Nachrichten | 12.1.2009

Neuer Gentech-Versuch

Uni will Kartoffel mit Cholera-Gen anbauen

Die Universität Rostock will von 2009 bis 2012 in Üplingen (Sachsen-Anhalt) und Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern) drei Sorten genmanipulierte Kartoffeln anbauen. Einer Sorte wurden Teile des Cholera-Bakteriums eingebaut. Damit soll ein Impfstoff bzw. ein Impfstoff-Hilfsmittel erzeugt werden. Andere Kartoffelpflanzen sollen einen Impfstoff für Kaninchen herstellen. Eine dritte Linie der Gentechnik-Knollen soll den plastikähnlichen Stoff Cyanophycin produzieren, der in der Bau- und Waschmittelindustrie genutzt werden könnte.

Einen Tag vor Weihnachten hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den Antrag der Universität Rostock zur Einsichtnahme ausgelegt. Im April sollen die Knollen – rechtzeitige Genehmigung vorausgesetzt – in die Erde.

„Gentechnisch manipulierte Pflanzen lassen sich im Freiland nicht kontrollieren. Das gilt auch für Pharma-Pflanzen. Es droht eine Kontamination der Nahrungskette mit Arzneimitteln aus transgenen Pflanzen“, argumentiert das Münchner Umweltinstitut. Auch könnten die gentechnischen Eingriffe zu unkontrollierbaren Effekten führen. Insbesondere bei Cyanophycin-Kartoffeln könne die gentechnische Veränderung den Pflanzenstoffwechsel durcheinanderbringen und Miniaturknollen entstehen lassen.

Das Umweltinstitut ruft die Verbraucher dazu auf, Protest-E-Mails gegen den geplanten Anbau der genmanipulierten Kartoffeln an die Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU), zu schicken. Eine Muster-E-Mail, die man nach Belieben ändern kann, findet sich auf den Internetseiten des Instituts. Die Münchner Organisation bietet auch eine Mustereinwendung zum Ausdrucken, mit der man Unterschriften gegen den Versuchsanbau sammeln kann. Die Listen sollten bis 19. Februar zurück im Umweltinstitut sein, dass die Unterschriften dann gesammelt übergeben will.
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