Gentechnik-Knolle Amflora darf kommen
Die EU-Kommission hat die genmanipulierte Stärkekartoffel Amflora der BASF für den kommerziellen Anbau freigegeben. John Dalli, Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, sagte: „Alle wissenschaftlichen Aspekte und besonders die Sicherheitsbedenken sind bereits ausgiebig berücksichtigt worden.“
Die Zulassung für Amflora ist die erste Anbauzulassung in der EU seit 1998. Sieben Jahre dauerte das Verfahren, weil offizielle Organisationen wie die EU-Arzneimittelbehörde und die Weltgesundheitsorganisation WH) Bedenken hatten. Denn die Kartoffel enthält ein Resistenzgen gegen ein Antibiotikum, das auch in der Humanmedizin genutzt wird. Die Kommission beruft sich bei ihrer Entscheidung auf ein Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde EFSA, die in dem Resistenzgen kein Problem sieht. Ein zusätzlicher Beschluss der Kommission erlaubt den Einsatz der bei der Stärkegewinnung anfallenden Nebenerzeugnisse als Futtermittel.
Ob es zu einem großflächigen Anbau von Amflora kommt, ist fraglich. Denn im letzten Jahr haben zwei Firmen eine konventionell gezüchtete Stärkekartoffel mit vergleichbaren Eigenschaften vorgestellt. Auch hat sich die Stärke herstellende Industrie schon vor Jahren gegen den Einsatz der Gen-Knolle ausgesprochen, da sie eine Verunreinigung ihrer Lebensmittelstärke befürchtet. In Deutschland ist für 2010 (ähnlich wie in den Vorjahren) nur ein Anbau auf einer Fläche von 20 Hektar an einem Standort in Mecklenburg-Vorpommern vorgesehen. Er dürfte in erster Linie dem Erhalt und der Vermehrung der Sorte dienen.
Zugelassen hat die Kommission außerdem den Import und die Verarbeitung von drei weiteren Genmaissorten von Monsanto. Bei MON863xMON810, MON863xNK603 und MON863xMON810xNK603 handelt es sich um Kreuzungen bereits bestehender manipulierter Sorten.
EU-Kommission will Genfood-Zulassung verwässern
Mit Hilfe von Detailregelungen will die EU-Kommission die Anforderungen an die Risikoprüfung gentechnisch veränderter Pflanzen verringern. Ein entsprechender Regelungsentwurf liegt bereits bei der Welthandelsorganisation WTO zu Notifizierung. Gentechnikkritiker warnen vor Dumping beim Zulassungsverfahren.
Das Werk hat den Titel „Draft Commission Regulation on implementing rules concerning applications for authorisation of genetically modified food and feed“ und enthält auf 66 Seiten detaillierte Vorgaben, welche Unterlagen für die Risikoprüfung neuer GVO-Pflanzen vorzulegen sind. Schon bisher gab es solche Richtlinien, herausgegeben von der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, die für die GVO-Zulassung zuständig ist. Diese Richtlinien werden seit Jahren als unzulänglich kritisiert, weil sie nur wenige verbindliche Vorgaben machen und beispielsweise gesundheitliche Risiken im Vergleich mit Arzneimitteln oder Pestiziden nur sehr oberflächlich geprüft werden. Langzeituntersuchungen sind gar nicht vorgeschrieben. Im Dezember 2008 hatten die Umweltminister der EU-Staaten beschlossen, dass die unverbindlichen EFSA-Richtlinien überarbeitet und strenger werden müssen. Gleichzeitig begrüßten sie die damals schon geäußerte Absicht der EU-Kommission, den überarbeiteten EFSA-Richtlinien einen normativen Status zu geben, sprich sie als Verordnung zu erlassen.
