Persilschein aus Brüssel: EFSA hat keine Bedenken gegen „Gift-Soja“

Die Gentechnik-Experten der europäische Lebensmittelbehörde EFSA haben keine Bedenken gegen die genmanipulierte Sojabohnensorte MON 87708 × MON 89788 von Monsanto und BASF. Die Organisation Testbiotech hält die Stellungnahme der EFSA für unzureichend und hat einen Appell an den EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, gestartet: Stoppt die Gift-Soja.

Die Soja MON 87708 × MON 89788 ist resistent gegen zwei Herbizide: Glyphosat und Dicamba. Sie wird in den USA bereits vermarktet als Mittel gegen die zunehmenden glyphosatresistenten Superunkräuter. Damit die Bohnen in die EU importiert werden dürfen brauchen sie Die EU-Zulassung für die Einfuhr als Lebens- und Futtermittel. Die EFSA-Experten argumentieren, dass sie bereits die beiden hier gekreuzten Einzelpflanzen begutachtet und keine Risiken festgestellt hätten. Es gebe auch keine Hinweise, dass die Kombination der beiden Eigenschaften zu unerwarteten Risiken führen könnte. Doch schon bei der Bewertung von MON 87708 hatten nationalen Fachbehörden aus Frankreich, Italien, Österreich und den Niederlanden sowie das deutsche Bundesamt für Naturschutz Einwendungen erhoben, die die EFSA-Experten vom Tisch wischten.

Testbiotech argumentiert, dass die beiden Wirkstoffe in einem Pestizid, zusammen mit dem Saatgut vermarktet würden. Damit würden in den Pflanzen Rückstände von zwei Unkrautvernichtungsmitteln hinterlassen, die möglicherweise krebserregend seien. Die EFSA habe diese möglichen gesundheitlichen Risiken nicht berücksichtigt, schreibt Testbiotech. Vielmehr folge die Behörde dem Grundsatz, dass die Herbizide, die auf Gentechnik-Pflanzen versprüht werden, bereits im Rahmen der Pestizidzulassung geprüft wurden.

In einer detaillierten Auswertung der EFSA-Stellungnahme kritisiert Testbiotech, dass mit der neuen Soja-Sorte keine Fütterungsstudien durchgeführt wurden. Monsanto habe lediglich Versuche mit den beiden Einzelpflanzen durchgeführt und vorgelegt. Auch hätten sich in Vergleichsstudien Unterschiede zu gentechnikfreien Linien gezeigt, etwa im Ölgehalt. Diese hätte die EFSA ohne ausreichende Begründung als irrelevant abgetan.

Auch andere Gentechnik-Pflanzen haben in den letzten Wochen Persilscheine von der EFSA erhalten, etwa der Mais NK603 × T25, der gegen Glyphosat und Glufosinat resistent ist. Die Soja FG72 ist unempfindlich gegen Glyphosat und Isoxaflutol. Für die von Dow Chemical gegen das Alt-Pestizid 2-4-D resistent gemachte Mais- und Sojasorten steht die EFSA-Stelunganhme bnoch aus.

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Zweiter Anlauf: Oxitec will wieder gentechnisch manipulierte Fliegen aussetzen

Das britische Unternehmen Oxitec plant die Freisetzung gentechnisch veränderter Olivenfliegen im spanischen Katalonien. Das geht aus einer Veröffentlichung im einschlägigen EU-Register hervor, auf die die Organisation Testbiotech hinwies. Ob die spanischen Behörden dem bereits im März schon gestellten Antrag in der Zwischenzeit bereits stattgegeben haben sei nicht bekannt, schreibt Testbiotech. Es wäre die ersten Freisetzung gentechnisch veränderter Tiere in der EU

