Archiv der Kategorie ‘Allgemeines‘

 
 

EU-Kommission will Opt-out-Regelung auch für Importe

Die EU-Kommission will es den Mitgliedsstaaten ermöglichen, den Import von Gentech-Pflanzen zu verbieten, die von der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen sind. Ein bisher nur intern diskutierter Vorschlag dazu findet sich im Netz. Die Agrarlobby läuft Sturm gegen den Vorschlag, Auch Gentechnikkritiker sind skeptisch.

Die Kommission will regeln, dass einzelne Mitliedsstaaten nicht nur den Anbau, sondern auch den Import zugelassener GVO verbieten können. Eine solche Opt-out-Regelung für Importe dürfe sich aber nicht auf Gesundheits- und Umweltaspekte stützen, heißt es in dem Vorschlag. Welche anderen rechtlichen Belange einen nationalen Opt-out stützen könnten, sagt die Kommission nicht. Sie spricht lediglich davon, dass der Mitgliedsstaat einzelfallbezogen darlegen müsse, inwieweit eine Untersagung des Imports im öffentlichen Interesse liege.

Ein nationales Verbot, dass sich auf eine solche Regelung stützen würde, hätte juristisch keine Chance, kritisierte die Umweltorganisation Friends of Earth. Sie erinnerte daran, dass Kommissionschef Juncker versprochen hatte, das EU-Zulassungsverfahren selbst zu verbessern und zu demokratisieren. Die britische Zeitung The Guardian setzte Junckers Vorstoß in Beziehung zu den anstehenden Importzulassungen für insgesamt 17 GVO. Die USA hätten im Zuge der TTIP-Verhandlungen den Druck erhöht, die Zulassungsprozedur für GVO-Einfuhren zu beschleunigen, heißt es in dem Artikel. Die Zulassungen sollen spätestens bis Ende Mai erteilt werden.
Der Grain Club, dem acht deutsche Agrarlobbyverbände angehören, sieht durch den Vorschlag der Kommission den EU-Binnenmarkt bedroht. Er „warnt eindringlich vor den dramatischen Konsequenzen für die Agrar- und Ernährungswirtschaft.“ Das Vorhaben widerspreche den Grundsätzen des freien EU-Binnenmarktes und untergrabe die Kompetenzen der EU-Lebensmittelbehörde EFSA.

Eine offizielle Entscheidung der Kommission soll in den nächsten Wochen fallen.

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Neue Studie: Gentech-Mais ist wetterfühlig

Der Gehalt an insektengiftigem Bt-Toxin in genmanipuliertem Mais MON810 ist wetterabhängig. Das haben Wissenschaftler aus der Schweiz und Norwegen festgestellt. Sie hatten zwei verschiedene Mais-Sorten mit MON810-Erbgut in Klimakammern angebaut und sie verschiedenen Stressfaktoren wie Hitze, Kälte, Trockenheit und Feuchtigkeit ausgesetzt. Laut der Studie wurde auf diese Weise zum ersten Mal gemessen, wie wechselnde Umweltbedingungen die biologische Aktivität des zusätzlich eingeführten Gens und den Gehalt an Bt-Toxin beeinflussen.

Die in der Fachzeitschrift Plos One veröffentlichte Ergebnisse sind überraschend. Bereits unter optimalen Klimabedingungen wiesen die zwei Sorten deutlich unterschiedliche Bt-Gehalte in ihren Blättern auf. Bei stressigen Klimabedingungen wurden die Unterschied noch größer. Bei einer Sorte vervielfachte sich der Gehalt an Insektengift bei Kälte und Feuchtigkeit, bei der anderen nicht. Die Aktivität des in die Pflanzen eingebauten Gen-Konstrukts war bei Hitze und Trockenheit bei einer Sorte signifikant vermindert. Trotzdem nahm wieder Erwarten der Gehalt an Bt-Toxin nicht ab. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass der Bt-Gehalt nicht nur durch die Aktivität des Gen-Konstrukts bestimmt wird, sondern auch vom genetischen Hintergrund der jeweiligen Maissorte abhängt. Unter stressigen Bedingungen ist der Gehalt an Bt-Proteinen sogar noch schwieriger vorherzusagen“, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Fazit.