Doch der jetzt bekannt gewordene Verordnungsentwurf enthält keine überarbeiteten EFSA-Richtlinien. „Die geplante EU-Regelung liest sich zu großen Teilen wie ‘copy and paste’ der bestehenden EFSA-Richtlinien. Setzt sich die Kommission mit ihrem Vorhaben durch, bekommt die Industrie Rückenwind. Die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen wird beschleunigt und die vielfach kritisierte oberflächliche Prüfung der Risiken von der EU sanktioniert,“, warnt Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech e. V., einem Verein, der sich für die unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie einsetzt. Würde die Verordnung in dieser Form erlassen, wäre die von den Umweltministern gewollte Verschärfung der Risikoprüfung kaum mehr durchzusetzen. Auch eine intensivere Prüfung in einem Einzelfall wäre nach dem Grundsatz „Gleiches Recht für alle“ schwieriger als bisher.
„Die Mitgliedsstaaten waren über ihre Fachleute an der Erarbeitung des Entwurfs beteiligt oder zumindest auf dem Laufenden“, sagt Christoph Then. Kritik habe es bisher kaum gegeben, eher passives Zusehen. Das könnte sich ändern, wenn der Entwurf nun weiter behandelt wird. Denn endgültig beschließen müssen ihn die EU-Mitgliedsstaaten. Die Kommission sieht dafür den Mai 2010 vor.
Gen-Pflanzen helfen dem Klima nicht
Gentechnisch manipulierte Pflanzen tragen nicht zum Klimaschutz bei. Sie können sogar den Ausstoß an Kohlendioxid erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Report der Umweltorganisation Friends of Earth (FoE). Auch andere Versprechen, mit denen die Gentechnik-Konzerne ihre Saatgut verkaufen, würden nicht erfüllt, sagt FoE.
Der Report geht detailliert auf wiederkehrende Behauptungen von Gentechnik-Lobbyisten ein, etwa auf die, dass durch den Einsatz von Gen-Pflanzen weniger Pestizide eingesetzt und dadurch Energie gespart würde. FoE stellt dem zahlreiche Studien entgegen, die belegen, dass Genpflanzen den Pestizidverbrauch nicht verringern sondern langfristig ansteigen lassen, weil sich resistente Unkräuter bilden. Entsprechend mehr Energie wird verbraucht.
Die vielfach versprochenen trockenresistenten Pflanzen, die auch noch auf ausgemergelten Böden üppige Ernten liefern, „seien weit entfernt von einem kommerziellen Anbau“, schreibt FoE. Um eine gegen Dürre tolerante Pflanze zu züchten, seien wesentliche Änderungen des Stoffwechsels nötig. Auch Pflanzen, die besonders viel Biomasse für die Biotreibstoffherstellung produzieren sollen, seien noch lange nicht auf dem Markt.
Einen erheblichen Beitrag zum Treibhauseffekt leisten Gen-Pflanzen in Argentinien und Brasilien, wo sich die Sojabohnen-Monokulturen immer weitern in den Regenwald hineinfressen. FoE-Koordiniator Martin Drago kommentierte: “Gen-Pflanzen werden als eine Lösung im Kampf gegen den Klimawandel propagiert. Doch in der Realität löschen sie Wälder aus, zerstören die Lebensgrundlage von Kleinbauernund und führen zu mehr schädlichen Emissionen.“
Gentech-Anbau in Europa geht zurück
In Europa wurde 2009 zehn Prozent weniger Gentech-Mais angebaut als im Jahr zuvor. Weltweit sind die Anbauflächen noch einmal angestiegen. Allerdings stammen die Zahlen von der Gentechnik-Lobbyorganisation ISAAA. Umweltorganisationen bewerten sie als „aufgebauscht“.
