Rückruf: Thailändische Gentech-Papaya im Saft

Mit schöner Regelmäßigkeit finden gentechnisch veränderte Papayas aus Thailand ihren Weg nach Europa – wo sie nicht zugelassen sind. Vor zwei Wochen musste die Hamburger Schroeder KG einen tropischen Fruchtcocktail mit Maracujasaft der Marke Iska zurückrufen. Die Dosen wurden in Thailand mit dem Saft befüllt. Nach Angaben im europäischen Schellwarnsystem RASFF mussten Dosen auch aus Bosnien und der Slowakei zurückgeholt werden, insgesamt über 17 Tonnen. Laut RASFF-Bericht von Mai 2016 fanden finnische Behörden genmanipulierte Papayas in gefrorenen Smoothies aus Belgien. Die Schweizer meldeten im Mai die Ankunft frischer GVO-Papaya aus Thailand. Deutsche Behörden zogen im Januar des Jahres eine halbe Tonne gekühlte GVO-Papaya aus Indien aus dem Verkehr. Entwickelt wurden die GVO-Papaya, um die Bäume gegen einen Virus resistent zu machen. Zugelassen ist der kommerzielle Anbau in Hawaii und in China. In Thailand und Indien gab es , wie in einigen anderen süd- und ostasiatischen Ländern, nur Freisetzungsversuche. Diese haben offensichtlich einiges freigesetzt.

Auch GVO-Reis fanden die Lebensmittelbehörden in den letzten Monaten: Frankreich meldete schon im Januar: „nicht zugelassener gentechnisch veränderter Reis in Fertiggericht, hergestellt in Vietnam, mit Rohmaterial (Reis) aus Thailand“. Italien fand im März einen nicht zugelassenen GVO-Reis in chinesischen Reisnudeln und wies die Ware zurück. Ebenfalls im März meldete eine deutsche Behörde „nicht zugelassener, gentechnisch veränderter Langkornreis aus Litauen“, und nahm rund 15 Tonnen davon vom Markt. Im Laufe der Ermittlungen meldeten sich auch Estland, Lettland, Finnland, Schweden. Dänemark und Irland zu Wort. Ergänzt wurde die Meldung durch den Zusatz „ mit Rohmaterial aus Myanmar, Kambodscha, Thailand und Pakistan“. Da sieht es mit der Rückverfolgbarkeit wohl nicht so gut aus.

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EU-Kommission lässt die Einfuhr umstrittener Gentech-Sojabohnen zu

Die EU-Kommission hat letzten Freitag drei umstrittene gentechnisch veränderte Sojabohnen für den Import als Futter- und Lebensmittel zugelassen. Zuvor gab es unter den Mitgliedstaaten keine qualifizierte Mehrheit für die Sorten MON 87708 x MON 89788, MON 87705 x MON 89788 and FG 72 von Bayer. Auch das EU-Parlament hatte sich gegen eine Zulassung ausgesprochen. Für Monsanto und Bayer ist die Entscheidung der Kommission wichtig, da große US-Agrarkonzerne einem Anbau in den USA erst dann zustimmen, wenn die Ausfuhr der neuen Sorten in die Exportländer gesichert ist.

Die Sorte MON 87708 x MON 89788 ist gegen zwei Herbizide resistent, Glyphosat und Dicamba. FG 72 verträgt neben Glyphosat den neuen Bayer-Wirkstoff Isoxaflutol. Diese Doppelpack-Bohnen wollen die Konzerne den Farmern verkaufen, die gegen glyphosatresistentes Unkraut kämpfen. Das Problem ist, dass die Bohnen dann die Rückstände von zwei problematischen Spritzmitteln enthalten. Nach einem von der Organisation Testbiotech veröffentlichten Gutachten weisen Rückstände aus den kombinierten Anwendungen dieser Spritzmittel ein höheres Risiko auf, das Erbgut zu verändern und Vergiftungen der Leber sowie Tumore auszulösen, als die einzelnen Ausgangsstoffe. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat solche Kombinationswirkungen nicht untersucht und auch keine Fütterungsstudien durchgeführt. Dennoch erteilte sie den Sorten einen Persilschein, auf den sich jetzt die Kommission bei der Zulassung berief.
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„Diese Zulassung wirkt wie eine Generalprobe für TTIP und CETA. In Brüssel regiert die Gentechnik-Industrie offensichtlich schon jetzt mit“, kommentierte Christoph Then von Testbiotech. „Die EU-Kommission riskiert ihre Glaubwürdigkeit für die Interessen von Monsanto und Bayer. Angeblich wurde die Zulassung der Soja bereits vor Wochen im Rahmen der Freihandelsgespräche zugesagt.“ Testbiotech will jetzt rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der EU-Kommission prüfen.

