EU-Kommission lässt 19 neue Gentech-Pflanzen zu

Die EU-Kommission teilte am vergangenen Freitag mit, sie habe „ 10 Neuzulassungen für genetisch veränderte Organismen (GVO) zur Verwendung in Lebens-/Futtermitteln erteilt, 7 bereits geltenden Zulassungen erneuert und die Einfuhr von 2 GV-Schnittblumensorten genehmigt.“ In allen Fällen konnten sich die 28 EU-Mitgliedsstaaten zuvor nicht mit qualifizierter Mehrheit auf eine Zulassung einigen. Deshalb hat die Kommission, gestützt jeweils auf Bewertungen der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, nun allein entschieden. Dazu sei sie „gemäß dem derzeitigen GVO-Rechtsrahmen verpflichtet“ gewesen, argumentierte die Kommission und verwies dabei auf ihren Vorschlag, künftig den Mitgliedsstaaten nationale Zulassungsverbote zu ermöglichen.

Die insgesamt 19 Zulassung betreffen nicht den Anbau von GVO sondern nur deren Einfuhr. Neu erlaubt sind nun die Maissorte MON87460, die Sojabohnensorten MON87705, MON87708, MON87769, DP305423 und BPS-CV127-9 sowie eine Ölraps und drei Baumwollsorten. Erneuert wurden die Importzulassungen für vier Baumwollsorten von Monsanton, die Maissorten T25 und NK603 sowie den Ölraps GT73.

Die Organisation Testbiotech hat angekündigt, gegen die Zulassung Beschwerde einzulegen. „Die Risiken der jeweiligen Pflanzen wurden nicht ausreichend erforscht. Kombinierte Auswirkungen auf die Gesundheit, die auftreten können, wenn die Pflanzen in Nahrungsmitteln gemischt werden, wurden sogar überhaupt nie untersucht“, erklärte Christoph Then von Testbiotech. „Der laxe Umgang mit den Risiken dieser Pflanzen und deren massenhafte Zulassung führt zu stetig steigenden gesundheitlichen Risiken in der Nahrungsmittelproduktion.“ Die Risikobewertung der EFSA sei auch von Experten verschiedener EU-Mitgliedsländer kritisiert worden. Doch habe dies keine Auswirkungen auf die Zulassungen gehabt.

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Schweiz erlaubt Versuchsanbau von Gentechnik-Kartoffeln

Das Schweizer Bundesamt für Umwelt hat dem bundeseigenen Forschungszentrum Agroscope erlaubt, fünf Jahre lang versuchsweise gentechnisch veränderte Kartoffeln auf einem gesicherten Testfeld anzubauen. Bei den Knollen handelt es sich um cisgene Versuchspflanzen, die von Forschern der niederländischen Universität Wageningen entwickelt wurden. Cisgen bedeutet, dass in die DNA der Pflanzen kein artfremdes Erbgut eingebaut wurde. Sie enthalten Gene von südamerikanischen Wildkartoffelarten, die sie resistent gegen die Kraut- und Knollenfäule machen sollen.

Die Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG) lehnt diese Versuche ab. Sie hält die Cisgenese, für genauso risikoreich wie die üblicherweise angewandte Transgenese mit artfremdem Erbgut. Wo das neue Gen im Erbgut der Pflanze eingebaut werde, sei nicht steuerbar. Dies könne zu unerwarteten Effekten und zu Störungen bei anderen genetischen Eigenschaften führen – mit unbekannten Folgen, warnt die SAG.

Offiziell dient der Versuch dazu, die Eignung der niederländischen Kartoffel für einen Anbau in der Schweiz zu untersuchen. SAG-Präsidentin und Biobäuerin Maya Graf kritisiert: „Die knappen Forschungsgelder in der Schweiz sollten nicht für Versuche eingesetzt werden, die für unsere Landwirtschaft keine Lösung bieten.“ Die Schweiz könne sich nur mit Qualitätsprodukten profilieren und Qualität bedeute ohne GVO. Die SAG argumentiert, dass die bisherigen Eignungsprüfungen des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) bereits mehrere bestehende Sorten identifiziert hätten, die wenig anfällig für die Kraut- und Knollenfäule seien. In den Niederlanden züchte das Louis Bolk-Institut in einem staatlich geförderten Programm resistente Bio-Kartoffeln – auf traditionelle Art und Weise.

