GenfoodneindankeBlog » 2009 » Oktober logo

Neue Fälle: Zensierte Gentech-Forschung

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 29. Okt. 2009

Die Fachzeitschrift Nature Biotechnology hat über Fälle berichtet, in denen Gentechnik-Konzerne Forschungsergebnisse unterdrückt haben. Bereits im Sommer 2009 hatten sich Insektenforscher in den USA darüber beschwert, dass die Konzerne ihre Arbeiten beeinflussen. Dass Monsanto&Co auch zu massiveren Methoden greifen können, zeigt der Fall eines argentinischen Wissenschaftlers. Er hatte kritische Ergebnisse zum Monsanto-Herbizid RoundUp veröffentlicht.

Die Wissenschaftsjournalistin Emily Waltz hat in ihrem Artikel „Geheim!“ in Nature Biotechnology die bereits im Sommer 2009 begonnene Zensur-Diskussion aufgenommen und um einige Fälle bereichert. Anonym erzählte ein Forscher der Journalistin, dass sein Universitätslabor 2001 im Auftrag von Pioneer Nebenwirkungen einer neuen Gen-Maissorte auf Marienkäfer untersuchen sollte. Fast alle Käfer starben, nachdem sie länger als acht Tage Futter mit dem Mais-Toxin erhalten hatten. Pioneer verbot den Forschern unter Berufung auf den unterschriebenen Auftrag, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Zwei Jahre später wurde die Maissorte in den USA zugelassen. In den eingereichten Unterlagen an die US-Umweltbehörde EPA waren die Versuche von Pioneer so modifiziert worden, dass die Marienkäfer am Leben blieben. EPA sei auf die früheren Ergebnisse hingewiesen worden, habe es aber vorgezogen nicht zu handeln, schreibt Waltz.

Sie beschreibt auch, dass es Wissenschaftlern oft nur unter Berufung auf das Akteneinsichtsrecht möglich sei, Studien aus Zulassungsverfahren einzusehen. Auch dieser Zugang sei eingeschränkt, da die Firmen solche Studien oft als Betriebsgeheimnisse deklarieren und damit der Einsicht entziehen würden. Der Insektenforscher Bruce Tabashnik von der University of Arizona erzählte Waltz, dass er an Akten gelangt sei, denen zufolge Dow AgroSciences den Verkauf einer Genmaissorte in Puerto Rico eingestellt habe, nachdem der Zielschädling, der Armybollworm, Resistenzen entwickelt hatte. „Ich ermutigte einen Mitarbeiter des Unternehmens, die Daten zu veröffentlichen und erwähnte, das alternativ auch ich die Daten zitieren könnte. Er sagte mir, sollte ich diese Informationen zitieren, würde das Unternehmen mich verklagen. Solche Statements haben schon eine abschreckende Wirkung“, zitiert Waltz den Forscher.

Wissenschaftler, die öffentlich Ergebnisse verkünden, die den Gentechnik-Konzernen schaden könnten, werden massiv unter Druck gesetzt, mit Rufmordkampagnen oder Prozessen überzogen. Beispiele dafür sind die Erlebnisse von Arpad Pusztai oder Ignacio Chapela. Ähnliche Erfahrungen machte auch der argentinische Professor Andres Carrasco. Er hatte in der Presse von der negativen Wirkung von RoundUp auf Embryonen von Fröschen berichtet. Dabei vertrat er die Ansicht, dass entsprechende Wirkungen auch auf den Menschen möglich seien. Daraufhin erhielt er Drohanrufe und einschüchternde Besuche von Anwälten in seinem Labor. Die Agrarlobby begann mit einer Rufmord-Kampagne. Auch von staatlicher Seite und von Kollegen die für die Agrar-Konzerne forschen, habe er Druck bekommen, berichtete der für das Verteidigungsministerium arbeitende Professor in einem ausführlichen Interview. Doch so leicht lasse sich eine dreißigjährige akademische Karriere nicht zerstören. „Das sind alles Heuchler, diese Truppen der Konzerne. Aber sie haben Angst. Sie wissen, dass sie die Sonne nicht mit ihren Händen verdunkeln können. Es gibt wissenschaftliche Beweise und, darüber hinaus, Hunderte von Menschen, die der lebende Beweis sind für die Gesundheitsgefahren, die mit Glyphosat verbunden sind.“

