Nachrichten | 19.1.2009

Zehn Jahre ‚Goldener Reis’

Ein nicht gehaltenes Versprechen

Seit fast zehn Jahren dient der gentechnisch veränderte und deshalb Betacarotin-reiche ‚Goldene Reis“ als Beispiel für die segensreiche Wirkung der grünen Gentechnik. „Dieser Reis kann jedes Jahr eine Million Kinder retten“ titelte im Jahr 2000 das Time Magazin. Doch bislang konnte der Gen-Reis sein Versprechen, Kinder in Entwicklungsländern vor einem lebensbedrohlichen Vitamin-A-Mangel zu schützen, nicht einlösen. Das belegt eine Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch. Darin setzt sich der frühere Greenpeace-Campaigner Christoph Then mit dem Stand des Projekts und den damit verbundenen Risiken auseinander.

Then zufolge brauchten die beteiligten Wissenschaftler bis 2005, um tatsächlich Reiskörner mit relevanten Betacarotin - Mengen in einem Freilandversuch zu ernten. Zu wichtigen technischen Fragen würden bis heute die entsprechenden Veröffentlichungen fehlen. So sei nicht bekannt, wie schnell sich das Betacarotin bei der Lagerung des Reiskörner und bei deren Zubereitung abbaue. Auch über die Bioverfügbarkeit gebe es keine öffentlich zugänglichen Studien. Then geht jedoch davon aus, dass den Betreiber des von der Gates-Stiftung geförderten Projekts sehr wohl Versuchsdaten vorliegen. Er berichtet auch darüber, dass die Tufts Universität in den USA erste Fütterungsversuche mit Erwachsenen durchführte. 2008 wollte die Uni Schulkindern im Alter zwischen sechs und acht Jahren in China den Reis essen lassen. Die Menschenversuche wurden von den chinesischen Behörden jedoch gestoppt. Die US-Behörden hatten das Vorhaben bereits genehmigt. Offen ist laut Foodwatch-Studie auch das Auskreuzungsrisiko auf reisähnliche Unkräuter. Bisher lägen keinerlei Daten über die Umweltrisiken vor.

Kritisch geht Then mit der Öffentlichkeitsarbeit des Golden Rice Projekts ins Gericht: „Wer Kochrezepte für den ‚Golden Rice’ ins Netz stellt, ohne vorher wenigstens Angaben darüber zu machen, wie viel Carotin im Reis nach beispielsweise vier Wochen Lagerung und 20 Minuten Kochen enthalten ist, betreibt keine Wissenschaft, um Hungerprobleme zu lösen, sondern muss sich dem Verdacht der Schaumschlägerei aussetzen.“ Als Fazit zitiert er Spezialisten der Weltgesundheitsorganisation, die im Kampf gegen den Vitamin-A-Mangel „der Ausgabe von  Vitaminpillen, der Anreicherung von normalen Lebensmitteln mit Vitamin A und der Unterrichtung der Menschen im Anbau von Karotten und speziellem grünen Gemüse mehr Aussicht auf Erfolg einräumen als dem Einsatz der Gentechnik.“

Foodwatch zieht aus der Studie folgende Bilanz: „Insgesamt stellt sich das ‚Golden Rice’-Projekt als eine Kampagne zur Durchsetzung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel dar, der öffentlichkeitswirksam ein humanitäres Kleid übergestreift wurde: Ein Projekt, mit dem gleichermaßen die Standards für die Risikoprüfung von gentechnisch verändertem Saatgut abgesenkt und die Kritiker der Gentechnik-Nahrung moralisch unter Druck gesetzt werden sollen sowie die Ablehnung der Verbraucher durchbrochen werden soll.“

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