Jedes Jahr veröffentlicht die von den Gentechnik-Konzernen mitfinanzierte ISAAA (International Service for the Acquisition of Agribiotech Applications) einen Bericht zum Stand des Genpflanzenanbaus. Für 2009 meldete die Agentur eine weltweite Gesamtfläche von 134 Millionen Hektar, was einem Wachstum von sieben Prozent entspricht. Ein Großteil des Wachstums entfiel auf Brasilien, das deutlich mehr Gensoja und Genmais anbaute. In Europa ging die Anbaufläche von Bt-Mais laut ISAAA von 104.000 Hektar auf 95.000 Hektar zurück.
Der ISAAA-Bericht zeigt, dass 92 Prozent aller genmanipulierten Pflanzen in nur fünf Staaten wachsen: USA, Brasilien, Argentinien, Indien und Kanada. Der Anbau konzentriert sich auf vier Pflanzen: Soja (75 Prozent der weltweiten Anbaufläche), Mais (49 Prozent), Baumwolle (25 Prozent) und Raps (20 Prozent). In den USA und Kanada ist auch der größte Teil der Zuckerrüben inzwischen genmanipuliert.
„Trotz massivster Bemühungen der Gentechnik-Industrie sind weltweit über 90 Prozent der Ackerflächen gentechnikfrei, 99 Prozent aller Bauern arbeiten ohne Gentechnik“, kommentierte Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter von Greenpeace die Zahlen. „Die ISAAA bauscht die Anbaustatistik von Gentech-Pflanzen in Entwicklungsländern auf und unterschlägt die Verbote in Indien und Südafrika“, kritisiert Jens Karg, Sprecher der österreichischen Umweltorganisation Global 2000. „. Hier kann man nur von tarnen und täuschen sprechen, nicht von seriöser Wissenschaft.“ Im Gegensatz zu den Behauptungen der Industrie-Lobby scheitere der Anbau von Gen-Pflanzen in immer mehr Ländern. Dennoch ist er für Monsanto&Co ein gutes Geschäft. Die ISAAA schätzt den Wert des Biotech-Saatgutmarktes auf 10,5 Milliarden US-Dollar.
Indien: Gen-Baumwolle zieht Schädlinge an
Indische Baumwollbauern werden zunehmend von pflanzensaugenden Schädlingen heimgesucht, die früher kein Problem darstellten. Schuld daran ist der zunehmende Anbau von genmanipulierter Baumwolle – sagt der oberster staatliche Baumwollforscher.
Keshav Kranthi ist Insektenforscher, Direktor des staatlichen Baumwollforschungsinstituts CICR und ein Befürworter der grünen Gentechnik. Umso mehr Aufmerksamkeit erregte er, als er sich in die Front der indischen Gen-Auberginen-Gegner einreihte. In einem Bericht an das indische Umweltministerium listete er auf, welche Probleme der zunehmende Anbau von Gen-Baumwolle mit sich gebracht hat und was daraus für den Umgang mit Gen-Auberginen folgen sollte. „Wir hätten vorsichtiger sein müssen“, lautete sein Fazit im indischen ‚Telegraph’.
Er berichtete der Zeitung, dass sich früher unbekannte oder unproblematische Schädlinge wie Schmierläuse, Mottenschildläuse oder Thripse in den Baumwollfeldern breitgemacht hätten und durch das Aussaugen der Pflanzen den Bauern massive Verluste zufügten. In ihrer Verzweiflung würden diese zu extrem gefährlichen Pestiziden greifen, da die durch eine wachsähnliche Schicht geschützten Läuse mit weniger giftigen Wirkstoffen kaum zu beseitigen seien. Die Ausgaben der Baumwoll-Bauern für Insektizide seien von 6,4 Milliarden Rupien 2006 auf 8 Milliarden Rupien (etwa 120 Millionen Euro) 2008 gestiegen. Die Erträge seien im gleichen Zeitraum um fast zehn Prozent zurückgegangen, von 560 auf 512 Kilogramm Fasern je Hektar.