  • Share/Bookmark

Koalitionsvertrag: Anbauverbot bleibt vorerst erhalten

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 26. Okt. 2009

Die neue schwarz-gelbe Bundesregierung wird einen gentechnikfreundlicheren Kurs fahren als ihre Vorgängerin. Dies zeigen die im Koalitionsvertrag festgelegten Vereinbarungen. Der Bund für ökologische Lebensmittelwirtschaft nannte die Aussagen „im höchsten Maße bedenklich“. Doch so schlimm wie befürchtet, ist es nicht gekommen.

An einer wesentlichen Entscheidung der alten großen Koalition hält die neue Regierung vorerst fest. „Beim erlassenen Anbauverbot für die gentechnisch veränderte Maissorte MON 810 wird der Ausgang des Gerichtsverfahrens abgewartet“, steht im Koalitionsvertrag. Zu erwarten ist allerdings, dass die Regierung eine für Monsanto positive Entscheidung in erster Instanz akzeptieren würde. Interessant ist, was nicht erwähnt wird. Denn das sind die Punkte, bei denen keine Einigung erzielt wurde. So fehlt zum Beispiel die von den Gentech-Lobbyisten geforderte Schleifung des Gentechnikrechtes komplett.

Abstandsregeln sollen künftig die Bundesländer treffen. Das würde der CSU in Bayern einen gentechnikfreien Alleingang ermöglichen. Allerdings ist der Spielraum sehr eng definiert, denn es geht nicht um Koexistenzregeln insgesamt, sondern nur um die „rechtlichen Vorraussetzungen, damit die Bundesländer innerhalb eines bundeseinheitlichen Rahmens von Kriterien flexibel eigenständig Abstände festlegen können“. Der BÖLW kommentierte diesen Kompromiss kritisch: „Bei aller Sympathie für die Entscheidungsfreiheit von Regionen: brandenburgischer Maispollen fliegt ebenso weit wie bayerischer.“

Bei der Nulltoleranz gegenüber nicht zugelassenen GVO will die Regierung eine „praktikable Anwendung“ erreichen. Geschehen soll dies durch Änderungen der „offiziellen Probenahme- und Nachweismethoden“. Ein solches Vorgehen hat die EU-Kommission auf europäischer Ebene schon angekündigt, aber wegen des Widerstandes gegen solche Tricksereien bisher nicht umgesetzt.
Die Formulierung „Wir treten für eine stärkere Wissenschaftsorientierung und effiziente Zulassungsverfahren von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf EU-Ebene ein“, bedeutet, dass künftig vor allem die gentechnikfreundliche Lebensmittelbehörde EFSA entscheiden soll und nicht die sich gegenseitig blockierenden Politiker der Mitgliedsstaaten.

Den Anbau der Gen-Knolle Amflora will die Koalition unterstützen. Da die Entscheidung auf EU-Ebene fällt, bedeutet dies nur, dass sich Deutschland dort nicht mehr der Stimme enthalten kann, sondern zustimmen müsste. „Dass ein konkretes Produkt einer konkreten Firma – die Gentechnikkartoffel „Amflora“ – es bis in den Koalitionsvertrag geschafft hat, ist ein unglaublicher Vorgang und zeigt, wie erfolgreich die Biotechnologie-Branche damit war, den Vertragsverfassern die Feder zu führen“, kommentierte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein diesen Passus.