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Glyphosat: BfR hat Lücken in seiner Bewertung

Die vom Bundesinstitut für Risikobewertung verfasste Bewertung von Glyphosat hat Lücken. Das wirft das Pestizid-Aktions-Netzwerk PAN der Behörde vor. PAN stützt sich dabei auf eigene Recherchen, denen zufolge „es derzeit mindestens zehn Studien gibt, die zeigen, dass Glyphosat in Zellen sogenannten oxidativen Stress auslöst, der auch zur Krebsentstehung führen kann.“ Diesen Wirkungsmechanismus habe das BfR jedoch außer Acht gelassen, heißt es in der Mitteilung von PAN und Testbiotech. Dieses Versäumnis könnte ein Grund dafür sein, dass das BfR, anders als die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation, zu dem Schluss komme, dass Glyphosat nicht krebserregend sei, schreiben die beiden Organisationen.

Der Toxikologe Peter Clausing, der für PAN Germany die vorliegenden Studien bewertet hatte, kritisierte: „Das BfR geht nur auf zwei Publikationen zum Thema oxidativer Stress ein, allerdings nicht im Zusammenhang mit einer möglichen Krebsentstehung. Mindestens acht weitere Untersuchungen aus den Jahren 2005 bis 2013, die über die Erzeugung von oxidativem Stress durch Glyphosat an Wirbeltieren wie Fischen, Kaulquappen, Mäusen und Ratten berichten, fanden überhaupt keine Erwähnung. Befunde dieser Art sind aber in Zusammenhang mit einer möglichen krebsauslösenden Wirkung relevant.“

Das sieht auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO so, deren Experten vor kurzem Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft hatten. Dabei betrachtete die IARC die Erzeugung von oxidativem Stress als einen von zwei Mechanismen, über die Glyphosat seine wahrscheinlich krebserzeugende Wirkung ausübt. Oxidativer Stress entsteht, wenn hochreaktive chemische Stoffe die Fähigkeit von Zellen überfordern, solche schädlichen Verbindungen zu deaktivieren und von ihnen verursachte Schäden zu reparieren. Diese Schäden, etwa an den Chromosomen des Erbguts können zu Krebs führen.

Das BfR erklärte, seine Zuarbeit im EU-Genehmigungsverfahren von Glyphosat für abgeschlossen. Es sei nicht zielführend, als Verfasser des Bewertungsberichts zu Glyphosat die IARC-Monographie zu kommentieren, schrieb das BfR.

Applaus für die Einordnung des IARC kam aus Argentinien. Der Nachrichtendienst GMWatch hat einen Artikel mit Stimmen argentinischer Forscher ins Englische übersetzt. Einer von ihnen ist Fernando Manas, der seit Jahren die erbgutschädigende Wirkung von Agrarchemikalie erforscht. Er bewertete die Einordnung durch das IARC „als Konsequenz aus den zunehmenden wissenschaftlichen Belegen, die von mehreren unabhängigen Forschern zusammengetragen wurden.“

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EU-Kommission will Opt-out-Regelung auch für Importe

Die EU-Kommission will es den Mitgliedsstaaten ermöglichen, den Import von Gentech-Pflanzen zu verbieten, die von der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen sind. Ein bisher nur intern diskutierter Vorschlag dazu findet sich im Netz. Die Agrarlobby läuft Sturm gegen den Vorschlag, Auch Gentechnikkritiker sind skeptisch.

Die Kommission will regeln, dass einzelne Mitliedsstaaten nicht nur den Anbau, sondern auch den Import zugelassener GVO verbieten können. Eine solche Opt-out-Regelung für Importe dürfe sich aber nicht auf Gesundheits- und Umweltaspekte stützen, heißt es in dem Vorschlag. Welche anderen rechtlichen Belange einen nationalen Opt-out stützen könnten, sagt die Kommission nicht. Sie spricht lediglich davon, dass der Mitgliedsstaat einzelfallbezogen darlegen müsse, inwieweit eine Untersagung des Imports im öffentlichen Interesse liege.