Die wesentliche Schuld an dieser Entwicklung gibt Kranthi den Managementfehlern bei der Einführung der Bt-Baumwolle. Innerhalb weniger Jahre seien Hunderte von Hybriden auf den Markt gekommen. Die Bauern wüssten nicht, welche Sorten am geeignetsten seien und würden oft die falschen aussähen. Zudem habe der von den Bt-Saatgutanbietern propagierte teilweise Verzicht auf Insektizide die Ausbreitung neuer Schädlinge begünstigt.
Genmais MON 810: Monsanto lässt Klage ruhen
Der Anbau von Genmais in Deutschland bleibt für dieses Jahr verboten. Der US-Agrarkonzern Monsanto zog seine Klage gegen das Anbauverbot für die Sorte MON 810 vorerst zurück. Ob das für die Genfood-Kritiker einen Erfolg darstellt, ist fraglich.
Monsanto hatte vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig gegen das im letzten Jahr erlassene Anbauverbot für MON 810 geklagt und im Eilverfahren verloren. Nun hätte das Gericht im Hauptsacheverfahren entscheiden sollen. Im Bundeslandwirtschaftsministerium war man siegessicher. Eine gerichtliche Bestätigung des Verbots hätte die gentechnikkritische Position von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner gestärkt und einen Anbau der Genmaissorte in Deutschland vermutlich langfristig verhindert.
Dieses Risiko wollten weder Monsanto noch die als gentechnikfreundlich geltende Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), eingehen. Das Verwaltungsgericht Braunschweig erklärte, Monsanto und das BVL hätten beantragt, das Verfahren ruhen zu lassen, um ohne zeitlichen Druck die Angelegenheit außergerichtlich zu erörtern. Das BVL bestätigte gegenüber den Nachrichtenagenturen, dass es dem Antrag von Monsanto nicht widersprochen habe.
Die Süddeutsche Zeitung schreibt unter Berufung auf Behördenkreise, das BVL hätte erst dem Antrag von Monsanto zugestimmt und danach das Ministerium informiert. Das Blatt zitiert Greenpeace- Referentin Stephanie Töge: „Durch diesen miesen Deal rettete das BVL Monsanto vor einer deftigen Niederlage vor Gericht.“ Das Ministerium widersprach dieser Darstellung, sieht aber anders als die nachgeordnete Behörde keinen Bedarf für eine Erörterung mit Monsanto.
Zwar sieht das Ministerium offiziell durch den Rückzug Monsantos sein Verbot bestätigt. Doch das nun fehlende Urteil schwächt langfristig die Position der Ministerin. Die Zulassung von MON 810 ist 2008 ausgelaufen. In diesem Jahr will die EU über die Neuzulassung des Genmaises entscheidend. Mit einem Gerichtsurteil zu ihren Gunsten hätte Aigner die Neuzulassung mit guten Gründen ablehnen können. Ohne Urteil ist sie stärker an den gentechnikfreundlichen Koalitionsvertrag gebunden. Bei der entscheidenden Abstimmung dürfte sie sich daher wohl der Stimme enthalten. Sollte die EU – wie derzeit diskutiert – die Entscheidung über den Anbau an die Mitgliedsstaaten delegieren, dürfte ein nationales Anbauverbot ohne Urteil ebenfalls deutlich schwerer durchzusetzen sein.
Gentechnikfreie Hansestadt Hamburg
Die Hamburger Bürgerschaft hat beschlossen, dass Hamburg gentechnikfrei bleiben soll. In einem von Politikern aller Parteien formulierten Antrag beschlossen die Abgeordneten, dass bei Empfängen und Veranstaltungen der Stadt und in städtischen Einrichtungen, soweit möglich, nur gentechnikfreie Lebensmittel angeboten werden sollen. Den Senat forderten sie auf, Konzepte und Initiativen zur Schaffung gentechnikfreier Zonen, zum Beispiel die Initiative gentechnikfreie Metropolregion Hamburg, zu unterstützen.