Der Text auf den Seiten 124 und 125 im Entwurf des Koalitionsvertrages

Grüne Gentechnik
Die Biotechnologie stellt eine wichtige Zukunftsbranche für Forschung, Wirtschaft und Landwirtschaft dar, die bereits weltweit etabliert ist. Deshalb wollen wir die verantwortbaren Potentiale der grünen Gentechnik nutzen. Der Schutz von Mensch und Umwelt bleibt oberstes Ziel des deutschen Gentechnikrechts.
Wir treten für eine stärkere Wissenschaftsorientierung und effiziente Zulassungsverfahren von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf EU-Ebene ein. Wir schaffen die rechtlichen Vorraussetzungen, damit die Bundesländer innerhalb eines bundeseinheitlichen Rahmens von Kriterien flexibel eigenständig Abstände festlegen können, die zwischen Feldern mit genetisch veränderten Pflanzen und solchen mit konventionellem oder ökologischem Anbau einzuhalten sind.
Beim erlassenen Anbauverbot für die gentechnisch veränderte Maissorte MON810 wird der Ausgang des Gerichtsverfahrens abgewartet. Der Anbau der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel Amflora für eine kommerzielle, industrielle Verwertung wird unterstützt.
Um eine für Wirtschaft und Überwachung praktikable Anwendung der im Gemeinschaftsrecht der EU festgelegten Nulltoleranz für nicht in der EU zugelassene GVO zu ermöglichen, werden wir das Gentechnikgesetz und das EG-Gentechnikdurchführungsgesetz ändern. Dort werden wir eine Ermächtigung schaffen, um offizielle Probenahme- und Nachweismethoden festzulegen. Zur Schaffung einer umfassenden Verbrauchertransparenz streben wir eine Positivkennzeichnung (Prozesskennzeichnung) auf europäischer Ebene an.

  • Share/Bookmark

Globale Kampagne gegen Saatgut-Patente

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 22. Okt. 2009

Die Koalition Keine Patente auf Saatgut hat einen weltweiten Appell gegen die zunehmende Monopolisierung von Saatgut und landwirtschaftlichen Nutztieren durch Patente gestartet. Die Patente bedrohen ihrer Ansicht nach die weltweite Nahrungsmittelversorgung und die regionale Selbstbestimmung bei der Nahrungsmittelproduktion. Der Appell soll am 26 März 2010 an Regierungen und Patentämtern in Afrika, Nord- und Südamerika, Australien und Europa übergeben werden.

Der Griff der Konzerne nach der Nahrungsmittelversorgung der Welt hat inzwischen zu einem festen Begriff geführt: Monsantisierung. Denn der US-Konzern Monsanto betreibt diese Taktik am aggressivsten. Er hält bereits über 1.000 Patente auf Leben, insbesondere auf Saatgut. Landwirte geraten in Abhängigkeit, dürfen nicht mehr ihr eigenes Saatgut ziehen.

Auch die Vereinten Nationen warnen vor dieser Gefahr. Olivier de Schutter, der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung stellte in dieser Woche in New York seinen Bericht an die UNO-Generalversammlung vor. Darin stellt er fest: Die Oligopole einiger Anbieter können dazu führen, dass armen Landwirten der Zugang zu Saatgut, einem für sie lebenswichtigen Produktionsmittel, verwehrt wird. Und sie kann dazu führen, dass die Lebensmittelpreise steigen, wodurch die Lebensmittel für die Ärmsten noch weniger verfügbar werden. So könnten Hungerkrisen noch verstärkt werden

Sogar die Deutsche Bank schreibt in einer Studie zur Welternährung über Patente in der Landwirtschaft: „Es ist wichtig, dass die Bauern Saatgut aufbewahren und wieder verwenden können, da arme Bauern nicht für jede Aussaat neues Saatgut kaufen können.9 Dieser Bereich ist so wichtig, dass er nicht ausschließlich dem privaten Sektor überlassen werden kann, der ein Interesse daran hat, den Gewinn für die Anteilseigner zu maximieren.“

Die internationale Koalition Keine Patente auf Saatgut wurde am 26 März 2007 gegründet. Sie setzt sich aus Landwirten, Entwicklungshilfe- und Umweltorganisationen zusammen. Unterstützt wird der Aufruf gegen die Monsantisierung von Bauernorganisationen aus mehreren Ländern.