Ein nationales Verbot, dass sich auf eine solche Regelung stützen würde, hätte juristisch keine Chance, kritisierte die Umweltorganisation Friends of Earth. Sie erinnerte daran, dass Kommissionschef Juncker versprochen hatte, das EU-Zulassungsverfahren selbst zu verbessern und zu demokratisieren. Die britische Zeitung The Guardian setzte Junckers Vorstoß in Beziehung zu den anstehenden Importzulassungen für insgesamt 17 GVO. Die USA hätten im Zuge der TTIP-Verhandlungen den Druck erhöht, die Zulassungsprozedur für GVO-Einfuhren zu beschleunigen, heißt es in dem Artikel. Die Zulassungen sollen spätestens bis Ende Mai erteilt werden.
Der Grain Club, dem acht deutsche Agrarlobbyverbände angehören, sieht durch den Vorschlag der Kommission den EU-Binnenmarkt bedroht. Er „warnt eindringlich vor den dramatischen Konsequenzen für die Agrar- und Ernährungswirtschaft.“ Das Vorhaben widerspreche den Grundsätzen des freien EU-Binnenmarktes und untergrabe die Kompetenzen der EU-Lebensmittelbehörde EFSA.

Eine offizielle Entscheidung der Kommission soll in den nächsten Wochen fallen.

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Neue Studie: Gentech-Mais ist wetterfühlig

Der Gehalt an insektengiftigem Bt-Toxin in genmanipuliertem Mais MON810 ist wetterabhängig. Das haben Wissenschaftler aus der Schweiz und Norwegen festgestellt. Sie hatten zwei verschiedene Mais-Sorten mit MON810-Erbgut in Klimakammern angebaut und sie verschiedenen Stressfaktoren wie Hitze, Kälte, Trockenheit und Feuchtigkeit ausgesetzt. Laut der Studie wurde auf diese Weise zum ersten Mal gemessen, wie wechselnde Umweltbedingungen die biologische Aktivität des zusätzlich eingeführten Gens und den Gehalt an Bt-Toxin beeinflussen.

Die in der Fachzeitschrift Plos One veröffentlichte Ergebnisse sind überraschend. Bereits unter optimalen Klimabedingungen wiesen die zwei Sorten deutlich unterschiedliche Bt-Gehalte in ihren Blättern auf. Bei stressigen Klimabedingungen wurden die Unterschied noch größer. Bei einer Sorte vervielfachte sich der Gehalt an Insektengift bei Kälte und Feuchtigkeit, bei der anderen nicht. Die Aktivität des in die Pflanzen eingebauten Gen-Konstrukts war bei Hitze und Trockenheit bei einer Sorte signifikant vermindert. Trotzdem nahm wieder Erwarten der Gehalt an Bt-Toxin nicht ab. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass der Bt-Gehalt nicht nur durch die Aktivität des Gen-Konstrukts bestimmt wird, sondern auch vom genetischen Hintergrund der jeweiligen Maissorte abhängt. Unter stressigen Bedingungen ist der Gehalt an Bt-Proteinen sogar noch schwieriger vorherzusagen“, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Fazit.

Der Verein Testbiotech hat diese Forschungsarbeit unterstützt. Für Geschäftsführer Christoph Then sind die Ergebnisse ein weiterer Beleg dafür, dass die Grundlagen der derzeitigen Risikobewertung nicht ausreichen. Um eine mögliche Gefährdung von Mensch und Umwelt exakter beurteilen zu können, würden verlässliche Daten über den Bt-Gehalt in den Pflanzen benötigt. Weil es diese offensichtlich nicht gebe ist für Then klar: „Weitere Anträge auf Marktzulassung gentechnisch veränderter Pflanzen, die Insektengifte produzieren, sollten ausgesetzt werden.“

Ein ausführliches Hintergrundpapier von Testbiotech

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USA: Siegeszug der Neonics auf den Gentech-Feldern

In den USA werden seit 2003 immer mehr Maiskörner und Sojabohnen ausgesät, die zuvor mit Neonicotinoiden gebeizt wurden. Das ergab eine Studie von Insektenforschern der Universität von Pennsylvanien. Demnach wuchsen 2011 auf 34 bis 44 Prozent aller Sojafelder und 79 bis 100 Prozent aller Maisäcker Pflanzen aus neonic-gebeiztem Saatgut. Diese sehr bienengiftigen Insektizide werden von den Pflanzen während ihres Wachstums aus dem Samen in Blätter, Blüten und Pollen eingebaut. In der EU sind einige der Wirkstoffe für bestimmte Anwendungen derzeit verboten, wegen ihrer Auswirkung auf Nützlinge.

