Ukraine: Illegaler Anbau von gv-Soja weit verbreitet

Die Ukraine ist das mengenmäßig wichtigste europäische Anbaugebiet für Sojabohnen. Rund vier Millionen Tonnen ernteten die ukrainischen Farmen 2015. Offiziell gelten sie als gentechnikfrei, weil der Anbau von gentechnisch veränderten (gv) Sojabohnen strikt verboten ist. Doch nach Angabe des US-Agrarministeriums USDA wachsen auf 80 Prozent der Felder gv-Bohnen. Dabei beruft sich das USDA in seiner aktuellen Ernteschätzung auf die Schätzungen privater Testlabore.

Auch der Verein Donau-Soja, der sich für den Anbau gentechnikfreier Soja in Südost- und Osteuropa einsetzt, sieht für die Ukraine noch große Herausforderungen im Bereich der Gentechnikfreiheit: „Aufgrund von GVO-verunreinigtem Saatgut, mangelnden technischen Voraussetzungen zur Vermeidung von GVO–Verunreinigungen und noch fehlender Nachfrage nach garantiert GVO-freien Produkten müssen große Anstrengungen unternommen werden, um dem gesetzlichen Anspruch der Ukraine als gentechnikfreiem Land Genüge zu tun“, schrieb Donau Soja letztes Jahr anlässlich des Beitritts der Ukraine zum Verein.
Das bundeseigene Thünen-Institut schreibt in einer aktuellen Mengenabschätzung für gentechnikfreies Soja: „Während für die Ukraine eine Quote von 70 % für illegal angebautes Soja angenommen wurde, ist bekannt, dass in China ebenfalls gv Soja angebaut wird. Allerdings wurde hier keine GVO-Anbauquote berücksichtigt.“

Der illegale großflächige Anbau von gv-Soja in der Ukraine bedeutet auch ein Verunreinigungsrisiko für Bio-Soja aus der Ukraine. Die größten Mengen gehen in die USA, weil die Bio-Tiermäster dort kaum Biosoja ohne Verunreinigungen zur Verfügung haben. Doch auch die deutschen Importe aus der Ukraine dürften zunehmen.

  • Share/Bookmark

Verunreinigung: Wer passt auf den Gentech-Raps auf?

Im vergangenen Herbst wurde in acht deutschen Bundesländern im Rahmen von Züchtungsversuchen Raps ausgesät, der mit genmanipuliertem Saatgut verunreinigt war. Alle Pflanzen auf den kleinen Parzellen wurden vernichtet. Doch was ist mit Saatgut, dass im Herbst nicht aufgeht und weiter im Boden schlummert? Immerhin bleiben Rapssamen 20 Jahre lang keimfähig.

„So lange besteht also mindestens das Risiko, dass vereinzelt gentechnisch veränderter Raps auf den verunreinigten Flächen keimt. Daher müssen die Bundesländer die betroffenen Flächen über 20 Jahre hinweg überwachen und auflaufenden Durchwuchsraps vernichten“, fordert Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Zusammen mit dem Gen-ethischen Netzwerk (GeN) und der IG Saatgut hatte die AbL die acht zuständigen Länderministerien abgefragt, wie sie denn die Flächen überwacht wollen. „Die Aussagen zum Nachfolge-Monitoring der betroffenen Flächen sind nicht zufrieden stellend“, schreiben die drei Organisationen: „Durchwuchskontrollen sollen im Frühjahr 2016 stattfinden. Danach soll meist von Fall zu Fall entschieden werden, ob die Flächen weiter überwacht werden.“ Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hätten erklärt, dass sie fünf Jahre nachkontrollieren wollen. Christof Potthof von GeN forderte die zuständigen Länderminister auf, die flurstücksgenauen Daten zu den betroffenen Flächen zu veröffentlichen. So könnten sich benachbarte Züchter, Saatguterzeuger, Landwirte, Gärtner und Imker vor Verunreinigung schützen.

Der verunreinigte Raps wurde damals auch in England, Frankreich, Ungarn, Polen, Rumänien, Dänemark und der Tschechischen Republik ausgesät. Die Verunreinigung mit dem Gentech-Raps OXY-235 von Bayer geht vermutlich auf Feldversuche in den Jahren 1995 und 1996 in Frankreich zurück. Die Ende der 90-er Jahre vermarktete Sorte durfte nur in Kanada und Japan angebaut werden und ist längst nicht mehr auf dem Markt.

