Die Zika-Angst macht’s möglich: USA wollen Test mit Gentech-Mücken in Florida erlauben

Die US-amerikanische Behörde FDA hat eine vorläufige Einschätzung veröffentlicht, wonach ein Feldversuch mit genmanipulierten Moskitos in Florida weder Menschen noch Umwelt schädigen würde. Geplant hat den Feldversuch der Florida Keys Mosquito Control District in Zusammenarbeit mit der britischen Firma Oxitec. Deren Mückenmännchen sind so manipuliert, dass die aus einer Paarung entstehenden Nachkommen noch als Larven absterben. Durch die Freisetzung solcher Männchen sollen krankheitsübertragende Moskitopopulationen dezimiert werden. Erprobt wurden die Oxitec-Moskitos in der Karibik. 2014 erlaubte Brasilien den ersten kommerziellen Einsatz als Mittel gegen das grassierende Dengue-Fieber. Nach ersten Auswertungen ging zwar die Zahl der Moskitos der Art Aedes aegypti zurück, die Fälle von Dengue-Fieber jedoch nicht.

Inzwischen hat in Brasilien jedoch das Zika-Virus Dengue-Fieber als Problem verdrängt. Auch dieser Virus wird durch Aedes aegypti übertragen und soll bei Schwangeren die Ungeborenen schädigen. Die Kinder kommen dann mit viel zu kleinen Köpfen auf die Welt (Microcephalie). Aufgrund einer starken Zunahme solcher Missbildungen in Brasilien in den letzten beiden Jahren ist das Zika-Virus weltweit in die Schlagzeilen geraten und wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite” eingeordnet. Von Oxitec wird diese Angst vor dem Zika-Virus geschickt ausgenutzt, um Versuche mit GMO-Moskitos voranzutreiben, wie die Washington Post berichtet.

Derweil mehren sich vor allem unter südamerikanischen Wissenschaftlern und Ärzten Stimmen, die bezweifeln, dass das Zika-Virus und die Moskitos die alleinige Schuld an der Zunahme missgebildeter Neugeborener tragen. So wies die argentinische Ärzteorganisation Reduas in einem Report darauf hin, dass frühere Zika-Epidemien nicht zu mehr Fehlbildungen geführt hätten. Sie vermuten, dass die Ursache für die steigenden Fallzahlen das Pestizid Pyroproxyfen ist, das dem Trinkwasser zugefügt wird und Moskitolarven abtöten soll, die sich in Trinkwasserreservoirs tummeln. Hergestellt wird das Gift von der japanischen Firma Sumitomo Chemicals, die in Südamerika eng mit Monsanto zusammenarbeitet. Als Claire Robinson vom Online-Dienst GMO-Watch auf den argentinischen Bericht hinwies, brach ein Sturm der Entrüstung über gentechnikkritische Verschwörungstheorien los. Doch viele Wissenschaftler sind zurückhaltender. Die Virusexperten des bundeseigenen Robert-Koch-Instituts etwa schreiben, dass einige Zusammenhänge noch nicht verstanden seien. „Die Rolle möglicherweise wichtiger Ko-Faktoren ist unklar.“ Leslie Lobel, einer der weltweit führenden Virusforscher, warnte im britischen Guardian vor Panikmache gegenüber dem Zika-Virus und sagte, es sei sehr wahrscheinlich, dass auch Pestizide in die Mißbildungsfälle verwickelt seien.

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