Die Autoren der Studie weisen eigens darauf hin, dass dieser erst 2003 (Mais) bzw. 2005 (Soja) begonnene Einsatz von Neonicotinoiden alle Studien konterkariert, die behaupten, in den letzten Jahren hätte sich durch den Anbau von genmanipuliertem Bt-Mais der Einsatz von Pestiziden auf Maisäckern verringert. Diese Arbeiten hätten das gebeizte Saatgut und dessen Wirkung gegen Insektenbefall schlicht nicht einbezogen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Anwendung von Neonicotinoiden zur Beize von Mais und Soja zu einem massiven Anstieg der mit Insektiziden behandelten Ackerflächen in den USA geführt hat“, heißt es in der Mitteilung der Universität.

Die Wissenschaftler stellen fest, dass der präventive Einsatz von Neonics als Beize ohne Beachtung des tatsächlichen Schädlingsbefalls den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) widerspricht. Sie befürchten, dass der Einsatz von Neonics als Beize sich in den USA weiter ausbreitet. Dabei hätten einige Studien gezeigt, dass sich mit zielgerichteten Maßnahmen der Einsatz von Neonics zurückfahren lasse ohne dass dies die Ernteergebnisse beeinträchtige oder den Farmern Einbußen brächte.

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IFOAM: Ein Anbauverbot ist der beste Schutz vor Verunreinigungen

Der Öko-Dachverband IFOAM hat in einem Dossier dargestellt, welche Maßnahmen die einzelnen EU-Mitglieder ergriffen haben, um gentechnische Verunreinigungen zu vermeiden und die Koexistenz zu sichern. Das Fazit der Untersuchung: „Anbauverbote sind zweifellos die kostengünstigste Möglichkeit, die ökologische und gentechnikfreie Landwirtschaft vor Verunreinigungen zu schützen.“

Laut IFOAM haben 15 der 28 EU-Mitglieder gesetzlicher Regelungen zur Sicherung der Koexistenz erlassen. In 13 Ländern fehlen sie. Allerdings haben einige dieser Länder ein Anbauverbot erlassen oder andere Regelungen getroffen, die den Einsatz von genmanipulierten Pflanzen betreffen. In Österreich etwa haben die Bundesländer dies geregelt. In Frankreich gibt es zwar ein Rahmengesetz zur Koexistenz, allerdings fehlen die Details wie Mindestabstände. Völlig ungeregelt ist der GVO-Anbau in Großbritannien, Irland, Spanien, den Niederlanden, Finnland, Estland und Kroatien.

Zu den gängigsten Koexistenzregelungen gehören Mindestabstände, zeitverschobener Anbau, Getrennthaltungsvorgaben, Standortregister, aber auch spezielle Ausbildungsnachweise für Gentech-Bauern. Die Mindestabstände reichen bei Mais von 5 bis zu 600 Metern. In Bulgarien ist der Anbau in der Nähe von Naturschutzgebieten in einem Umkreis von 30 Kilometern verboten. Einige Länder wie Frankreich haben strenge Haftungsregeln für Verunreinigungsfälle erlassen. In Portugal soll ein Fonds Schäden abdecken, der mit einer Abgabe auf GVO-Saatgut gefüllt wird. Ausführlicher dargestellt werden die Regelungen in Spanien, Polen, Rumänien, Deutschland und Österreich. Der Report macht auch deutlich, welche Kosten solche Maßnahmen für die gentechnikfrei wirtschaftenden Unternehmen verursachen.

Der IFOAM-Bericht schließt mit Empfehlungen für die EU-Ebene und die einzelnen Mitgliedsstaaten. Sie reichen von der Aufforderung, keine weiteren GVO für Anbau oder Import zuzulassen bis hin zur verpflichtenden Kennzeichnung tierischer Lebensmittel. Staaten, die nationale Anbauverbote ablehnen, sollten zumindest detaillierte Koexistenzregelungen erlassen

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EU-Forschungsprojekt: Koexistenz ist kein Problem

Das EU-Forschungsprojekt PRICE kommt zu dem Ergebnis, dass ein Nebeneinander von GVO-Anbau und gentechnikfreier Landwirtschaft durchaus möglich sei. Die dafür in der EU und ihren Mitgliedsstaaten vorgesehenen Regelungen seien gut umsetzbar, heißt es in einer Mitteilung der Forscher.

