Nachrichten | 16.2.2009

Baumwolle

Gentechnik auf unserer Haut

Die Naturschutzorganisation NABU fordert, dass Verbraucher darüber informiert werden, ob ihre Kleidung vom Gentechnik-Acker kommt. Denn 40 Prozent der weltweit hergestellten 25 Millionen Tonnen Baumwolle stammen bereits von gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen. Anders als bei Lebensmitteln muss der Einsatz der Gentechnik bei Textilien nicht deklariert werden. Gesetze, die den gentechnikfreien Baumwoll-Anbau vor Verunreinigungen schützen, gibt es nicht. Damit die Verbraucher sich beim Einkauf bewusst entscheiden können, fordert der NABU eine Kennzeichnungspflicht für Gentechnik-Baumwolle in Kleidung. Auch für umwelt- und sozialverträglich produzierte Textilien sollte es statt der derzeitigen Labelvielfalt ein einheitliches Kennzeichen geben.

In einem Hintergrundpapier listet der NABU die Probleme konventioneller Baumwollerzeugung auf: hoher Pestizideinsatz und Wasserverbrauch, Kinderarbeit, verarmte Kleinbauern. Ihnen hat man die teure genmanipulierte Baumwolle als modernstes und ertragsreiches Saatgut verkauft. Tatsächlich erwies sich die Gen-Baumwolle als sehr wetterempfindlich und anfällig gegenüber Schädlingen. In Indien haben Missernten mit Gentech-Baumwolle Tausende Kleinbauern in den Selbstmord getrieben. Kaum untersucht sind die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. In Indien sollen zahlreiche Schafe umgekommen sein, nachdem sie auf abgeernteten Baumwollfeldern grasten. Auch gibt es Berichte über zunehmende allergische Reaktionen bei Menschen, die mit den Fasern hantieren.

Die genmanipulierten Baumwollpflanzen produzieren ein Gift gegen den Baumwollkapselbohrer und sollen dadurch den Pestizideinsatz verringern. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die Tiere mit der Zeit immun dagegen werden. Gleichzeitig machen sich andere Schädlinge breit, gegen die das Gift nicht hilft. Nach einigen Jahren müssen Baumwollbauern wieder ebenso viele Pestizide einsetzen wie frührer, zahlen aber viel mehr für das Saatgut. Eine Studie hat dies am Beispiel chinesischer Bauern aufgezeigt. Studien aus Indien belegen, dass den Kleinbauern der Anbau von Bio-Baumwolle mehr bringt als der Einsatz von Gentechnik.

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