Die Olivenfliegen sind so manipuliert, dass die weiblichen Tiere im Larvenstadium sterben, während die männlichen Nachkommen überleben. Diese würden sich dann mit den natürlich vorkommenden Weibchen paaren und so den Bestand der Fliege immer weiter reduzieren. Bereits 2013 wollte Oxitech solche Fliegen in Spanien aussetzen. Damals forderte die Genehmigungsbehörde weitere Gutachten darüber, wie sich die Freisetzung auf natürliche Feinde der Fliege auswirkt. Anscheinend hat Oxitec diese Gutachten inzwischen erstellen lassen und versucht nun einen zweiten Anlauf.
Das Unternehmen will in der Nähe der Stadt Tarragona bis zu 5000 Fliegen pro Woche freisetzen. Das Experiment soll über ein ganzes Jahr laufen, die mit Netzen überspannte Versuchsfläche wird sich über eine Fläche von bis zu 1000 m² erstrecken. Falls Fliegen entkommen, könnte ihre Ausbreitung nicht kontrolliert werden, warnt Testbiotech. Die Verbreitung des Erbguts könnte die biologischen Vielfalt beeinträchtigen, mit erheblichen Auswirkungen auf die Stabilität der Ökosysteme, die Umwelt und die Landwirtschaft. Denn wenn die gentechnisch veränderten Fliegen entkommen, droht die Ernte in der Region unverkäuflich zu werden. Denn die Larven sterben in den Oliven. Wenn sich gentechnisch veränderte Larven in den Oliven befinden, sind diese nicht als Lebensmittel zugelassen.
Zahlreiche Organisationen aus Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland haben deshalb gefordert, die Freisetzung dieser Fliegen zu verbieten.
Oxitec ist die weltweit führende Firma bei der Genmanipulation von Insekten. Sie hat bereits in der Karibik, Malaysia und Brasilien Millionen genmanipulierter Moskitos freigesetzt.

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Bt-Baumwolle und Selbstmorde: Eine neue Studie analysiert den indischen Dauerbrenner

Die Selbstmordrate indischer Kleinbauern in Gebieten ohne Bewässerung wächst mit der Verwendung von genmanipulierter Bt-Baumwolle. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Universität von Kalifornien und des Millenium-Instituts in ihrer Analyse des Baumwollanbaus in Indien. Die Erklärung für diesen Effekt ist vielschichtig.

Bt-Baumwolle wurde in Indien eingeführt als Mittel, um den roten Baumwollkapselwurm zu bekämpfen. Das von den Pflanzen produzierte Bt-Toxin tötet die Raupe ab. Doch dieser Schädling ist nach Ansicht der Autoren nur dort ein Problem, wo mit Hilfe von Bewässerung intensiver Baumwollanbau betrieben wird. Die meisten indischen Kleinbauern jedoch bauen Baumwolle ohne Bewässerung an und hoffen jedes Jahr, dass der Monsun genug Regen bringt. Die Raupe ist für sie nur dort von Bedeutung, wo sie von benachbarten bewässerten Feldern überspringt.
Aus Sicht dieser Bauern ist das Bt-Saatgut teurer, es lässt sich als Hybrid nicht wieder aussäen und die versprochenen höheren Ernten treten nicht ein. Denn das entscheidende Kriterium ist der Regen. Niedrige Ernten wegen Dürre sind deshalb in der Studie ein wichtiger Faktor für Selbstmorde, auch deshalb, weil die wegfallenden Erlöse die Lage der oft verschuldeten Bauer verschlimmern. Die Selbstmordrate steigt auch, je kleiner der Besitz der Bauern ist.

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Spannende Reportage: Warum das Agro-Business so scharf auf TTIP ist

Der grüne Europa-Abgeordnete Martin Häusling hat eine Reportage in Auftrag gegeben. Der Journalist Peter Kreysler hat in Berlin, Brüssel und den USA nach Motiven gesucht, die hinter TTIP stecken. Und er hat einiges gefunden.

Die Reportage beginnt mit einem knalligen Zitat: „Wenn uns jetzt Politiker erzählen, wir brauchen keine Angst zu haben; alles bleibt wie es ist. Da würde ich sagen, entweder wissen sie nicht wovon sie reden oder sie erzählen uns bewusst dummes Zeug!“ Das sagt kein Campact-Aktivist sondern Wolfgang Köhler, ein Jurist, der jahrelang als Referatsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium das Thema Agro-Gentechnik bearbeitete. Köhler nimmt sich anschließend das bereits fertig verhandelte Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada vor. Für ihn wird in dem kurzen Absatz über Biotechnologie (auf Seite 442) das Null-Toleranz-Prinzip der EU bei Saatgutverunreinigungen schlicht ausgehebelt.