Der Projektleiter Justus Wesseler von der TU München beschreibt darin die Datengrundlage so: „In unseren zweijährigen Versuchen auf kleinen Flächen in Spanien haben wir zwei Maßnahmen überprüft. Zum einen Pufferzonen zwischen GV- und Nicht-GV-Feldern, zum anderen unterschiedliche Aussaatzeiten, um zu vermeiden, dass die Pflanzen zur gleichen Zeit blühen.“ In Deutschland, Tschechien und Spanien hätten zudem Versuche mit Mais stattgefunden, der keine Pollen produziere. Außerdem hatten die Forscher knapp 1500 Landwirte in Deutschland, Spanien, Portugal und Großbritannien zum Thema Koexistenz befragt.
Wesselers Fazit: „Dank PRICE können wir belegen, dass die Koexistenz von GV- und Nicht-GV-Lebensmitteln im Rahmen der EU-Gesetzgebung funktioniert. Niedrigere Grenzwerte oder strengere Auflagen würden aus unserer Sicht Engpässe im Futtermittelbereich nach sich ziehen.“

Kein gutes Haar lässt die Organisation Testbiotech an der Studie. Sie wirft den Forschern vor, dass sie ihre Untersuchungsergebnisse aus Portugal verschwiegen hätten. Dabei hätte PRICE zum Teil erhebliche Kontamination mit Gentechnik-Mais in Backwaren festgestellt. „Sie beprobten 16 Brote aus sieben Regionen. Alle waren mit Gentechnik-Mais MON810 und NK603 belastet. Zum Teil betrug der Gentechnikanteil rund zehn Prozent“, schreibt Testbiotech. Dessen Geschäftsführer Christoph Then wertet die PRICE-Mitteilung als Propaganda: „Anstatt die Öffentlichkeit über die Kontaminationen durch Gentechnik-Mais zu informieren, beruft man sich lieber auf Anbauversuche und Computermodelle, nach denen es gar keine Probleme geben sollte.“ Then hält Projektleiter Wesseler vor, dass er Mitglied in verschiedenen industrienahen Organisationen sei und 2014 in einer Studie zum Thema Golden Rice Gentechnikkritiker für den Tod von 1,4 Millionen Menschen in Indien verantwortlich gemacht habe.
„Wir sehen leider immer wieder das gleich Muster: Die Industrie versucht mit allen Mitteln, Einfluss auf die öffentliche Meinung zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft zu nehmen. Und die EU-Kommission finanziert das auch noch mit Steuergeldern“, kritisierte Christoph Then.

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EPA bestätigt Patente auf Tomaten und Brokkoli

Das Europäische Patentamt (EPA) hat endgültig die umstrittenen Patente auf Tomaten und Brokkoli für zulässig erklärt. Die Große Beschwerdekammer des Amtes stellt klar, dass Patente auf Pflanzen und Tiere, die konventionell gezüchtet sind, weiterhin erteilt werden dürfen – obwohl laut Gesetz die Patentierung von Verfahren zur konventionellen Züchtung verboten ist.

In den seit über zehn Jahren andauernden Verfahren geht es um Brokkoli mit einem erhöhten Gehalt an Glucosinaten und um eine Tomatensorte mit geringem Wassergehalt. Bei deren an sich konventionellen Züchtung setzten die Unternehmen so genannte genetische Marker ein, um die gewünschte Eigenschaft im Erbgut zu identifizieren. Sie ließen sich jedoch nicht nur das Marker-Verfahren patentieren, sondern sämtliche Pflanzen mit der erwünschten Eigenschaft.