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EPA will konventionellen Lachs samt Futter patentieren

Das Europäische Patentamt (EPA) will ein Patent auf Lachse erteilen, die mit bestimmten Pflanzen gefüttert wurden (EP1965658). Das meldete die Initiative „Kein Patent auf Leben!“. Patentiert werden soll neben dem pflanzlichen Futter – das unter anderem Nachtkerzen und Borretsch enthalten soll – auch die damit gefütterten Lachse sowie aus diesen gewonnenes Fischöl. Es soll, wie die Lachse selbst, einen erhöhten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren aufweisen, die oft als gesundheitlich wertvoll bezeichnet werden. Das EPA teilte dem australischen Antragsteller mit, dass er demnächst mit der Erteilung des Patents rechnen könne.

Die Idee hinter diesem Patent ist nicht neu: Auch Milch und Fleisch von Kühen, die auf der Weide grasen weisen höheren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren auf. „Wenn Tiere zur Erfindung werden, weil sie bestimmte Futtermittel fressen, werden bald auch Kühe und Schweine patentiert, die auf der Weide gehalten werden“, sagt Ruth Tippe für die Initiative „Kein Patent auf Leben!“.
Sie wehrt sich schon lange und oft auch erfolgreich dagegen, dass das EPA immer öfter konventionell gezüchtete Nutztiere patentiert. Auch gegen das Patent auf Lachse wollen die Einwendungen erheben und bei deren Ablehnung Einspruch gegen das Patent erheben.

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Monsanto, Bayer, BASF: Pokern um einen Angeklagten

Monsanto turtelt mit BASF; Bayer erhöht sein Angebot für den US-Konzern; und in Den Haag laufen die Vorbereitungen für dessen Verurteilung: Das Internationale Monsanto Tribunal will im Oktober 2016 das lange Sündenregister des Chemie-Multis öffentlich verhandeln.

Der US-Agrarkonzern Monsanto überlegt laut, die Pestizidsparte des deutschen Chemiekonzerns BASF zu übernehmen, meldete der Wirtschaftsdienst Bloomberg letzte Woche. Aus Sicht von Monsanto wäre das die ideale Ergänzung zum Saatgutgeschäft, denn derzeit beschränkt sich die Pestizidabteilung des Unternehmens vor allem darauf, Glyphosat herzustellen. Die BASF würde dafür Anteile an Monsanto erhalten. Da BASF mit seiner Agrochemie 5,8 Milliarden Euro im Jahr umsetzt und Monsanto 2015 13,6 Milliarden Euro Umsatz machte, dürften die Deutschen mit einem wesentlichen Anteil der Monsanto-Aktien rechnen. Beide Konzerne arbeiten schon 2007 in der Entwicklung von gentechnischem Saatgut intensiv zusammen. Mitbewerber Bayer reagierte auf die Monsanto-Überlegungen mit einem Aufschlag. Auf den bisher gebotenen Kaufpreis von gut 55 Milliarden Euro (62 Milliarden US Dollar) für den amerikanischen Saatgut-Hersteller legte Bayer noch einmal 1,2 Milliarden Euro drauf. Viel Geld für einen Konzern, der derzeit mit zahlreichen mit Problemen zu kämpfen hat und zuletzt die Gewinnerwartungen für 2016 deutlich dämpfen musste.