Hintergrundinfo zum Thema Saatgut und Lebensmittel
Dossier Patente in der Landwirtschaft

  • Share/Bookmark

Indien legt Gentechnik-Auberginen auf Eis

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 22. Okt. 2009

Der indische Umweltminister Jairam Ramesh hat den gentechnisch manipulierten Auberginen des indischen Monsanto-Ablegers Mahyco die kommerzielle Zulassung vorerst verweigert. Zuvor hatte die indische Zulassungskommission GEAC (Genetic Engineering Approval Committee) die Gen-Aubergine für sicher erklärt und empfohlen, den Anbau freizugeben. Doch drei der 20 GEAC-Wissenschaftler stimmten dagegen und wiesen auf deutliche Mängel bei den Sicherheitsuntersuchungen hin, die Monsanto vorgelegt hatte. Die Regierung will nun erst einmal alle Beteiligten anhören, auch die Bauernverbände und Umweltorganisationen, die seit Jahren gegen die Zulassung kämpfen.

Indien ist die Heimat der Auberginen, die dort Brinjal heißen und zu den Grundnahrungsmitteln gehören. Seit Jahren versucht Mahyco Monsanto Biotech, für seine Bt-Brinjal die Zulassung zu bekommen. Sie wäre das erste genmanipulierte Lebensmittel, das in Indien angebaut würde. Bisher wächst dort nur Bt-Baumwolle. Entsprechend groß ist der Widerstand gegen die bereits 2004 beantragte Zulassung. Nachdem die GEAC 2006 Anbauversuche erlaubte und 2007 eine erste positive Bewertung abgab, wurde eine zweite Überprüfung in Auftrag gegeben. Deren Ergebnis führte zu dem aktuellen mehrheitlichen Beschluss der GEAC.

Die Kritiker der Bt-Brinjal verweisen auf Fütterungsversuche bei Tieren, die auf Gesundheitsrisiken hindeuten. Zudem monieren sie, dass es in Indien keinerlei Kennzeichnungspflicht für Genfood gebe, und auch kaum Möglichkeiten, eine gentechnische Verunreinigung nachzuweisen. Dadurch könnten sich die Verbraucher bei Zulassung der Gentech-Aubergine nicht mehr frei entscheiden.

Mahyco argumentierte, dass mindestens 25 Studien die Sicherheit der Bt-Aubergine für Mensch und Umwelt belegen würden. Pushpa Bhargava, eines der drei abweichenden GEAC-Mitglieder, hielt dagegen, dass die GEAC diese von Monsanto gelieferten Daten nicht unabhängig habe analysieren lassen. Die unabhängige Studie des französischen Wissenschaftlers Gilles-Eric Seralini hatte die Bt-Auberginen als möglicherweise gesundheitsgefährdend eingestuft.

Ausführlich berichtete das indische Journal Down to Earth im Frühjahr 2009 über die Gen-Aubergine

  • Share/Bookmark

Verhandlungspoker um die Grüne Gentechnik

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 15. Okt. 2009

Die Verhandlungen der künftigen Regierungskoalition zur Grünen Gentechnik kommen nicht voran. Während CDU und FDP die Grüne Gentechnik fördern wollen, lehnt die CSU den Anbau von Gentech-Pflanzen weiter ab. Sie will zumindest jedes Bundesland selbst entscheiden lassen. Nicht nur Umwelt- und Bioverbände mischen sich mit Erklärungen intensiv in die Diskussion ein.

Kaum ein namhafter Umwelt- oder Bioverband ist in den letzten Tagen still geblieben. In zahlreichen Erklärungen forderten die Organisationen die schwarz-gelbe Koalition auf, die gentechnikfreie Erzeugung zu schützen und am Anbauverbot für den Genmais MON 810 festzuhalten. Eine Auswahl:
Bioland: Hände weg vom Gentechnikgesetz
Naturland: Wahlfreiheit der Verbraucher gefährdet
AoeL: Bitte keine Rolle rückwärts!
AbL: Vorfahrt für die gentechnikfreie Landwirtschaft!
Greenpeace: Anbauverbot für Gen-Pflanzen ist nicht verhandelbar
BUND: Aufhebung der Nulltoleranz ist das Ende der Gentechnikfreiheit
NABU: Kein Freifahrtschein für Gentechnik

Doch auch die Gegenseite blieb nicht untätig. In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften dafür ausgesprochen, das Gentechnikgesetz zu schleifen. Sie forderten den Wegfall der Haftungsregelung, die Verheimlichung der Standorte, geringere Sicherheitsabstände, kürzere Anmeldefristen und einen Freibrief für die Auskreuzung nicht zugelassener Gentechnik-Konstrukte aus Experimenten auf Nachbarfelder. Auch die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) forderte bei der grünen Gentechnik einen raschen Politikwechsel in Berlin und Brüssel einzuleiten. Derweil machen sich der Deutsche Bauernverband und die Futtermittelindustrie dafür stark, gentechnisch verunreinigten Futtermittelimporte ins Land zu lassen.