In Brüssel lässt sich Kreysler von der lobbykritischen Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) über die Vorbereitungen der TTIP-Gespräche berichten. Rund 500 mal trafen sich Kommissionsbeamten mit Lobbyisten der Privatwirtschaft. Bei einem Viertel aller Treffen saßen Vertreter des Agro-Business am Tisch. Sehr oft hätten die Lobbyisten von beiden Seiten des Atlantiks gemeinsame Papiere vorgelegt. Ein Lobby-Anwalt schreibt ganz offen: „Die EU-US-Freihandelsverhandlungen werden den US-Unternehmen eine zweite Chance geben, ihre Interessen effektiv in Europa zu implementieren.“ Und ein andere sagt: „Wir sehen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP als eine Chance, unsere Schwierigkeiten mit Europa, die wir bezüglich genetisch veränderter Lebensmittel hatten, zu überwinden.“

Kreysler beschreibt auch, wie die Gentech-Konzerne ihre Interessen Anfang der 90-er Jahre in den USA implementierten. Anfang der 90-er wurde Michael Taylor, der als Anwalt für Monsanto arbeitete, zum Leiter der Lebensmittelsicherheit in der US-Behörde FDA berufen. Währen er dort tätig war, wurde – gegen die Empfehlung zahlreicher FDA-Wisenschaftler beschlossen, dass es keinen Unterschied zwischen Gennahrung und nicht genetisch veränderter Nahrung gäbe. „Michael Taylor wechselte dann ins Landwirtschaftsministerium und beeinflusste auch dort die Gesetzgebung pro Gentechnologie. Dann wurde er Vize-Präsident und Cheflobbyist von Monsanto. Und schließlich holte ihn die Obama-Administration zurück zur FDA“, beschreibt der Journalist die Karriere des Monsanto-Mannes. Und noch ein Beispiel nennt er: „Noch bis vor kurzem war der verantwortliche TTIP Verhandlungsleiter für Landwirtschaft Islam Siddiqui. Er kam von Croplife, einem PR- und Industrieverband der Pestizid-Hersteller.“ Dessen Mitglieder: Monsanto, BASF, Bayer, Syngenta und Dow Agroscience. Kreysler berichtet auch, dass es 500 offizielle Berater, fast alle Industrie-Lobbyisten, gebe, die einen exklusiven Zugang zu den TTIP-Verhandlungsdokumenten hätten. „Auch greifen sie direkt in die Verhandlungen ein, indem sie sich direkt mit der US-TTIP Delegation beraten können.“
Kreyslers Kommentar dazu: „Wenn ich überlege, dass sich die EU-Parlamentarier erst kürzlich das Recht erkämpft haben, in einem Leseraum in die Dokumente schauen zu dürfen, finde ich diesen exklusiven Zugang von Seiten der US-amerikanischen Industrie schon erstaunlich.“

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Neue Seralini-Studie: Futter macht Laborratten krank

Das handelsübliche Futter von Laborratten ist so stark mit Pestiziden und anderen Kontaminanten belastet, dass dadurch Chemikalien- und Gentechnik-Studien beeinflusst werden könnten. Zu diesem Ergebnis kommt der französische Wissenschaftler Gilles-Eric Seralini.

Für die in der Fachzeitschrift PLOS veröffentlichten Arbeit haben Seralini und sein Team 13 Proben von allgemein gebräuchlichem Laborrattenfutter von allen fünf Kontinenten auf zahlreiche Pestizide, einige Chemikalien und Schwermetalle sowie auf gentechnisch veränderte Organismen untersuchen lassen. In allen Futtermischungen ließen sich Pestizide nachweisen, zum Teil in der Größenordnung zwischen 0,5 und 2 ppm. Auch Schwermetalle fanden sich in allen Proben. In sieben Fällen waren die von der EU (für den Menschen) festgelegten zulässigen täglichen Aufnahmewerte (ADI) überschritten. Einige Mischungen bestanden bis zur Hälfte aus gentechnisch manipulierten Pflanzen.

Diese Belastungen des Futters beeinträchtigen die Aussagekraft von Studien über chronische Wirkungen von Chemikalien oder GVOs. Für solche Studien werden Ratten, die von vorneherein zu Tumorbildung oder anderen Krankheiten neigen, über Monate hinweg in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Kontrollgruppe wird mit dem handelsüblichen Futter ernährt. Die Testgruppe enthält das Futter plus die zu untersuchende Substanz. Wenn nun aber das Futter der Kontrollgruppe schon so belastet ist, dass die Tiere davon krank werden können, dann lässt sich eine mögliche Wirkung der Testsubstanz nicht mehr deutlich erkennen.