Ein Problem von Monsato ist der miserable Ruf des Unternehmens in großen Teilen der Öffentlichkeit. Von PCB über Agent Orange bis hin zu Glyphosat hat der Konzern über Jahrzehnte hinweg zahlreiche hochgiftige Produkte vermarktet, die Krankheit oder Tod von Tausenden von Menschen verursachten und die Umwelt dauerhaft schädigten. Von 14. bis zum 16. Oktober 2016 veranstaltet ein breites Bündnis von Organisationen in Den Haag das Internationale Monsanto Tribunal. Dort sollen die gegen Monsanto erhobenen Vorwürfe zusammengetragen und die verursachten Schäden evaluiert werden. Beschäftigen will sich das Tribunal auch mit der „systematischen Verschleierungsstrategie“, mit der das Unternehmen die durch seine Produkte verursachten Schäden an Mensch und Umwelt zu leugnen versuche. Auf der Anklagebank sitzt Monsanto auch als Stellvertreter für die Industrielandwirtschaft. Sie verursache weltweit mindestens ein Drittel der anthropogenen Treibhausgasemissionen und sei zu einem großen Teil verantwortlich für die Abnahme von Bodenfruchtbarkeit und Grundwasserreserven, für Biodiversitätsverlust und Artensterben, sowie weltweit für die Verdrängung von Millionen von Kleinbauern, heißt es in der Begründung für das Tribunal. Und weiter: „Mit der Patentierung von Lebewesen und Saatgut bedroht dieses Modell die Ernährungssouveränität von uns allen.“

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USA: Bio-Bauern kritisieren konzern-dominierten Bio-Dachverband

Der Bio-Verband Organic Seed Growers and Trade Association (OSGATA) ist aus dem US-Biodachverband Organic Trade Association (OTA) ausgetreten und hat dessen Position im Streit um eine Gentechnik-Kennzeichnung in den USA massiv kritisiert. OTA hatte sich für das vom Senat verabschiedete und der Gentech-Industrie befürwortete Kennzeichnungsgesetz stark gemacht.

Dieses Gesetz war von den Senatoren Stabenow und Roberts entworfen worden, um die strengen Kennzeichnungsgesetze in den US-Staaten Vermont, Maine, Connecticut und Alaska auszuhebeln. Deren Gesetze hätten die Lebensmittelhersteller dazu gezwungen, gentechnisch veränderte Zutaten umfassend zu deklarieren. Den Aufwand, für diese vier Staaten eigene Verpackungen herzustellen, hätte kaum ein Hersteller auf sich genommen und so hätten alle US-Bürger lesen können, welche Gentech-Zutaten in ihren Lebensmitteln stecken. Der Stabenow-Roberts-Act hingegen schreibt eine US-einheitliche, lasche Kennzeichnung vor, die nicht einmal auf der Verpackung stehen muss, sondern hinter QR-Codes versteckt werden kann, die man eigens per Smartphone abrufen muss.

„Die Welt soll wissen, dass es die Organic Trade Association war, die unseren Kennzeichnungsgesetzen in den Bundesstaaten das Genick gebrochen hat indem sie Monsantos Stabenow-Roberts-Gesetz unterstützte“, sagte der langjährige OSGATA-Präsident Jim Gerritsen: „Es ist offensichtlich, dass OTA von einer kleinen Gruppe von Lobbyisten dominiert wird, die von großen Lebensmittelkonzernen kontrolliert werden, denen auch die auch Bio-Marken gehören.“ Mit ihren rücksichtlosen Aktionen würden diese konzern-beherrschten Bio-Verarbeiter das Überleben der Biobauern und der ökologischen Gemeinschaft bedrohen. Gerritsen rief andere ehrbare Bio-Organisationen und Hersteller auf, die OTA ebenfalls zu verlassen. Zuvor hatte schon die Verbraucherorganisation Organic Consumers Association die OTA massiv attackiert. Diese verteidigte ihr Engagement damit, dass es den Gesetzentwurf auch ohne ihr Mitwirken geben würde und es so gelungen sei, wichtige Anliegen des Ökolandbaus einzubringen. Die Huffington Post schreibt von einem tiefen Riss, der durch die Bio-Bewegung in den USA gehe, zwischen Konzern-Bio und authentischem Bio.