Der Verein Testbiotech hat diese Forschungsarbeit unterstützt. Für Geschäftsführer Christoph Then sind die Ergebnisse ein weiterer Beleg dafür, dass die Grundlagen der derzeitigen Risikobewertung nicht ausreichen. Um eine mögliche Gefährdung von Mensch und Umwelt exakter beurteilen zu können, würden verlässliche Daten über den Bt-Gehalt in den Pflanzen benötigt. Weil es diese offensichtlich nicht gebe ist für Then klar: „Weitere Anträge auf Marktzulassung gentechnisch veränderter Pflanzen, die Insektengifte produzieren, sollten ausgesetzt werden.“

Ein ausführliches Hintergrundpapier von Testbiotech

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USA: Siegeszug der Neonics auf den Gentech-Feldern

In den USA werden seit 2003 immer mehr Maiskörner und Sojabohnen ausgesät, die zuvor mit Neonicotinoiden gebeizt wurden. Das ergab eine Studie von Insektenforschern der Universität von Pennsylvanien. Demnach wuchsen 2011 auf 34 bis 44 Prozent aller Sojafelder und 79 bis 100 Prozent aller Maisäcker Pflanzen aus neonic-gebeiztem Saatgut. Diese sehr bienengiftigen Insektizide werden von den Pflanzen während ihres Wachstums aus dem Samen in Blätter, Blüten und Pollen eingebaut. In der EU sind einige der Wirkstoffe für bestimmte Anwendungen derzeit verboten, wegen ihrer Auswirkung auf Nützlinge.

Die Autoren der Studie weisen eigens darauf hin, dass dieser erst 2003 (Mais) bzw. 2005 (Soja) begonnene Einsatz von Neonicotinoiden alle Studien konterkariert, die behaupten, in den letzten Jahren hätte sich durch den Anbau von genmanipuliertem Bt-Mais der Einsatz von Pestiziden auf Maisäckern verringert. Diese Arbeiten hätten das gebeizte Saatgut und dessen Wirkung gegen Insektenbefall schlicht nicht einbezogen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Anwendung von Neonicotinoiden zur Beize von Mais und Soja zu einem massiven Anstieg der mit Insektiziden behandelten Ackerflächen in den USA geführt hat“, heißt es in der Mitteilung der Universität.

Die Wissenschaftler stellen fest, dass der präventive Einsatz von Neonics als Beize ohne Beachtung des tatsächlichen Schädlingsbefalls den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) widerspricht. Sie befürchten, dass der Einsatz von Neonics als Beize sich in den USA weiter ausbreitet. Dabei hätten einige Studien gezeigt, dass sich mit zielgerichteten Maßnahmen der Einsatz von Neonics zurückfahren lasse ohne dass dies die Ernteergebnisse beeinträchtige oder den Farmern Einbußen brächte.

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IFOAM: Ein Anbauverbot ist der beste Schutz vor Verunreinigungen

Der Öko-Dachverband IFOAM hat in einem Dossier dargestellt, welche Maßnahmen die einzelnen EU-Mitglieder ergriffen haben, um gentechnische Verunreinigungen zu vermeiden und die Koexistenz zu sichern. Das Fazit der Untersuchung: „Anbauverbote sind zweifellos die kostengünstigste Möglichkeit, die ökologische und gentechnikfreie Landwirtschaft vor Verunreinigungen zu schützen.“

Laut IFOAM haben 15 der 28 EU-Mitglieder gesetzlicher Regelungen zur Sicherung der Koexistenz erlassen. In 13 Ländern fehlen sie. Allerdings haben einige dieser Länder ein Anbauverbot erlassen oder andere Regelungen getroffen, die den Einsatz von genmanipulierten Pflanzen betreffen. In Österreich etwa haben die Bundesländer dies geregelt. In Frankreich gibt es zwar ein Rahmengesetz zur Koexistenz, allerdings fehlen die Details wie Mindestabstände. Völlig ungeregelt ist der GVO-Anbau in Großbritannien, Irland, Spanien, den Niederlanden, Finnland, Estland und Kroatien.

Zu den gängigsten Koexistenzregelungen gehören Mindestabstände, zeitverschobener Anbau, Getrennthaltungsvorgaben, Standortregister, aber auch spezielle Ausbildungsnachweise für Gentech-Bauern. Die Mindestabstände reichen bei Mais von 5 bis zu 600 Metern. In Bulgarien ist der Anbau in der Nähe von Naturschutzgebieten in einem Umkreis von 30 Kilometern verboten. Einige Länder wie Frankreich haben strenge Haftungsregeln für Verunreinigungsfälle erlassen. In Portugal soll ein Fonds Schäden abdecken, der mit einer Abgabe auf GVO-Saatgut gefüllt wird. Ausführlicher dargestellt werden die Regelungen in Spanien, Polen, Rumänien, Deutschland und Österreich. Der Report macht auch deutlich, welche Kosten solche Maßnahmen für die gentechnikfrei wirtschaftenden Unternehmen verursachen.