  • Share/Bookmark

Sechs Monate Haft für Feldbefreier

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 15. Okt. 2009

Das Landgericht Gießen hat zwei Feldbefreier zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt, weil sie vor drei Jahren ein Versuchsfeld der Universität Gießen mit Gengerste zerstört hatten. Der bundesweit bekannte Gentechnik-Kritiker Jörg Bergstedt erhielt sechs Monaten Haft ohne Bewährung. Sein Mitstreiter Patrick Neuhaus wurde zu vier Monaten Haft auf Bewährung und 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Beide kündigten an, in Revision zu gehen.

Die Angeklagten hatten sich vor Gericht auf einen rechtfertigenden Notstand nach Paragraph 34 des Strafgesetzbuches berufen. Der erlaubt den Widerstand, wenn Leib und Leben des Täters gefährdet sind. Bergstedt argumentierte, dass eine Gefahr für das Leben gegeben sei, wenn Menschen, weil Lebewesen patentiert werden, verhungern müssten. Ein erwiesenermaßen erhöhter Pestizideinsatz beim Anbau von gentechnisch veränderten Kulturen gefährde zudem die Gesundheit vieler Menschen. Bei der Feldbefreiung handele es sich seiner Ansicht nach um das „mildeste effektive Mittel“ gegen diese Gefahren.

Die Gefahren der Gentechnik seien nicht wegzuwischen, räumte Richter Johannes Nink ein. „Die Unbeherrschbarkeit transgener Pflanzen ist eine Tatsache.“ Für die Angeklagten komme der rechtfertigende Notstand nicht in Frage, weil die unkontrollierte Auskreuzung der Gentechnik auch mit einer Feldbefreiung nicht zu verhindern sei. Entscheidend für das höhere Strafmaß gegen Jörg Bergstedt. sei allerdings im Besonderen dessen Motivlage. Der 45-jährige sei ein „politischer Überzeugungstäter“, der jegliche Herrschaft ablehne und das Ziel verfolge, sich als „Berufsrevolutionär“ darzustellen, zitiert die Giessener Allgemeine den Richter.

Urteil bringt Professor auf die Birke

Sigmar Groeneveld, emeritierter Professor für ökologischen Landbau, bestieg aus Protest eine Birke vor dem Gerichtsgebäude. Aus zehn Meter Höhe richtete er eine Ansprache an Richter, Polizisten und Gentechnikgegner und warf dem Gericht Feigheit vor: „Es hat eine große Chance verpasst.“ Erst um Mitternacht kletterte er wieder hinab.
In einem Interview mit der Zeitung Neues Deutschland forderte Bergstedt, der Widerstand gegen die Gentechnik müsse offensiver und an die Felder und Laborstandorte verlagert werden. „Daumen drücken, im Bioladen einkaufen und grün wählen hat gegen die Gentechnik noch nie geholfen – jetzt ist es klarer denn je.“


Prozessbericht der Projektwerkstatt Saaßen

Bericht auf Indymedia
Bericht der Gießener Zeitung

  • Share/Bookmark

Stärke-Kartoffel ohne Gentechnik

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 9. Okt. 2009

Die Gen-Knolle Amflora von BASF hat Konkurrenz bekommen. Die Emsland Gruppe und der Pflanzenzüchter Europlant haben ohne Gentechnik eine Kartoffel gezüchtet, die wie Amflora nur die Stärkesorte Amylopektin enthält. Die erste Ernte wird jetzt verarbeitet.