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US-Senat hebelt strenge Gentech-Kennzeichnung aus

Der US-Senat hat mit 63 zu 30 Stimmen für ein Gesetz gestimmt, das eine US-einheitliche Gentechnik-Kennzeichnung vorgibt. Damit würden strengere Kennzeichnungsregeln einzelner US-Staaten wie Vermont nichtig. Gleichzeitig ermöglicht es das Gesetz der Lebensmittelindustrie, Gentechnik-Zutaten zu verschleiern. Verbraucherschützer wüten und werfen den großen US-Bio-Unternehmen Verrat vor, weil sie dieses Gesetz unterstützt haben. Ihre letzte Hoffnung ist jetzt das Repräsentantenhaus, das der Regelung noch zustimmen muss.

Vorgelegt haben das Kennzeichnungsgesetz die Senatoren Debbie Stabenow von den Demokraten und Pat Roberts von den Republikanern. Gentechnikkritiker tauften den Gesetzentwurf in DARK Act um: Deny Americans the Right to Know. Er sieht vor, dass Lebensmittelhersteller zwischen drei Möglichkeiten wählen können, um ihre Gentechnikzutaten zu deklarieren: Sie können sie direkt auf die Verpackung schreiben; sie können für mehr Informationen auf eine Telefonnummer oder eine Internetseite verweisen; oder sie können einen sogenannten QR-Code aufdrucken. Mit dessen Hilfe können Smartphone-Nutzer zu entsprechenden Informationen im Netz gelangen.

„Das Gesetz diskriminiert Menschen mit geringem Einkommen, ältere Menschen und solche, die auf dem Land leben. Es verweigert ihnen ihr Recht zu wissen was sie essen, nur weil sie keinen Zugang zu Smartphones haben oder sie sich keines leisten können“, kritisiert Andrew Kimbrell, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Center of Food Safety. Zudem nehme der Gesetzestext viele Gentechnikzutaten von einer Kennzeichnungspflicht aus. Noch im März war das Gesetz bei einer ersten Abstimmung knapp gescheitert. Danach wurde der Entwurf modifiziert. „Er wurde hinter verschlossenen Türen von einer Handvoll Senatoren und den großen Chemie- und Lebensmittelkonzernen geschrieben“, schimpft Kimbrell.

Bei diesem Hinterzimmer-Deal seien auch die Vertreter großer US-Bio-Firmen und Organisationen dabei gewesen, schreibt Ronnie Cummins von der Organic Consumers Association. Konkret nennt er Walter Robb, den Vorstand von Whole Foods Market, Gary Hirschberg, Geschäftsführer von Stonyfield Farm, den Bio-Großhändler UNFI und den Bio-Dachverband OTA (Organic Trade Association) samt seiner Vorsitzenden Melissa Hughes von Organic Valley. Allein OTAs Lobbyarbeit habe 7 bis 10 Senatoren bewogen, für den DARK Act zu stimmen, argumentiert Cummins und spricht von Organic Traitors, Bio-Verräter.

Tatsächlich lobt OTA das Gesetz und applaudiert seinen Machern. Auch deswegen, weil es keine Gentechnikfrei-Kennzeichnungen konventioneller Produkte vorsieht wie andere Vorschläge. „Das Gesetz hat Bio als die originale Gentechnikfrei-Marke bestätigt“, schreibt OTA.

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Spanische Maisbauern wenden sich von MON 810 ab

Große spanische Maisanbauer haben sich vom Gentech-Mais MON 810 abgewandt und bauen wieder herkömmlichen Mais an. Das meldete das spanische Wirtschaftsjournal Economia Digital. Die Gründe dafür sind die höheren Saatgutpreise sowie Ernten, die sich nur mit einem Preisabschlag von 25 Prozent auf dem Markt absetzen lassen. Teilweise seien auch die Erträge der Felder schlechter gewesen als bei herkömmlichem Mais.

Economia Digital zitiert einen Bauern aus der Provinz Aragon mit den Worten: „Es ist ein klarer Trend. Die Erzeuger in der Region, darunter einer der größten mit mehr als 700 Hektar, haben den Anbau Gentech-Mais eingestellt. Sie haben nach mehreren Ernten realisiert, dass der Anbau weit weniger profitabel ist.“ In einem Report der Provinzregierung heißt es, dass die Schäden durch den Kornbohrer – gegen den MON 810 ein Toxin bildet – in den letzten Jahren abgenommen hätten. Dies habe ebenfalls dazu beigetragen, dass herkömmlicher Mais profitabler wurde. Jetzt müssen sich die Bauern wieder nach gentechnikfreien, lokal angepassten Sorten umsehen. Doch die sind rar geworden. „Durch das Gentechnik-Saatgut wurden lokale Sorten weniger, in manchen Fällen verschwanden sie ganz“ zitiert das Journal einen Bauern.