  • Share/Bookmark

EFSA: Risiken und Nebenwirkungen bleiben ausgeblendet

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA kann die Risiken bei der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen für den Import und deren Verwendung in Lebens- und Futtermitteln derzeit nur mangelhaft abschätzen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Organisation Testbiotech. Er listet auch auf, welche Änderungen notwendig wären, um die Standards für die Risikoprüfung deutlich anzuheben.

In der EU sind derzeit 55 gentechnisch veränderte Pflanzen zugelassen: Eine für den Anbau (MON 810), alle anderen für den Import und zur Verwendung als Lebens- und Futtermittel. Sie müssen eine Risikoprüfung durchlaufen, deren Kriterien die EU in einer Verordnung (503/2013) festgelegt hat. Darunter ist die Vorgabe, dass die zu prüfende Pflanze 90 Tage lang an Ratten verfüttert werden muss. Weitere Kriterien hat die EFSA in zwei Leitlinien 2010 und 2011 niedergeschrieben. Dennoch „ist die derzeitige Praxis der EFSA viel eher eine Art schneller Check-up als eine vollständige und verlässliche Risikoprüfung“, schreibt Testbiotech.

Um das zu ändern, fordert Testbiotech, die Risikoprüfung um zusätzliche Untersuchungsmethoden, Stoffgruppen und Pflanzencharakteristika auszuweiten. Einbezogen werden müssten zudem Prüfungen der Auswirkungen auf das Immunsystem und die Fortpflanzung. Auch müssten die Tests Langzeiteffekte und akkumulierte Wirkungen berücksichtigen. In kontrollierten Stresstests sollte die genetische Stabilität der Pflanzen geprüft werden. Auch müssten die Rückstände der Spritzmittel, gegen die diese Pflanzen resistent gemacht wurden, bewertet werden. Bei all den notwendigen Versuchen müssten unabhängige Dritte die Erhebung der Daten durch die Industrie kontrollieren.

Für rund 50 gentechnisch veränderte Pflanzen liegen Zulassungsanträge für den Import als Lebens- und Futtermittel vor. Eine verbesserte Risikoprüfung würde bedeuten, dass die Saatgutkonzerne länger auf eine Zulassung warten müssten. Doch die großen US-Agrarkonzerne wollen in ihren Silos nur noch gentechnisch veränderte Sorten annehmen, die in allen wichtigen Abnehmerstaaten zugelassen sind – auch in der EU. Die EU-Zulassung entscheidet künftig also darüber, ob neue Gentech-Pflanzen von Monsanto, Bayer & Co in den USA auf den Acker kommen. Deshalb kämpft die Gentechnik-Industrie dafür, die Standards für eine Risikobewertung zu senken. Sie würde gerne die verpflichtenden Futterstudien wieder aus den EU-Vorgaben entfernen, berichtet Testbiotech.

  • Share/Bookmark

EFSA: Interessenskonflikte sind kein Thema

In einem offenen Brief an den Verwaltungsrat der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA haben die Organisationen Testbiotech und GeneWatch UK Maßnahmen gefordert, um die Unabhängigkeit der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA zu schützen und ihre Glaubwürdigkeit wieder herzustellen. Sie bezogen sich dabei auf mehrere aktuelle Fälle von Interessenkonflikten, die sie dem Geschäftsführenden Direktor der EFSA, Bernhard Url, mitgeteilt hatten – ohne dass dieser daraus Konsequenzen zog.

Einer der Fälle betrifft Barbara Gallani, die neue Leiterin der EFSA-Kommunikationsabteilung. Sie arbeitete zuvor bei der britischen Lobbyorganisation Food and Drink Federation. Vier Experten der EFSA, die das Risiko gentechnisch veränderter Organismen bewerten, sind gleichzeitig in Organisationen aktiv, die enge Verbindungen zur Industrie haben. Dazu zählen das von der Industrie finanzierte International Life Sciences Institute (ILSI) oder die International Society for Biosafety Research (ISBR), deren Arbeit „im Wesentlichen von Bayer, ILSI, CropLife, DuPont/Pioneer, Dow, Monsanto und Syngenta bezahlt“ werde, wie Testbiotech schreibt. In einer Antwort an Testbiotech bezeichnete Bernhard Url die Mitarbeit in solchen Organisationen als Beleg für einen wertvollen wissenschaftlichen Lebenslauf („evidence für a well-rounded and valuable scientific curicculum vitae“).

