Enthüllung: Wie Syngenta gegen Pestizidkritiker vorgeht

Der Schweizer Chemiekonzern Syngenta hat mit einer millionenschweren Kampagne Experten gekauft und versucht, Kritiker seines Pestizids Atrazin in den USA mundtot zu machen. Das enthüllte das Journalistenportal 100Reporters und stellte die Belege dafür ins Netz.
Das Herbizid Atrazin ist in Deutschland und der EU seit langem verboten, weil es das Grundwasser belastet. Auch in den USA tauchte das Herbizid in zahlreichen Trinkwasserbrunnen auf. 2004 begann ein Prozess, in dem über 1000 kommunale Wasserwerke aus sechs US-Staaten Entschädigung von Syngenta verlangten. Erst 2012 einigten sich die Parteien in einem Vergleich darauf, dass der Konzern 105 Millionen US-Dollar an die Wasserwerke zahlt. Atrazin ist in den USA weiterhin erlaubt, die Umweltbehörde EPA will jedoch die Zulassung überprüfen.
100Reporters erstritt sich nach dem Prozess Einsicht in die Gerichtsakten nach dem Freedom of Information Act und stieß auf Hunderte von Dokumenten, die detailliert belegen, wie Syngenta versuchte, den Prozess zu beeinflussen. So ließ der Konzern mögliche Schwachstellen eines Richters ausforschen. Auch auf Mitglieder der Kommission, die die EPA zu Pestiziden berät, wurden Detektive angesetzt.
Besonders ins Visier nahm Syngenta den Berkeley-Professor Tyrone Hayes. Er hatte in einer Studie nachgewiesen, dass Atrazin hormonelle Wirkungen hat und männliche Frösche zum Eierlegen brachte. Ursprünglich hatte er die Forschung 1997 mit Unterstützung des Syngenta-Vorgängers Novartis begonnen. Weil der Konzern ihm verbot, die Ergebnisse zu veröffentlichen, wiederholte er die Frösche-Studie mit anderen Geldgebern, publizierte sie und wurde zu einem engagierten Atrazin-Kritiker.
Syngenta hatte ein psychologisches Profil des Professors erstellen lassen, schickte zu seinen Auftritten geschulte Gegenredner und diskutierte darüber, ob man ihn kaufen oder seine familiären Verhältnisse untersuchen sollte. In einem Memo gibt die damalige Kommunikationschefin des Unternehmens das Ziel vor, Hayes in Skandale zu verwickeln, um seien Glaubwürdigkeit zu erschüttern.
Zahlreiche Belege dokumentieren, wie Syngenta nach außen hin unabhängige Wissenschaftler und Organisationen für positive Stellungnahmen über Atrazin zahlte. Eine Liste solcher Experten umfasste 130 Namen. Die Texte wurden von Syngenta überarbeitet, bevor sie erschienen. Allein 100.000 Dollar gab der Konzern aus, damit eine Organisation sich kritisch mit der Arbeit eines Journalisten der New York Times auseinandersetzte.

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