Unter Druck gerät der Anbau von MON 810 auch durch eine Pflanze namens Teosinte. Diese
aus Amerika eingeschleppte Urform des Maises breitet sich als Unkraut in den spanischen Maisanbaugebieten aus.. befürchten, dass sich MON 810 mit Teosinte kreuzen könnte und sich so dessen manipuliertes Erbgut in großem Stil in der Natur ausbreitet. Maispollen werden mit dem Wind über Kilometer verfrachtet. Deshalb forderten die Organisationen, dass der gentechnisch veränderte Mais nicht mehr angebaut werden dürfe, bis man Teosinte im Griff habe.

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Über 800.000 Unterschriften gegen Patente auf Pflanzen und Tiere überreicht

Mit der Übergabe von 800 000 Unterschriften aus ganz Europa haben die im Bündnis Keine Patente auf Saatgut! zusammengeschlossenen Umwelt-organisationen vor dem Europäischen Patentamt (EPA) in München gegen Patente auf Leben demonstriert. Dabei übergaben sie die Unterschriften an den Präsidenten des Verwaltungsrates des Europäischen Patentamtes (EPA), Jesper Kongstad. Im Verwaltungsrat des EPA sitzen die Delegierten der 38 Vertragsstaaten des EPA. Sie regeln über die sogenannte Ausführungsordnung, wie die europäischen Patentgesetze angewendet werden. Keine Patente auf Saatgut! fordert, diese Regeln so zu ändern, dass keine weiteren Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung erteilt werden. Denn obwohl solche Patente nach dem Europäischen Patentübereinkommen eigentlich untersagt sind, findet das EPA immer wieder neue Wege, sie dennoch zu erlassen.

„Wir wollen nicht von großen Konzernen wie Bayer, Monsanto und Syngenta abhängig werden. Die Patentierung unserer Lebensmittel, von Saatgut, von Pflanzen und Tieren muss endlich gestoppt werden“, sagte bei der Übergabe Lara Dovifat von Campact. Allein ihre Organisation hatte über 550.000 Unterschriften gesammelt. Christoph Then, der Koordinator des Bündnisses, wies auf die zunehmende Unterstützung für die Patentgegner in mehreren EU-Ländern und im Europäischen Parlament hin. „Rechtliche Sicherheit werden wir aber erst haben, wenn die Regeln des EPA so korrigiert sind, dass die bestehenden Verbote gestärkt und Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung gestoppt werden“, sagte er.

Mehr zum Thema Patente stand im Juni in Schrot&Korn

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Die EU-Kommission hat den Streit um Glyphosat bis Ende 2017 verlängert

Die EU-Kommission hat die auslaufende Zulassung für den Wirkstoff Glyphosat noch einmal um bis zu 18 Monate verlängert. Die Frist soll der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA die Möglichkeit geben, ihre eigene Bewertung des Herbizidwirkstoffes fertigzustellen. Anschließend will die Kommission das Verfahren für die erneute Zulassung von Glyphosat wieder aufnehmen.

Die Entscheidung wurde von Bio- und Umweltverbänden ebenso kritisiert wie von den Pestizidherstellern. Die EU-Kommission torpediere mit der Zulassungsverlängerung den notwendigen Umbau der Landwirtschaft Richtung Nachhaltigkeit, kommentierte der Bio-Dachverband BÖLW. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sagte: „Diese Glyphosat-Entscheidung ist ein Affront gegen viele überzeugte Europäer.“ Trotzdem sieht sich der Verband als Sieger, weil die ursprünglich geplante Wiederzulassung auf 15 Jahre verhindert worden sei: „Anderthalb statt 15 Jahre sind ein Riesenerfolg.“ Für die Pestizidhersteller in der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat stellt die vorerst nicht erreichte Neuzulassung dagegen „einen höchst unerfreulichen Präzedenzfall in der EU-Wirkstoffzulassung dar.“

