger

Agrarkonzerne sichern sich Rechte an Pflanzen und Tieren

Konzerne wie Monsanto melden immer mehr Patente an, die sich auf konventionelle Pflanzen beziehen und sich gleichzeitig auf die Bereiche der Lebensmittel-, Futtermittel- und Energieerzeugung erstrecken.. Der Greenpeace-Report  ‚Patents on Hunger?’ warnt vor den möglichen Folgen der Patentierung von Lebensmitteln und Energiepflanzen. Er analysiert

aktuelle Patentanmeldungen bei der Weltpatentbehörde WIPO und stellt heraus, dass die angemeldeten Ansprüche alle möglichen Produktionsstufen und Verwendungen umfassen: „Ausgehend vom Saatgut beanspruchen die Konzerne die gesamte Produktionskette bis hin zur Verarbeitung der Ernte z. B. zu Salatöl und Agrosprit. Im Gegensatz dazu kann ein Verkäufer von Saatgut, das mit dem in Europa bisher üblichen Sortenschutz ausgestattet ist, nicht bestimmen, was mit der Ernte und den daraus hergestellten Produkten geschehen soll.“

Überraschenderweise sei die Grundlage der Patente in vielen Fällen die Züchtung konventioneller Pflanzen, Gentechnik spiele oft keine Rolle. An konkreten Beispielen nennt Greenpeace Monsanto-Patentanmeldungen für Sojabohnen mit einer bestimmten Öl- oder Proteinqualität. Die Umweltorganisation befürchtet, dass durch die Patente Nahrungsmittel teurer und Kleinbauern in ihrer traditionellen Arbeit gehindert werden. „Ein Patentsystem, das zu ernsten weltweiten Versorgungsengpässen führen kann, steht im Widerspruch zu einer nachhaltigen Ernährungssicherung und muss von der internationalen Gemeinschaft verhindert werden“, heißt es in dem Report.

Vor dem Europäischen Patentamt in München haben kürzlich Bauern-, Entwicklungshilfe- und Umweltorganisationen gegen Patente auf die Züchtung von Tieren, Pflanzen und Lebensmittel demonstriert und dabei 40.000 Unterschriften übergeben. Anlass der Demonstration war eine anstehende Präzedenzentscheidung des Amtes zu Patenten auf die Züchtung normaler Pflanzen und Tiere. Dabei kritisierte Josef Sayer, Hauptgeschäftsführer von Misereor: „Patent-Monopole auf Saatgut und Nutztiere sind eine Gefahr für die Welternährung. Hier geht es nicht um Schutz von Erfindungen, sondern um die Gier internationaler Konzerne. Das Europäische Patentamt betreibt einen Ausverkauf der Schöpfung entgegen den gesetzlichen Grundlagen.“

Die Demonstration war Teil der internationalen Kampagne ‚No patents on seed’.
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