„Wenn die Gesellschaft nicht darauf vertrauen kann, dass die Wissenschaftler und Behörden, die Mensch und Umwelt schützen sollen, unabhängig von den Interessen der Firmen sind, die mit Risikotechnologien Geld verdienen wollen, haben wir ein ganz grundlegendes Problem“, argumentiert Helen Wallace von GeneWatch UK.

Ob der Verwaltungsrat der EFSA dies ebenso sieht ist fraglich. Bei seiner letzten Sitzung lobte der Verwaltungsrat die Bemühungen der EFSA um Transparenz und Unabhängigkeit. Außerdem heißt es in der Mitteilung, dass die Amtszeit der fünf Räte ende und der Rat der Europäischen Union in Kürze ihre Nachfolger bekannt geben werde.

  • Share/Bookmark

US-Behörde erklärt Synbio-Süßstoff für unbedenklich

Die US-Lebensmittelbehörde FDA hat dem mit Hilfe synthetischer Biologie (Synbio) hergestellten Süßstoff EverSweet des Agrarkonzerns Cargill eine Unbedenklichkeitsbescheinigung (GRAS) ausgestellt. Zusatzstoffe mit GRAS-Einstufung (generally recognized as safe) dürfen ohne Auflagen und Mengenbegrenzung eingesetzt werden.

Cargill bezeichnet EverSweet als „Süßstoff der nächsten Generation“. Er besteht aus den Steviolglykosiden Reb M und Reb D. Die beiden Süßstoffe kommen in Stevia-Blättern nur in Spuren vor, schmecken besonders süß und das ohne den lakritzigen Nebengeschmack des Steviolglykosids Reb A, das mengenmäßig der wichtigste Süßstoff in Steviablättern ist.
Cargill lässt die in der Natur nur in geringsten Mengen vorkommenden Steviolglykoside Reb M und Reb D von gentechnisch manipulierten Hefen herstellen. Diese stammen von dem Unternehmen Evolva und enthalten synthetisch hergestellte DNA. Mit deren Hilfe produziert die Hefe Enzyme, die Reb A in die beiden anderen Rebaudioside umwandeln. Evolva hat sich das Verfahren auch in Europa patentieren lassen. Das Unternehmen gilt als eines der wichtigsten bei der Anwendung von Verfahren, mit denen Erbgut im Labor neu geschrieben und dann synthetisch hergestellt wird (Genome Editing). So können Evolva-Hefen auch den Geschmacksstoff Vanillin herstellen, ein Saffran-Aroma oder den sekundären Pflanzenstoff Resveratrol.

Der Nachrichtendienst GMWatch erinnerte in diesem Zusammenhang an den Zusatzstoff L-Tryptophan, der in den 80er-Jahren als eine der ersten mit Hilfe gentechnisch manipulierter Mikroorganismen hergestellten Substanzen aus den Markt kam. Ein kleiner Teil der Produktion war mit einem neuartigen Toxin verunreinigt. 37 Menschen starben, über 1500 trugen bleibende Schäden davon, schreibt GMWatch. Dennoch würde dieser Stoff nach den heutigen Maßstäben des US-Rechts eine GRAS-Bescheinigung erhalten.

  • Share/Bookmark

Glyphosat-Zulassung erneut gescheitert – Nächste Runde im Studien-Streit eingeläutet

Auch im dritten Anlauf bekam die EU-Kommission für ihren Vorschlag, die Zulassung des Herbizids Glyphosat zu verlängern, keine qualifizierte Mehrheit. Nun gilt als wahrscheinlich, dass die Kommission ihren letzten Vorschlag, die bestehende Zulassung noch einmal bis Ende 2017 zu verlängern, alleine in Kraft setzt. Bis dahin soll die Europäische Chemikalienagentur ECHA Glyphosat ihr Gutachten vorlegen.

Wie das Portal EurActiv berichtete, stimmten gestern im zuständigen EU-Fachausschuss bei sieben Enthaltungen 20 Länder für den Vorschlag der EU-Kommission und ein Land dagegen. Eine qualifizierte Mehrheit auf EU-Ebene ist erreicht, wenn 55 Prozent der Mitgliedstaaten, die gleichzeitig 65 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, für einen Vorschlag stimmen. Medienberichten zufolge enthielten sich neben Deutschland auch Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg, Österreich und Portugal. Malta stimmte dagegen. Dadurch wurde das Bevölkerungsquorum nicht erreicht. Die EU-Kommission kann nun ihren Vorschlag noch dem so genannten Berufungsausschuss vorlegen und – wenn dort keine Mehrheit zustande kommt – alleine entscheiden. Ansonsten würde die EU-weite Zulassung von Glyphosat Ende Juni auslaufen. Dann hätten die Händler noch Zeit, alte Vorräte bis Ende des Jahres zu verkaufen. Die Bauern dürften das Herbizid noch bis Ende 2017 einsetzen.

