Nachrichten | 30.12.2008

Neue Studie

Gentechnik-Sprüche im Realitäts-Check

Gentechnisch veränderten Nutzpflanzen sollen den Welthunger bekämpfen, die Energieversorgung sichern und dem Klimawandel trotzen. Doch die Versprechungen der Gentechnik-Konzerne über neu entwickelte Nutzpflanzen halten einer Überprüfung nicht Stand. Gentech-Pflanzen mit den genannten Eigenschaften werden in absehbarer Zeit nicht zur Marktreife kommen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit dem Titel: „Die Heilsversprechen der Gentechnikindustrie - ein Realitäts-Check“.

Die Umweltorganisation ließ Forschungsvorhaben, Investorenberichte sowie Daten über bereits stattfindende und geplante Freisetzungen der sechs größten Gentechnik-Unternehmen weltweit auswerten. Zwar forschen Monsanto, BASF, Syngenta, Bayer, Dow und DuPont-Pioneer auch an Pflanzen, die Trockenheit besser ertragen oder einen höheren Ertrag bringen. Doch haben diese Arbeiten laut BUND keine hohe Priorität und erfolgten entgegen den Verlautbarungen aus der Industrie mit unklarem Zeitrahmen und ungewissem Erfolg.

„Im ernstzunehmenden Stadium der Entwicklung befinden sich vor allem Gentech-Pflanzen mit den Eigenschaften Herbizid- bzw. Insektizidresistenz. Das sind die altbekannten Forschungen, bei denen es den Unternehmen am Ende darum geht, mehr Spritzmittel zu verkaufen als bisher“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger bei Vorstellung der Studie. Alle genannten Gentechnik-Konzerne erwirtschafteten den Löwenanteil ihres Umsatzes mit chemischen Spritzmitteln. Ihr vorrangiges Interesse sei, herbizidresistente Pflanzen und dazugehörige Spritzmittel in Kombination zu verkaufen.

Die Studie zeigt am Beispiel des mittelständischen Unternehmensverbundes Saaten-Union, dass es auch ohne Gentechnik geht. Die zum Verbund gehörende Südwestsaatzucht in Rastatt entwickelte erstmals eine konventionell gezüchtete, resistente Maissorte gegen den weltweit gefürchteten Maiswurzelbohrer. In Ungarn befinden sich zwei Sorten aus der neuen Linie mit dem Handelsnamen Sunrise seit 2008 in der Wertprüfung. Sie sollen 2009 zugelassen werden. Damit macht das Rastätter Unternehmen Monsantos umstrittenem Gen-Mais MON 863 Konkurrenz, der ebenfalls dem Maiswurzelbohrer widerstehen soll.

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