Die französische Organisation CRIIGEN, die die Studie unterstützte, wies darauf hin, dass eines der Futter von der Firma DuPont bei der Zulassungsstudie für einen genmanipulierten Raps verwendet worden war. Das Futter habe Wirkstoffe des Pestizids Roundup in einer Konzentration enthalten, die toxische Effekte auslösen könne. Dadurch sei das Ergebnis der Studie – der Raps ist sicher – offensichtlich fehlerhaft.

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Nummer Eins: Österreich regelt als erster EU-Staat nationale Anbauverbote

Der österreichische Nationalrat hat ein Gentechnik-Anbauverbots-Rahmengesetz verabschiedet. Es regelt, zusammen mit einer ebenfalls beschlossenen Novelle des Gentechnikgesetzes, wie in Österreich künftig Anbauverbote gemäß der Opt-out-Regelung der EU erlassen werden sollen.
Anders als in Deutschland sind in Österreich die Bundesländer für Anbauverbote zuständig. Damit es zu bundeseinheitlichen Regelungen kommt, haben die Österreicher nun einen „Beirat zur Koordinierung der Gentechnikvorsorge“ im Gesetz verankert, im dem drei Bundesministerien und Vertreter der neun Bundesländer sitzen. Auch das Umweltbundesamt oder die ARGE Gentechnikfrei gehören dem Gremium an, allerdings ohne Stimmrecht. Gleichzeitig verpflichtet das Rahmengesetz die Bundesländer dazu, entsprechende Verbotsgesetze auf Landeseben zu erlassen. Zudem kann der Bund mit Zustimmung des Beirats den Anbau für ganz Österreich verbieten, wenn die dafür angeführten Gründe „für das gesamte Bundesgebiet zutreffen.“ „Österreichs Felder bleiben gentechnikfrei. Das ist ein großer Erfolg – sowohl für die österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten als auch für unsere Landwirtschaft.“, erklärte Bundesagrarminister Andrä Rupprechter.
Die ARGE Gentechnik-frei lobte Österreich als erstes EU-Mitgliedsland, das eine derartige Regelung erfolgreich verabschiedet habe. „Das Gesetz schafft klare Rahmenbedingungen und sichert damit die Möglichkeit, im nationalen Konsens zwischen Bund und Ländern eine wirkungsvolle und rechtlich abgesicherte Vorgangsweise zur langfristigen Gewährleistung der Gentechnik-Freiheit auf Österreichs Feldern zu verankern,“ erklärte Markus Schörpf, Obmann der ARGE Gentechnik-frei. Auch die österreichischen Bio-Bauern freuten sich: “Das Gesetzespaket ist ein wichtiger Schritt, um die Gentechnik-Freiheit in der österreichischen Landwirtschaft langfristig abzusichern”, sagte Bio Austria Obfrau Gertraud Grabmann.

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Saatgutkonzerne schielen (nicht nur) auf afrikanische Augenbohnen

Die African Agricultural Technology Foundation (AATF) testet in Nigeria, Burkina Faso und Ghana gentechnisch manipulierte Augenbohnen im Feldversuch. Gesponsert von Monsanto, der Rockefeller-Stiftung sowie US-amerikanischer und britischer Entwicklungshilfe. Die Versuche sind weit fortgeschritten. Bereits 2017 könnten die Bohnen als kommerzielles Saatgut vermarktet werden. Darauf hat das afrikanische Zentrum für Biodiversität (ACB) in einem neuen Report hingewiesen. Er beleuchtet nicht nur die ökologischen Risiken wie Auskreuzungen und resistente Schädlinge. Das ACB befürchtet, dass die großen Saatgutkonzerne mit Hilfe der Gentech-Bohnen einen kommerziellen Markt auch für herkömmliches Augenbohnen-Saatgut schaffen wollen – zum Schaden der Kleinbauern. Denn noch werden rund 90 Prozent des Saatguts informell unter den Bauern ausgetauscht – ohne dass ein Konzern daran verdient.

