Nachrichten | 3.2.2009

Ohne Gentechnik

Kennzeichnungsregel in der Kritik

Von der Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ erwarten viele Verbraucher den völligen Verzicht auf Gentechnik bei der Herstellung von Lebensmitteln. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Online-Befragung der Universität Gießen von 1012 hessischen Verbrauchern. CDU und Lebensmittelwirtschaft nutzten die Befragungsergebnisse, um gegen die ungeliebte ‚Ohne-Gentechnik’-Kennzeichnung zu Felde zu ziehen. Denn die erlaubt ein bisserl Gentechnik.

So darf etwa Rind- und Schweinefleisch auch dann als „ohne Gentechnik“ gekennzeichnet werden, wenn die Tiere erst in den letzten zwölf beziehungsweise vier Monaten kein Futter aus gentechnisch veränderten Bestandteilen bekommen haben. Auch dürfen dem Tierfutter zugesetzte Vitamine und Aminosäuren von gentechnisch veränderten Mikroorganismen erzeugt worden sein. Knapp 80 Prozent der von der Uni Gießen befragten Verbraucher erwarteten bei Lebensmitteln mit der Kennzeichnung ‚ohne Gentechnik’ jedoch überhaupt keine gentechnisch veränderten Bestandteile im Futter.

„Zu einer ehrlichen Verbraucheraufklärung gehört auch, klar zu benennen, wo Gentechnik drin ist und wo nicht“, teilte die CDU-Bundestagfraktion mit und gab die Verantwortung für die Regelung an ihren Koalitionspartner SPD weiter. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) sieht seine Kritik an der Kennzeichnungsregelung „durch die hessische Verbraucherstudie vollumfänglich bestätigt.“ Die Regelung sei irreführend.

Die Umwelt- und Verbraucherverbände verweisen darauf, dass die im Mai 2008 neugefasste Kenzeichnungsregel es einfacher macht, tierische Produkte als ‚ohne Gentechnik’ auszuloben, wenn das Futter kein Gen-Soja oder Gen-Mais enthält. Denn die Verbraucher wollen keine tierischen Produkte, bei denen die Tiere mit Gen-Pflanzen gefüttert wurden. „Wer sich gegen die neue Kennzeichnung ausspricht, bevormundet die Verbraucher. In einer gemeinsamer Erklärung forderten  die Verbände Hersteller und Handel auf, die neue Kennzeichnung zu nutzen und ‚ohne-Gentechnik’-Produkte ins Sortiment aufzunehmen. „Nur so erhalten Verbraucher endlich Wahlfreiheit.“

Mehr zum Thema hat der Informationsdienst Gentechnik in einem Dossier zusammengestellt

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