Nachrichten | 30.12.2008

Alte Studie – neue Fragen:

Sind gentechnisch veränderte Eiweiße ansteckend?

Können gentechnisch veränderte Eiweiße andere Eiweiße zu Allergenen machen? Diese Frage stellen österreichische Wissenschaftler in einer Studie für das deutsche Bundesamt für Naturschutz (BfN). Sie sehen einen deutlichen Bedarf, das Verfahren zur Allergenitätsprüfung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) neu zu überdenken.

2005 brach die australische Wissenschaftlerin Vanessa Prescott  die Entwicklung einer genmanipulierten Erbse ab, nachdem bei Fütterungsversuche mit Mäusen die Tiere erkrankt waren. Gentechnik-Kritiker werteten den beendeten Versuch als Beleg für die Gefährlichkeit gentechnisch veränderter Lebensmittel. Gentechnik-Befürworter wiesen darauf hin, dass die Sicherheitsvorkehrungen funktioniert hätten.

Das Bundesamt für Naturschutz hatte Rudolf Valenta, Professor für Immunopathologie und Allergenexperte an der Medizinischen Universität Wien damit beauftragt, die Prescott-Studie von 2005 genau unter die Lupe zu nehmen. Er sollte darstellen, welche Folgen sich daraus für die aktuellen Untersuchungen der Allergenität gentechnisch veränderter Pflanzen ergeben. In ihrem Bericht für das BfN weisen Valenta und sein Kollege Armin Spök auf ein wesentliches Detail des damaligen Versuches hin. Das gentechnisch veränderte Eiweiß hatte andere, nicht verwandter Proteine in der Erbse „angesteckt“. Die an sich harmlose Eiweiße lösten plötzlich eine erhöhte Immunreaktion aus. Solche ansteckenden Eigenschaften werden jedoch im Rahmen des gegenwärtigen GVO-Prüfverfahrens nicht überprüft. Die beiden Wissenschaftler kritisierten auch, dass in den üblichen Allergietests nicht die von der Pflanze produzierten transgene Eiweiße verwendetet würden, sondern solche, die aus GVO-Mikroorganismen gewonnen wurden. Die könnten sich in Kleinigkeiten unterscheiden und dadurch das Ergebnis verfälschen. Sie plädierten deshalb dafür, die Allergietests für GVO grundlegend zu ändern.

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