Die EU-Kommission kritisierte in ihrer Erläuterung zur Entscheidung die Mitgliedstaaten scharf, weil sie keine Verantwortung übernommen hätten. Sie empfahl ihnen, die in manchen glyphosathaltigen Herbiziden als Zusatzstoffe verwendeten POE-Tallowamine zu verbieten sowie die Anwendung von Glyphosat in öffentlichen Anlagen und zur Reifebeschleunigung kurz vor der Ernte zu minimieren. „Wir weisen darauf hin, dass es in erster Linie in der Verantwortung der Mitgliedstaaten liegt, über diese Maßnahmen zu entscheiden und sie umzusetzen“ schrieb die Kommission.

Der Entwurf für das ECHA-Gutachten, auf das die Kommission warten will, liegt schon seit Wochen vor und befindet sich noch bis 8. Juli im Konsultationsverfahren. Verfasst hat ihn die deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Sie schlägt für Glyphosat lediglich den zusätzlichen Warnhinweis H373 vor: „Kann die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition (bei längerem oder wiederholtem Einatmen/Hautkontakt/Verschlucken)“. Ausführlich begründet die BAuA, warum der Warnhinweis H351 „Kann vermutlich Krebs erzeugen“, nicht in Frage kommt. Dabei wiederholt sie allerdings lediglich die Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Die Kommission hofft, dass sich mit der neuen Studie in der öffentlichen Wahrnehmung etwas ändern könnte und der Widerstand gegen Glyphosat mit der Zeit erlahmt. Doch danach sieht es im Moment nicht aus: Glyphosat wurde in Honig gefunden. Die Kampagne der Onlineaktivisten von Campact finden weiter Zulauf, bisher haben dort 610.000 Menschen unterschrieben. Und der Bio-Filialist Basic startet zusammen mit der Bürgerinitiative Landwende nach der Urinale eine neue Aktion gegen Ackergifte.

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Ukraine: Illegaler Anbau von gv-Soja weit verbreitet

Die Ukraine ist das mengenmäßig wichtigste europäische Anbaugebiet für Sojabohnen. Rund vier Millionen Tonnen ernteten die ukrainischen Farmen 2015. Offiziell gelten sie als gentechnikfrei, weil der Anbau von gentechnisch veränderten (gv) Sojabohnen strikt verboten ist. Doch nach Angabe des US-Agrarministeriums USDA wachsen auf 80 Prozent der Felder gv-Bohnen. Dabei beruft sich das USDA in seiner aktuellen Ernteschätzung auf die Schätzungen privater Testlabore.

Auch der Verein Donau-Soja, der sich für den Anbau gentechnikfreier Soja in Südost- und Osteuropa einsetzt, sieht für die Ukraine noch große Herausforderungen im Bereich der Gentechnikfreiheit: „Aufgrund von GVO-verunreinigtem Saatgut, mangelnden technischen Voraussetzungen zur Vermeidung von GVO–Verunreinigungen und noch fehlender Nachfrage nach garantiert GVO-freien Produkten müssen große Anstrengungen unternommen werden, um dem gesetzlichen Anspruch der Ukraine als gentechnikfreiem Land Genüge zu tun“, schrieb Donau Soja letztes Jahr anlässlich des Beitritts der Ukraine zum Verein.
Das bundeseigene Thünen-Institut schreibt in einer aktuellen Mengenabschätzung für gentechnikfreies Soja: „Während für die Ukraine eine Quote von 70 % für illegal angebautes Soja angenommen wurde, ist bekannt, dass in China ebenfalls gv Soja angebaut wird. Allerdings wurde hier keine GVO-Anbauquote berücksichtigt.“

Der illegale großflächige Anbau von gv-Soja in der Ukraine bedeutet auch ein Verunreinigungsrisiko für Bio-Soja aus der Ukraine. Die größten Mengen gehen in die USA, weil die Bio-Tiermäster dort kaum Biosoja ohne Verunreinigungen zur Verfügung haben. Doch auch die deutschen Importe aus der Ukraine dürften zunehmen.

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