Die Emsland Gruppe ist Deutschlands größter Kartoffelstärkeproduzent und nach eigenen Angaben weltweit führend in der Herstellung von Stärkeveredelungsprodukten, Kartoffeleiweiß, Flocken und Granulat. Europlant ist eines der führenden Unternehmen in der Kartoffelzüchtung und hat sich auf die Erforschung und Entwicklung von neuen Kartoffelsorten spezialisiert. Die Produktpalette umfasst mehr als 80 zugelassene Kartoffelsorten. In Bio-Kreisen machte sich die Firma unbeliebt, als sie die alte Kartoffelsorte Linda vom Markt nehmen und eine Nachzucht verhindern wollte.
In Zusammenarbeit mit der Emsland Gruppe hat Europlant nun der Genknolle Amflora einen schweren Schlag versetzt. Die von den beiden Unternehmen entwickelte gentechnikfreie Stärkekartoffel enthält – wie Amflora – „ausschließlich hochviskoses, stabiles Amylopektin und wird in der Nahrungsmittel-, Textil-, Papier, Klebstoff- sowie Baustoffindustrie verwendet.“ Die deutschen Kartoffelstärkehersteller hatten schon vor Jahren signalisiert, dass sie Amflora nicht einsetzen wollen. Sie fürchteten um den Ruf ihrer Produkte, da sie auch Kartoffelstärke für den Lebensmittelbereich herstellen.
Amflora enthält eine Antibiotikaresistenz als Markergen. Aufgrund von Bedenken gegen diese Resistenz ist sie immer noch nicht für den kommerziellen Anbau zugelassen. Durch großzügige Genehmigungen für einen großflächigen Versuchsanbau hat die Bundesregierung in den letzten beiden Jahren der BASF-Knolle über die Runden geholfen. Voraussichtlich vergebens, den angesichts einer marktreifen Alternative wird kaum ein Stärkehersteller mehr auf Amflora setzen.

  • Share/Bookmark

Imker: Bienensterben auch in Argentinien

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 9. Okt. 2009

In Argentinien, dem fünftgrößten Honigproduzenten der Welt, sind letztes Jahr 30 Prozent der Bienenvölker eingegangen. Lucas Martinez, der Vorsitzende des argentinischen Imkerverbandes, macht dafür auch den Anbau von Gensoja verantwortlich.

„Das grosse Problem bei uns ist der massive Anbau von Gensoja. Der verdrängt die Imker immer mehr, vor allem aus der Pampa, wo sie bislang arbeiteten. In den Regionen, wo früher in großem Stil Honig erzeugt wurde, ist jetzt überall Soja-Monokultur. Alle Blumen und Pflanzen, die für Bienen wichtig sind, verschwinden. Unsere Bienen finden zu wenig Nahrung,“ sagte Martinez auf dem 41. Weltkongress der Imker, der Apimondia 2009, im französischen Montpellier. Das Herbizid Roundup reichere sich im Boden an und sorge weiter für karge Flächen, wenn die ausgelaugten Felder schon wieder verlassen wurden. Innerhalb von vier Jahren habe sich der argentinische Honigexport halbiert. Martinez appellierte an die europäischen Imkerkollegen, sich gegen den Einsatz von Gen-Soja als Futtermittel in der EU einzusetzen.

Als eine der wichtigsten Ursachen des weltweiten Bienesterbens benannte auf der Apimondis der französische Biophysiker Marc Bonmatin vom staatlichen Forschungsinstitut CNRS neurotoxische Pestizide. Zu diesen nervengiftigen Wirkstoffen gehört auch Clothianidin, das im vergangenen Jahr 12.000 Bienenvölker in Süddeutschland tötete. Der französische Imkerverband als Organisator der Apimondia appellierte an die verantwortlichen Politiker weltweit, alle bienengiftigen Pestizide sofort vom Markt zu nehmen. Auch bräuchte es strengere und umfassendere Untersuchungen der Gifte, die (wie Bt) von gentechnisch veränderten Pflanzen produziert werden.

  • Share/Bookmark

Deutsche Bank fördert Kleinbauern

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 2. Okt. 2009

Die Forschungsabteilung der Deutschen Bank hat eine Studie zum Thema Welternährung veröffentlicht. Deren Fazit: Die Agrarpolitik muss sich an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit orientieren. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft besitzt eine enorme Bedeutung für die globale Lebensmittelversorgung.