Das könnte sich allerdings bald ändern – nicht nur für Augenbohnen. Laut ACB verhandeln 19 afrikanische Staaten derzeit über ein Protokoll, das die Eigentumsrechte für Pflanzenzüchtungen regeln soll. „Dieses Protokoll wird die Rechte der Bauern, Saatgut aus ihrer Ernte zurückzubehalten, zu tauschen und zu verkaufen für null und nichtig erklären“, schreibt das ACB. Diese Praxis sei das Rückgrat der agrikulturellen Systeme in Afrika, die Hunderte Millionen Menschen mit Nahrung versorgen. Gegen dieses Protokoll wehrt sich federführend die Alliance for Food Sovereignty in Africa (AFSA). Sie hat die beteiligten Staaten aufgefordert, das Protokoll abzulehnen und in Gänze neu zu verhandeln, mit Beteiligung der Kleinbauern, die es vor allem betrifft.

In einem weiteren Report beleuchtet AFSA zusammen mit der Organisation GRAIN, wie die Industrieländer im Zusammenspiel mit den großen Konzernen Land und Saatgutmärkte in Afrika unter ihre Kontrolle bringen wollen.

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Opt-out: Länder bringen eigenen Gesetzentwurf ein

Die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben einen Antrag zur Änderung des Gentechnikgesetzes in den Bundesrat eingebracht. Kern der Änderung ist ein neuer § 16 f, der Anbaubeschränkungen und –verbote regelt.

Darin ist vorgesehen, dass die zuständige Bundesbehörde bei jedem auf EU-Ebene eingereichten Antrag auf Anbauzulassung den Antragsteller auffordert, die gesamte Bundesrepublik auszunehmen. Lehnt dieser ab, so soll die Bundesregierung durch Rechtsverordnung den Anbau „im gesamten Hoheitsgebiet beschränken oder untersagen.“ Die Länder sind zu informieren und können Stellungnahmen „zu regionaltypischen Untersagungsgründen“ abgeben, die von der Bundesregierung berücksichtigt werden müssen.
Mit ihrer Vorlage haben die Länderminister einen richtigen Gesetzentwurf ins Verfahren eingebracht, um den nationalen Opt-out zu regeln. So zu regeln, wie es die Bundesländer und die allermeisten Verbände für richtig halten – bundeseinheitlich. „Beim Anbauverbot von Genpflanzen müssen bundesweit einheitliche Verhältnisse herrschen. Das ist für die Umwelt und die Landwirtschaft wichtig, für die Kontrollen und letztlich auch für die Bürgerinnen und Bürger“, erklärte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel. Der Entwurf der Länder setzt Bundesagrarministers Christian Schmidt unter Druck. Den dessen bisher nicht veröffentlichter Gesetzentwurf will den Ländern die Verantwortung für Opt-out-Regelungen aufbürden. Doch das Papier hängt seit Ende Februar 2015 in der Ressortabstimmung fest, weil auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und das ihr unterstehende Bundesamt für Naturschutz für eine bundeseinheitliche Lösung plädieren.

Wie geht es weiter? Der Bundestag wird in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause an diesem Freitag den Antrag zur Beratung in die Ausschüsse verweisen. Da sich die Länder in der Sache weitgehend einig sind, könnte der Bundesrat die Gesetzesnovelle im Herbst verabschieden. Der Entwurf geht dann zunächst an die Bundesregierung. Sie nimmt innerhalb von sechs Wochen Stellung und leitet ihn dann dem Bundestag zu. Dort könnten die Regierungsfraktionen zwar auf Zeit spielen, etwa mit der Begründung, man wolle den Entwurf der Bundesregierung abwarten und dann beide gemeinsam behandeln. Allerdings wird im Herbst der Druck der Öffentlichkeit deutlich zunehmen, vor der nächsten Anbausaison eine Opt-out-Regelung zu verabschieden.

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Studie der Bundestags-Grünen weist Glyphosat in der Muttermilch nach

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90 /Die Grünen hat von einem Labor in Leipzig 16 Proben Milch von verschiedenen Müttern auf Glyphosat analysieren lassen. Es fand Belastungen in der Größenordnung von 0,2 bis 0,4 Nanogramm je Milliliter (ng/ml oder µg/l).
Diese Werte liegen deutlich über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung für Pestizidrückstände von 0,1 ng/ml.