Doch dazu wird es wohl nicht kommen. Der grüne Europaparlamentarier Martin Häusling hält es laut Süddeutsche Zeitung für die wahrscheinlichste Lösung, dass die EU-Kommission die derzeitige Genehmigung außerplanmäßig um 18 Monate verlängert, mit oder ohne Zustimmung der Mitgliedsländer. Begründen wird sie dies wohl damit, dass bis dahin ein Gutachten der Europäischen Chemikalienagentur ECHA zur Einstufung von Glyphosat vorliegen soll, das dann in die Entscheidungsfindung über eine Neuzulassung des Wirkstoffes einfließen könnte.

Damit wäre die nächste Runde im Studien-Streit eingeläutet. Denn der erste Entwurf für das ECHA-Gutachten liegt bereits vor. Erarbeitet hat ihn die deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Sie schlägt lediglich den zusätzlichen Warnhinweis H373 vor: „Kann die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition (bei längerem oder wiederholtem Einatmen/Hautkontakt/Verschlucken)“. Ausführlich begründet die BAuA, warum der Warnhinweis H351 „Kann vermutlich Krebs erzeugen“, nicht in Frage kommt. Das verwundert nicht, da sich das BAuA ausdrücklich auf die Einordnung der betrachteten Studien durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beruft. „All toxicological studies included in this CLH dossier were evaluated and assessed by in-house staff toxicologists of the BfR.” Die ECHA hat bereits mit der öffentlichen Konsultation begonnen. Stellungnahmen können bis zum 18. Juli eingereicht werden.

  • Share/Bookmark

Golden Rice: Für den kommerziellen Anbau nicht geeignet

Nach 24 Jahren Forschung ist der genmanipulierte Vitamin A – haltige Golden Rice immer noch nicht anbautauglich. Schuld daran sind nicht Greenpeace und andere Gentechnikkritiker sondern das Produkt selbst. Es konnte die Versprechungen seiner Entwickler nicht einhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Washington.

Der Washingtoner Anthropologe Glenn Davis Stone und der Reisforscher Dominik Glover von der Universität Sussex beschreiben in ihrer Studie, warum Golden Rice auf den Philippinen, dem einzigen Land, in dem seine praktische Anwendung seit Jahren erforscht wird, immer noch Jahre von einer Zulassung entfernt ist. Immerhin starteten dort die ersten Feldversuche mit Hochleistungssorten mit eingekreuzten Golden Rice – Genen bereits 2004. Die beiden Forscher berücksichtigen in ihrer Analyse die sozialen, kulturellen und agrartechnologischen Bedingungen des Reisanbaus auf den Philippinen, in die auch der Golden Rice „eingebettet“ ist. Sie beschreiben dazu drei „Reis-Lebenswelten“, mit jeweils eigenen Bedingungen: Die Reiswelt der Grünen Revolution mit ihren Hochleistungssorten, die Welt des Golden Rice, in der die Pflanze eher als Vitamintablette verstanden wird sowie die Reiswelt der traditionellen Landsorten, die gerade wieder neu entsteht.

Stone und Glover ordnen die Geschichte des Golden Rice auf den Philippinen in diese Lebenswelten ein. Das Ergebnis formuliert Stone so: „Der Reis war ganz einfach auf den Versuchsfeldern der Reisforschungsinstitute nicht erfolgreich“. Auch sei ungeklärt, ob das Betacarotin im Reis im Körper unterernährter Kinder tatsächlich in Vitamin A umgewandelt werde. Wenig erforscht sei auch, ob sich das Betacarotin im Reis unter den üblichen Lagerbedingungen philippinischer Haushalte hält. Aus diesen Gründen habe es bisher noch keinen Zulassungsantrag bei der philippinischen Genehmigungsbehörde gegeben. Dass Gentechnik-Aktivisten 2013 ein Versuchsfeld zerstörten und dass der Oberste Gerichtshof der Philippinnen kürzlich Anbauversuche mit genmanipulierten Pflanzen aussetzte, könne die lange Verzögerung nicht erklären, werde aber in der ideologischen Auseinandersetzung gerne als Argument verwendet.