Die internationale Koalition Keine Patente auf Saatgut! kritisierte die Grundsatzentscheidung des EPA scharf. „Das EPA hat den Weg für Konzerne wie Monsanto und Syngenta geebnet, die Kontrolle über die Grundlagen unserer Ernährung zu übernehmen. Wir fordern die europäischen Regierungen auf, jetzt politisch Druck auf das Europäische Patentamt auszuüben, um diese Praxis sofort zu stoppen“, sagte Christoph Then, der Koordinator des Bündnisses. Er rügte, dass die Bundesregierung bislang untätig geblieben sei. „Wir appellieren an den zuständigen Bundesjustizminister Heiko Maas, jetzt so rasch wie möglich eine Initiative im Verwaltungsrat des Europäischen Patentamtes zu starten.“

Der Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft nannte die EPA-Entscheidung verheerend. „Züchter und Landwirte brauchen den freien Zugriff auf die genetische Vielfalt aller Pflanzensorten und Tierrassen. Das bestehende Sortenschutzrecht reicht völlig aus, um die geistige Leistung zu schützen“, sagte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein. Das sieht auch der Bund der Deutschen Pflanzenzüchter (BDP) so. Das Patentrecht werde durch die Entscheidung über den Bereich der technischen Erfindungen hinaus, für die es eigentlich vorgesehen sei, unangemessen ausgedehnt, argumentierte BDP-Geschäftsführer Carl-Stephan Schäfer: „Durch diesen Schritt sehen wir Innovation in der Züchtung und Zugang zu genetischer Diversität gefährdet“.

Laut einem Bericht von Keine Patente auf Saatgut! hat das EPA bereits 2400 Patente auf Pflanzen und 1400 Patente auf Tiere erteilt habe. Tausende weiterer Patenanträge seien eingereicht. 120 der erteilten Patente beträfen die konventionelle Züchtung.

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WHO: Glyphosat ist „wahrscheinlich krebserregend“

Das Internationale Krebsforschungszentrum (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO hat die bisher vorhandenen Forschungsarbeiten zu Glyphosat bewertet und das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Es gebe „begrenzte Belege“ dafür, dass Glyphosat Lymphdrüsenkrebs beim Menschen auslöse sowie „überzeugende Belege“ dafür, dass der Wirkstoff bei Labortieren wie Mäusen und Ratten Krebs verursache. Die Mitteilung des IARC wurde in der britischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht und hat für Aufsehen gesorgt. Schließlich handelt es sich um das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid. Umweltschützer forderten in der taz ein vorsorgliches Verbot von Glyphosat.

In der EU steht in diesem Jahr die Neuzulassung von Glyphosat an. Die grundlegende Bewertung dafür hat das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung 2013 erarbeitet und dem Herbizid darin einen von Umweltschützern stark kritisierten Persilschein ausgestellt. In einer ersten Stellungnahme schreibt das BfR, die Einstufung des IARC sei „auf Basis der vorliegenden Informationen wissenschaftlich schlecht nachvollziehbar und offenbar nur mit wenigen Studien belegt. Die Entscheidung der IARC kann jedoch nicht abschließend beurteilt werden, da die finale IARC-Monographie, in der die Entscheidung ausführlicher begründet werden wird, noch nicht vorliegt.“
Die Süddeutsche Zeitung zitiert den zuständigen BfR-Abteilungsleiter mit den Worten, man habe vor Kurzem 150 neue und 900 ältere publizierte Studien zu Glyphosat ausgewertet. Darunter seien auch diejenigen Studien gewesen, die jetzt in Lancet als Beleg für die Gefährlichkeit von Glyphosat angeführt würden. „Das Ergebnis war, dass Glyphosat für Menschen nicht krebserregend ist. Die Schlussfolgerung der WHO ist für uns nicht nachvollziehbar“. Ähnlich argumentiert Monsanto: „Jede Studie, die das IARC verwendet hat, wurde bereits von Zulassungsbehörden bewertet – zuletzt durch deutsche Behörden im Auftrag der EU.“

Dass Glyphosat entgegen allen amtlichen Beurteilungen Erbgut und Embryonen schädigt, ist ebenfalls seit Jahren ein Thema. Am deutlichsten treten diese Folgen in Argentinien auf, wo das Herbizid im großen Stil von Flugzeugen über Felder und Menschen gesprüht wird. Der TV-Journalist Andreas Rummel war mit seinem Team 18 Tage in Argentinien unterwegs. Was er dort gesehen und erlebt hat, schildert der Dokumentarfilm „Tote Tiere, kranke Menschen“ am Dienstag, den 31. März, um 21 Uhr 15 auf Arte.

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