Die Initiative begrüßte den Beschluss. „Unsere sachlichen und fundierten Diskussionen mit allen Parteien der Bürgerschaft haben sich gelohnt“, sagte Matthias Deppe, Geschäftsführer des Bio-Großhändlers Naturkost-Nord und Sprecher der Initiative gentechnikfreie Metropolregion Hamburg. Sein Sprecherkollege, der Demeter-Gärtner Thomas Sannmann, möchte „mit dem Rückenwind der Hamburger Bürgerschaft“ seine Berufskollegen gewinnen, eine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung zu unterzeichnen und der Initiative beizutreten.
In der Begründung des überparteilichen Antrages heißt es: „Aufgrund der bislang nicht abschließend bewertbaren Risiken, die von GVO ausgehen, ist es auch in Zukunft dringend notwendig, auf den Anbau von GVO auf Hamburger Boden zu verzichten.“ Gleichzeitig wird der Senat dazu aufgefordert, gentechnikfreie, regionaler Produkte zu fördern und bei Konsumenten, Landwirten, Handelsunternehmen und verarbeitenden Betrieben für die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ zu werben. Auch soll die Stadt die klassische Züchtung im Obstbau und anderen Kulturen, den Einsatz von Nützlingen, den ökologischen Landbau und den integrierten Pflanzenschutz in der Agrarproduktion unterstützen. Bei der Internationalen Bauausstellung (IBA) und der für 2013 geplanten Internationalen Gartenschau sollen nur gentechnikfreie Pflanzen und Produkte präsentiert bzw. angeboten werden.
Vorläufiges Aus für die Gen-Aubergine
Der indische Umweltminister Jairam Ramesh hat ein Moratorium für die geplante Zulassung gentechnisch manipulierter Auberginen (Bt-Brinjal) verkündet. Damit reagierte er auf heftige Auseinandersetzungen im ganzen Land. Nun sollen zuerst weitere Tests durchgeführt und ein breiterer gesellschaftlicher Konsens hergestellt werden.
Ramesh erklärte, Bt-Brinjal solle erst dann zugelassen werden, wenn weitere unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen zu möglichen langfristigen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit durchgeführt seien. Deren Ergebnisse müssten sowohl die breite Öffentlichkeit wie auch die Experten von der Unbedenklichkeit der manipulierten Aubergine überzeugen. „Die Öffentlichkeit ist dagegen. Es ist meine Pflicht, eine vorsichtige, vorsorgende und prinzipienfeste Herangehensweise zu garantieren“, sagte er auf einer Pressekonferenz.
Im Oktober 2009 hatte die indische Zulassungskommission GEAC (Genetic Engineering Approval Committee) BT-Brinjal für sicher erklärt und empfohlen, den Anbau freizugeben. Doch drei der 20 GEAC-Wissenschaftler stimmten dagegen und wiesen auf deutliche Mängel bei den Sicherheitsuntersuchungen hin, die Monsanto vorgelegt hatte. Damals verzögerte Ramesh die Entscheidung und lud zu Konferenzen ein, auf denen er mit allen Interessensgruppen diskutierte. Dabei zeigte sich, dass die indische Gesellschaft in Sachen grüner Gentechnik tief gespalten ist. Neben gesundheitlichen Folgen wird auch ein zu starker Einfluss des Gentechnik-Konzerns Monsanto auf die indische Ernährungssicherheit befürchtet.
Rajesh Krishnan, Campaigner bei Greenpeace India, begrüßte das Moratorium. Er wies darauf hin, dass dies nur ein erster Schritt sein könne. Weitere 55 genmanipulierte Pflanzensorten stünden in Indien zur Zulassung an. Aid India lobte Rameshs Entscheidung als einen großen Schritt für das Land. „Wir hoffen, dass alle Länder heute auf Indien schauen und bald ähnliche Entscheidungen treffen werden, um ihre Nahrungsmittelsouveränität und ihre Umwelt zu verteidigen.“
Neu: Politischer Thriller über Gentechnik
Der Regisseur Bertram Verhaag zeigt in einem neuen Dokumentarfilm, wie gentechnikkritische Wissenschaftler unter Druck gesetzt und geächtet werden. Seiner Meinung nach ist die Meinungsfreiheit durch die fast ausschließlich industriefinanzierte Forschung zur Gentechnik gefährdet.