„Golden Rice war eine vielversprechende Idee mit einer guten Absicht dahinter“, erklärt Stone. „Im Gegensatz zu Antigentechnik-Aktivisten habe ich immer argumentiert, dass sie eine Chance verdient hat.“ In ihrer Arbeit erklären Stone und Glover jenseits der aufgeheizten Gentechnik-Debatte, warum der Golden Rice diese Chance nicht genutzt hat bzw. nicht nutzen konnte.

Mehr lesenswerte Analysen von Glenn Davis Stone finden sich auf seinem Blog Fieldquestions.

  • Share/Bookmark

Beschwerde gegen Schimpansen-Patent eingelegt

Ein Bündnis aus Tierschutz- und anderen Organisationen hat beim Europäischen Patentamt (EPA) Beschwerde gegen zwei Patente der US-Firma Intrexon eingelegt. In den Patenten EP 1572862 und EP 1456346 beansprucht Intrexon gentechnisch veränderte Mäuse, Ratten, Kaninchen, Katzen, Hunde, Rinder, Ziegen, Schweine, Pferde, Schafe und sogar Schimpansen als Erfindung. Den Tieren soll eine Art Schalter aus künstlich hergestellter DNA eingepflanzt werden, um die Aktivität bestimmter Gene zu verändern. Bereits vor drei Jahren hatten die Organisationen 14.000 Sammeleinsprüche gegen die Patente vorgelegt, die vom EPA jedoch zurückgewiesen wurden. Dagegen legten sie jetzt Beschwerde ein. Deren zentrales Argument lautet: Durch Patente auf gentechnisch veränderte Versuchstiere entsteht ein wirtschaftlicher Anreiz, unnötige Tierversuche durchzuführen.

Vom Europäischen Patentamt wurden bereits über 1500 Patente auf Tiere erteilt, die zumeist gentechnisch verändert sind, teilte die Organisation Testbiotech mit. Verschiedene Firmen hätten sich auf das Geschäft mit diesen Versuchstieren spezialisiert und würden deren Verkauf massiv bewerben. Die Folge: In Deutschland steigt die Zahl der bei Versuchen verwendeten gentechnisch veränderten Tiere seit Jahren an und liegt inzwischen bei einer Million bei insgesamt 2,8 Millionen Versuchstieren.

„Die Erteilung derartiger Patente führt dazu, dass Unternehmen versuchen, gentechnisch veränderte Tiere auch dann gewinnbringend zu vermarkten, wenn kein medizinischer Nutzen zu erwarten ist“, erklärt Christoph Then von Testbiotech „Patentamt und Patentinhaber machen Tierversuche gemeinsam zu einem unmoralischen Geschäft.“ Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes sieht die Politik gefordert: „Patente auf Versuchstiere zu verbieten, die rein wirtschaftlichen Zwecken dienen, wäre ein wichtiger erster Schritt.“

  • Share/Bookmark

Europaparlament debattiert über CRISPR&Co: Wohl eher keine Gentechnik

Das europäische Parlament wird sich in seiner Plenarsitzung kommende Woche mit neuen gentechnischen Züchtungsverfahren wie CRISPR oder Zinkfingernukleasen beschäftigen. Zur Abstimmung steht ein Bericht den federführend die britische konservative Abgeordnete Anthea McIntyre verfasst hat. Sie spricht sich dafür aus, den neuen Verfahren möglichst wenig Steine in den Weg zu legen. Der Agrarausschuss des EU-Parlaments nahm ihren Antrag bereits Ende April mit 23 zu 14 Stimmen bei 4 Enthaltungen an.