Wie schon der Weltagrarbericht der UNO weist auch die Deutsche Bank auf die Schlüsselrolle hin, die den 500 Millionen Kleinbauern bei der Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung zukommt. Sie fordert einen gerechten Zugang zu Wasser und eine Landreform: „Eine gleichmäßige Verteilung des Landes führt nachweislich zu höherem Wirtschaftswachstum.“ Erschwingliche Kredite durch Mikrofinanzinstitute und die Bildung von Genossenschaften nennt die Bank als weitere notwendige Maßnahmen.

Über den Ökolandbau schreibt die Bank, dass er der „ebenso produktiv sein kann wie die kommerzielle Landwirtschaft, aber sehr viel nachhaltiger ist.“ Vor allem in Afrika sehen die Autoren der Studie gute Chancen: „Der Bioanbau erfordert mehr Arbeitseinsatz, dessen Kosten aber beim Kauf von Stickstoffdünger, Insektiziden und Herbiziden wieder eingespart werden und vor allem in Afrika, wo Arbeit billig und Kapital rar ist, netto zu Einsparungen führt. In Afrika lohnt sich Bioanbau vor allem bei hochwertigen Exportgütern.“

Der Grünen Gentechnik räumt der Bericht zwar ein Potential für Ertragsteigerungen ein. Er weist aber auch darauf hin, dass die Sicherheit von genetisch veränderten Produkten äußerst kontrovers diskutiert werde, zumal es nicht möglich sei, die langfristigen Auswirkungen abzuschätzen. „Ein weiteres zentrales Problem im Zusammenhang mit Genetic Engineering sind die geistigen Eigentumsrechte. Es ist wichtig, dass die Bauern Saatgut aufbewahren und wieder verwenden können, da arme Bauern nicht für jede Aussaat neues Saatgut kaufen können. Dieser Bereich ist so wichtig, dass er nicht ausschließlich dem privaten Sektor überlassen werden kann, der ein Interesse daran hat, den Gewinn für die Anteilseigner zu maximieren.“

  • Share/Bookmark

USA: Obama setzt auf Monsanto

Posted in Allgemeines von Leo Frühschütz am 2. Okt. 2009

US-Präsident Barack Obama hat in den letzten Wochen mehrere wichtige Posten innerhalb seiner Administration mit Gefolgsleuten des Gentechnik-Konzerns Monsanto besetzt. Beobachter überrascht das nicht. Denn US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack hat schon in seiner Zeit als Gouverneur von Iowa die Interessen Monsantos vertreten.

Der frühere Monsanto-Vize-Präsident Michael Taylor dient jetzt der US-Lebensmittelbehörde FDA als oberster Experte für Lebensmittelsicherheit. Taylor ist dort kein Unbekannter. Er war zuerst als Anwalt für Monsanto tätig, bevor er 1991 bis 1994 die Grundsatzabteilung der FDA leitete und bis 1996 im Landwirtschaftsministerium für Lebensmittelkontrollen zuständig war. Danach wechselte er zurück zu Monsanto, wurde dort Cheflobbyist und Vize-Präsident. Im Wahlkampf beriet Taylor Obama in Landwirtschaftsfragen.

Das neugegründete National Institute of Food and Agriculture (NIFA) wird Roger Beachy leiten. Er arbeitete bisher als Präsident des Donald Danforth Plant Science Center, das von Monsanto mit gegründet und finanziert wurde. An der Universität von Washington hatte er zuvor für Monsanto genmanipulierte Tomaten entwickelt. Aufgabe des NIFA ist es, Forschungsgelder des Landwirtschaftsministeriums zu verteilen. Derzeit sind es rund 200 Millionen US-Dollar im Jahr. Beachy will den Betrag in den nächsten drei bis vier Jahren auf 700 Millionen Dollar steigern.

Als oberster Chefunterhändler für alle Agrarfragen hat Obama Islam A. Siddiqui nominiert. Er war bisher Vize-Präsident des Pestizid-Herstellerverbandes CropLife America und dort für Biotechnologie und Handel zuständig. Künftig wird es seine Aufgabe sein, in internationalen Wirtschaftsgremien wie der WTO Handelshindernisse für US-Agrarprodukte aus dem Weg zu räumen.

  • Share/Bookmark