Tagesarchiv für den 29. Februar 2012

 
 

Und er tötet doch! – Neues zur Marienkäferdebatte

Wissenschaftler der ETH Zürich haben frühere Untersuchungen ihrer Kollegen bestätigt: Das von genmanipuliertem Mais wie MON810 gebildete Bt-Toxin Cry1Ab tötet Mareinkäferlarven. Die Forscher um Angelika Hilbeck setzten sich zudem mit der Kampagne auseinander, mit der die Ergebnisse der Kollegen angefeindet worden waren. Sie wiesen nach, dass die von ihren Kritikern verwendeten Testverfahren ungeeignet waren.

2008 hatten Jörg Schmidt und andere ETH-Wissenschaftler (darunter Hilbeck) Marienkäferlarven im Labor mit Futter gefüttert, das Cry1Ab enthielt und festgestellt, dass das Gift diese Nützlingslarven tötet. Die Studie war eine der wesentlichen Begründungen für das 2009 erlassene deutsche Anbauverbot von MON810. Entsprechend heftig wurde sie von gentechnikfreundlichen Wissenschaftlern angegriffen. Den Autoren wurden methodische Fehler und „Pseudo-Wissenschaft“ vorgeworfen. Eine andere Schweizer Studie verkündete, dass es keine negativen Effekte von Cry1Ab auf Marienkäferlarven gebe.

Hilbeck und ihre Kollegen haben nun den Versuch von Schmidt wiederholt und dabei einige der angebrachten Kritikpunkte berücksichtig. Das Ergebnis blieb gleich. Die Sterblichkeit der Larven, die Cry1Ab erhielten, war signifikant höher als die der Kontrollgruppe. Darüber hinaus zerlegten die ETH-Wissenschaftler die andere Schweizer Studie. Deren Autoren hatten nicht den Versuch von Schmidt wiederholt – was wissenschaftlich korrekt gewesen wäre –, sondern hatten ein völlig anderes Testverfahren verwendet, bei dem die Tiere das vergiftete Futter nur über 24 Stunden aufnahmen und sich dann erholen konnten. Hilbeck und Kollegen nahmen dieses Testverfahren und wendeten es bei den Larven des Maiszünslers an, für die das Gift des Bt-Maises eigentlich gedacht ist. Das Resultat: Der Test zeigte keine Wirkung, die Maiszünslerlarven waren weiterhin quicklebendig.

Lesenswert: Der Bericht von Science Daily über die Kontroverse.

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Gentechnik-Raps darf vernichtet werden

Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hat entschieden, dass der ungenehmigte Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen auch dann zu beenden ist, wenn dem Landwirt bei der Aussaat die Verunreinigung des Saatguts nicht bekannt war (Az.: BVerwG 7 C 8.11).

Der Hintergrund der Entscheidung: 2007 hatten Bauern in mehreren Bundesländern Raps ausgesät, der in geringen Mengen gentechnisch verändertes Saatgut enthielt. Nachdem bei amtlichen Stichproben die Verunreinigung festgestellt worden war, erließen die Bundesländer Anordnungen, dass der Raps unterzupflügen sei. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof war jedoch der Auffassung, dass die Behörden zu derartigen Maßnahmen nicht befugt seien, weil die unbewusste Aussaat von gentechnisch veränderten Organismen kein Verstoß gegen das Gentechnikgesetz sei.

Das BVerwG stellte nun abschließen klar, dass jegliches Ausbringen von genetisch veränderten Organismen ohne die erforderliche Genehmigung verboten ist, selbst wenn dieses unwissentlich geschieht. Gleichzeitig teilte das oberste Gericht mit: „Die amtlichen Untersuchungsergebnisse sind trotz der Schwierigkeiten einer Analyse an der Nachweisgrenze eine taugliche Grundlage“ um eine Verunreinigung festzustellen. Nicht nur in diesem Fall hatte es Streit gegeben, weil betroffene Saatgutunternehmen keine Verunreinigung festgestellt und deshalb die Behördenmessungen angezweifelt hatten.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) begrüßt die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. „Für Landwirte, Verbraucher und die Umwelt ist das Urteil von erheblicher Bedeutung, weil es die Kontamination von Saatgut und somit auch den unkontrollierten Anbau nicht sicherheitsgeprüfter Gentech-Pflanzen verhindert“, so BÖLW-Vorstandsvorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein.

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