Der Bericht über technische Lösungen für die nachhaltige Landwirtschaft in der EU geht davon aus, dass die Landwirtschaft die Herausforderungen der Zukunft, insbesondere die Ernährung von über neun Millionen Menschen bis 20150, nur durch technische Innovationen bestehen kann. Dazu zählt er neben einer Präzisionslandwirtschaft auch „das Potenzial der Präzisionszucht für verbesserte Pflanzensorten“ und nennt eigens den „Einsatz von Zinkfingernukleasen (ZFN) und des CRISPR-Systems für die Entfernung oder Einfügung von DNA (Genome Editing), die oligonukleotid-vermittelte Mutagenese“ sowie die cytoplasmatische männliche Sterilität (CMS). Weiter heißt es im Berichtsentwurf, das Parlament weise mit Nachdruck darauf hin, „dass die Anwendung und Erprobung von hochpräzisen Zuchtmethoden ohne stichhaltige wissenschaftliche Gründe nicht behindert werden darf und dass die Rechtsvorschriften zweckdienlich sein sollten, damit sie mit den Entwicklungen Schritt halten, ohne Aufwand zu verursachen.“

Unter den 77 Punkten des Berichts finden sich auch welche, die sich für mehr biologischen Pflanzenschutz aussprechen oder dafür, „dass die Leistung lokaler Sorten erhalten und ausgebaut wird, da sie sich an die Gegebenheiten ihrer heimischen Umgebung anpassen können.“ Doch insgesamt zeichnet Anthea McIntyre in ihrem Bericht das Bild einer intensiven und gentechnikfreundlichen Hightech-Landwirtschaft als Lösung für die durch die intensive konventionelle Landwirtschaft verursachten Probleme und für die auf die Landwirtschaft zukommenden Herausforderungen.

Die Abstimmung des Parlaments hat keine direkten Konsequenzen. Ob die neuen Züchtungstechniken unter das EU-Gentechnikrecht fallen, entscheidet die EU-Kommission. Sie wollte sich bereits zu Beginn des Jahres festlegen, hat diese Frist aber inzwischen mehrfach verstreichen lassen. Angesichts der Unentschlossenheit der Kommission kann die Festlegung des Parlaments durchaus eine Wirkung haben.

  • Share/Bookmark

Bayer&Monsanto: In der Agrarchemie bahnt sich die nächste Fusion an

Bei den Agrarchemiekonzernen ist die Fusionitis ausgebrochen. Der chinesische Konzern ChemChina will für 43 Milliarden US-Dollar den Schweizer Pestizid- und Saatgutkonzern Syngenta kaufen. Die beiden US-Rivalen Dow Chemical und DuPont wollen zum weltgrößten Chemiekonzern fusionieren, um sich anschließende in drei Sparten aufzuspalten. Eine davon soll das vereinigte Geschäft mit Saatgut und Agrarchemikalien umfassen. Und nun hat Bayer 62 Milliarden US-Dollar für den Konkurrenten Monsanto geboten.
Das Monsanto-Management hat die Offerte abgelehnt, allerdings nicht grundsätzlich, sondern weil sie zu niedrig war. Man sei „offen für konstruktive Gespräche“, und sehe die erheblichen Vorteile, die eine integrierte Strategie biete, teilte Monsanto mit. Bayer-Vorstand Werner Baumann zeigte sich daraufhin optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, dass wir alle Fragen zur Finanzierung und zu regulatorischen Aspekten im Zusammenhang mit der Transaktion klären können.“

Bayer begründete die geplante Übernahme mit Synergieeffekten: „Insbesondere würden die kombinierten Geschäfte von Monsantos Expertise im Bereich Saatgut und Pflanzeneigenschaften sowie von Bayers Pflanzenschutz-Portfolio für eine große Bandbreite an Indikationen und Kulturen profitieren. Auch geografisch würden sich die beiden Unternehmen sehr gut ergänzen.“ Analysten und Wirtschaftsjournalisten gingen auch auf die Risiken eines Zusammengehens ein: Monsantos Geschäfte liefen in letzter Zeit schlechter und in der EU steht die erneute Zulassung des Herbizids Glyphosat auf der Kippe, gegen das die genmanipulierten Pflanzen von Monsanto resistent sind. „Sollte die Zulassung von Glyphosat in der EU nicht verlängert werden, muss der Wert von Monsanto neu berechnet werden“, kommentierte die Süddeutsche Zeitung und wies auf die Klagerisiken hin, die mit einer möglichen krebserzeugenden Wirkung des Herbizids verbunden seien. „Warum will sich Bayer mit einem derart verhassten Unternehmen einlassen?“ fragt sich Die Zeit und thematisiert mögliche Reputationsschäden. Die befürchten wohl auch die Bayer-Aktionäre, denn schon als letzte Woche die ersten Gerüchte brodelten, sank der Kurs der Aktie. Mit der Bekanntgabe des Kaufpreises fiel er weiter.

  • Share/Bookmark

 
Die Seite läuft mit WordPress 3.5 und dem Theme Simplicity plus