Die Grünen beurteilten die Werte als „sehr besorgniserregend“. Die teilnehmenden Frauen seien alle keine Anwenderinnen von Glyphosat gewesen und hätten sich überwiegend mit konventionellen Lebensmitteln ernährt. Der grüne Abgeordnete Harald Ebner erklärte: „Die Ergebnisse zeigen vor allem eines: Glyphosat ist allgegenwärtig. Dass in jeder untersuchten Muttermilchprobe mehr Glyphosat gemessen wurde, als für Trinkwasser zulässig ist, macht den dringenden Handlungsbedarf deutlich. Wir fordern ein umfassendes Human-Biomonitoring.“

Irene Witte, Professorin am Institut für Toxikologie der Universität Oldenburg, nannte die Werte im Tagesspiegel „untragbar“. „Ich hätte nicht mit solch hohen Rückstandswerten in der Muttermilch gerechnet, da Glyphosat stark wasser- und nicht fettlöslich ist.“ Der Deutschen Presse-Agentur sagte die Wissenschaftlerin, aus 16 Proben könne man keine endgültigen Schlüsse ziehen, aber sie seien ein erster Hinweis. Sie forderte, die Untersuchungen dringend auf mehr Frauen auszuweiten und dabei auch deren Ernährungsgewohnheiten zu betrachten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hingegen erklärte, eine Überschreitung des Trinkwasserhöchstgehaltes, „ bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein gesundheitliches Risiko besteht, da der Trinkwasserhöchstgehalt ein Vorsorgewert für alle Pestizide ist und nicht toxikologisch für einzelne Wirkstoffe abgeleitet wird.“ So liege etwa der Pestizidgrenzwert für Babynahrung hundertfach höher als der für Trinkwasser. Die Behörde bezweifelte auch die angewandte Messtechnik. Sie sei für die Bestimmung von Glyphosat in Wasserproben vorgesehen, eine Eignung für Milch sei nicht belegt. „Aus den dem BfR vorliegenden Daten geht nicht hervor, ob der Test vorher für alle untersuchten Matrices (Muttermilch, Urin) validiert worden ist.“

Und was sagt BILD dazu: Die Zeitung hält die Spuren für wenig bedenklich, plädiert dafür, die Babys weiter zu stillen und zitiert Dr. Christian Albring vom Berufsverband der Frauenärzte: „Empfehlenswert ist es trotzdem für Mütter in Schwangerschaft und Stillzeit, nur Gemüse und Kornprodukte aus biologischem Anbau zu verzehren, da dort dieses Herbizid nicht verwandt werden darf.“

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Cibus-Raps: EU-Kommission pfeift BVL zurück

Die EU-Kommission hat in einem Schreiben an die Behörden der EU-Mitgliedsstaaten klargestellt, dass der umstrittener Bescheid des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zum Gentechnik-Raps der US-Firma Cibus nicht umgesetzt werden darf. Das meldete die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Ihr liegt dieses Schreiben vor.

Darin heißt es laut AbL, dass die EU-Kommission bis Ende des Jahres über den rechtlichen Status der Pflanzen entscheiden wolle und die Mitgliedsländer auffordere, bis dahin keine unkontrollierten Freisetzungen zu erlauben. Genau das hatte das BVL im Februar 2014 im Falle der Firma Cibus getan. Deren Raps war mithilfe so genannter Oligonukleotide, kurzer synthetischer DNA-Sequenzen, genetisch verändert worden. Das BVL hatte verfügt, dass dieser Eingriff in das Erbgut keine Gentechnik im Sinne des Gentechnikgesetzes sei und die Pflanze ohne Auflagen angebaut werden könne.
„Es zeigt sich, dass das BVL hier Partei ergriffen hat, um zugunsten der Industrie Fakten zu schaffen“, sagte Annemarie Volling von der AbL. „Landwirtschaftsminister Schmidt, der die Dienstaufsicht hat, muss dafür sorgen, dass der BVL-Bescheid aufgehoben wird.“ Volling wies auch auf eine norwegische Studie hin, die aufzeige, dass es bei dieser Züchtungsmethode zu ungewollten Effekten in den Pflanzen kommen könne und hinsichtlich der Risiken erheblicher Forschungsbedarf bestehe.

Wie sich die EU-Kommission zu den neuen umstrittenen Züchtungstechniken verhalten wird ist noch unklar. Der französische Infodienst infogm.org meldete, Recherchen der Organisation Corporate Europe Observatory hätten ergeben, dass die Kommission keine klarstellende Änderung der Freisetzungsrichtlinie plane, sondern nur ihre Sicht der Dinge darlegen und Empfehlungen aussprechen wolle. Würden Mitgliedsstaaten diesen nicht folgen hätte der Europäische Gerichtshof das letzte Wort.

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