In „Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes“ erzählt Verhaag die Geschichte der beiden Gentechnik-Forscher Arpad Pusztai und Ingnacio Chapela. Beide sind ruiniert, weil sie Entdeckungen machten, durch die die Gentechnik-Industrie ihre Investitionen bedroht sah. In Form eines dokumentarischer Thrillerschildert Verhaag, wie multinationale Agro Chemie Konzerne internationale Wissenschaftler zu Opfern machen, um zu verhindern, dass sie ihre beängstigenden Forschungsergebnisse veröffentlichen. „Aussagen von Wissenschaftlern selbst belegen, dass 95 Prozent der Forscher im Bereich Gentechnik von der Industrie bezahlt werden“, schreibt Verhaag im Begleittext. „Nur fünf Prozent der Forscher sind unabhängig. Die große Gefahr für Meinungsfreiheit und Demokratie ist offensichtlich. Kann die Öffentlichkeit – können wir alle – den Wissenschaftlern noch trauen?“
Bertram Verhaag und sein Kollege Claus Strigel haben mit ihrer Firma Denkmal-Film in den letzten 30 Jahren über 100 Dokumentarfilme gedreht. Viele davon befassten sich mit grüner Gentechnik und mit Öko-Landbau als Alternative, zum Beispiel „Leben außer Kontrolle“ oder „Percy Schmeiser – David gegen Monsanto“
Trailer der englischen Fassung: Scientists under Attack
Monsanto bestätigt resistente Unkräuter
Eine von Monsanto finanzierte Studie erforschte die genetischen Mechanismen in Pflanzen, die eine Resistenz gegen das Monsanto-Pestizid RoundUup entwickelt hatten. Das Fazit der Forscher, von denen zwei bei Monsanto arbeiten: Diese Unkräuter können die dauerhafte Nutzung der gentechnisch glyphosat-resistent gemachten Pflanzen gefährden.
Folgendes hat die Monsanto-Forscher erschreckt: Der RoundUp-Wirkstoff Glyphosat schaltet ein für den Stoffwechsel der Pflanzen wichtiges Enzym aus; sie verkümmern. Die resistenten Unkräuter haben eine Gen-Variante entwickelt, mit deren Hilfe sie das Enzym so produzieren, dass es unempfindlich gegen die RoundUp-Attacke ist. Dieses abgeänderte Gen haben die Pflanzen vervielfältigt und die Kopien in ihr Erbgut eingebaut. Je mehr Kopien der Gene die Forscher fanden, desto höher war auch die Aktivität der Glyphosat-resistenten Enzyme. Sie stellten auch fest, dass die Pflanzen diesen Vervielfältigungsmechanismus vererben und damit die Resistenz an ihre Nachkommen weitergeben.
Das von den Forschern untersuchte resistente Fuchsschwanzgewächs Amaranthus Palmeri hat sich in den letzten Jahren in den Baumwoll-Staaten in den südlichen USA massiv ausgebreitet. Es wächst schnell bis zu zwei Meter hoch und lässt der Baumwolle keinen Platz. Zudem kann das riesige Unkraut die Erntemaschinen für die Baumwollkapseln beschädigen. Auch auf Feldern mit genmanipulierten Sojabohnen wurden erste Pflanzen bereits gesichtet. Die Farmer versuchen durch den Einsatz anderer Pestizide das Superunkraut klein zu halten. Dadurch ist der Pestizideinsatz im Genpflanzenanbau in den USA in den letzten Jahren deutlich gestiegen.