Der IFOAM-Bericht schließt mit Empfehlungen für die EU-Ebene und die einzelnen Mitgliedsstaaten. Sie reichen von der Aufforderung, keine weiteren GVO für Anbau oder Import zuzulassen bis hin zur verpflichtenden Kennzeichnung tierischer Lebensmittel. Staaten, die nationale Anbauverbote ablehnen, sollten zumindest detaillierte Koexistenzregelungen erlassen

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EU-Forschungsprojekt: Koexistenz ist kein Problem

Das EU-Forschungsprojekt PRICE kommt zu dem Ergebnis, dass ein Nebeneinander von GVO-Anbau und gentechnikfreier Landwirtschaft durchaus möglich sei. Die dafür in der EU und ihren Mitgliedsstaaten vorgesehenen Regelungen seien gut umsetzbar, heißt es in einer Mitteilung der Forscher.

Der Projektleiter Justus Wesseler von der TU München beschreibt darin die Datengrundlage so: „In unseren zweijährigen Versuchen auf kleinen Flächen in Spanien haben wir zwei Maßnahmen überprüft. Zum einen Pufferzonen zwischen GV- und Nicht-GV-Feldern, zum anderen unterschiedliche Aussaatzeiten, um zu vermeiden, dass die Pflanzen zur gleichen Zeit blühen.“ In Deutschland, Tschechien und Spanien hätten zudem Versuche mit Mais stattgefunden, der keine Pollen produziere. Außerdem hatten die Forscher knapp 1500 Landwirte in Deutschland, Spanien, Portugal und Großbritannien zum Thema Koexistenz befragt.
Wesselers Fazit: „Dank PRICE können wir belegen, dass die Koexistenz von GV- und Nicht-GV-Lebensmitteln im Rahmen der EU-Gesetzgebung funktioniert. Niedrigere Grenzwerte oder strengere Auflagen würden aus unserer Sicht Engpässe im Futtermittelbereich nach sich ziehen.“

Kein gutes Haar lässt die Organisation Testbiotech an der Studie. Sie wirft den Forschern vor, dass sie ihre Untersuchungsergebnisse aus Portugal verschwiegen hätten. Dabei hätte PRICE zum Teil erhebliche Kontamination mit Gentechnik-Mais in Backwaren festgestellt. „Sie beprobten 16 Brote aus sieben Regionen. Alle waren mit Gentechnik-Mais MON810 und NK603 belastet. Zum Teil betrug der Gentechnikanteil rund zehn Prozent“, schreibt Testbiotech. Dessen Geschäftsführer Christoph Then wertet die PRICE-Mitteilung als Propaganda: „Anstatt die Öffentlichkeit über die Kontaminationen durch Gentechnik-Mais zu informieren, beruft man sich lieber auf Anbauversuche und Computermodelle, nach denen es gar keine Probleme geben sollte.“ Then hält Projektleiter Wesseler vor, dass er Mitglied in verschiedenen industrienahen Organisationen sei und 2014 in einer Studie zum Thema Golden Rice Gentechnikkritiker für den Tod von 1,4 Millionen Menschen in Indien verantwortlich gemacht habe.
„Wir sehen leider immer wieder das gleich Muster: Die Industrie versucht mit allen Mitteln, Einfluss auf die öffentliche Meinung zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft zu nehmen. Und die EU-Kommission finanziert das auch noch mit Steuergeldern“, kritisierte Christoph Then.

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EPA bestätigt Patente auf Tomaten und Brokkoli

Das Europäische Patentamt (EPA) hat endgültig die umstrittenen Patente auf Tomaten und Brokkoli für zulässig erklärt. Die Große Beschwerdekammer des Amtes stellt klar, dass Patente auf Pflanzen und Tiere, die konventionell gezüchtet sind, weiterhin erteilt werden dürfen – obwohl laut Gesetz die Patentierung von Verfahren zur konventionellen Züchtung verboten ist.

In den seit über zehn Jahren andauernden Verfahren geht es um Brokkoli mit einem erhöhten Gehalt an Glucosinaten und um eine Tomatensorte mit geringem Wassergehalt. Bei deren an sich konventionellen Züchtung setzten die Unternehmen so genannte genetische Marker ein, um die gewünschte Eigenschaft im Erbgut zu identifizieren. Sie ließen sich jedoch nicht nur das Marker-Verfahren patentieren, sondern sämtliche Pflanzen mit der erwünschten Eigenschaft.

Die internationale Koalition Keine Patente auf Saatgut! kritisierte die Grundsatzentscheidung des EPA scharf. „Das EPA hat den Weg für Konzerne wie Monsanto und Syngenta geebnet, die Kontrolle über die Grundlagen unserer Ernährung zu übernehmen. Wir fordern die europäischen Regierungen auf, jetzt politisch Druck auf das Europäische Patentamt auszuüben, um diese Praxis sofort zu stoppen“, sagte Christoph Then, der Koordinator des Bündnisses. Er rügte, dass die Bundesregierung bislang untätig geblieben sei. „Wir appellieren an den zuständigen Bundesjustizminister Heiko Maas, jetzt so rasch wie möglich eine Initiative im Verwaltungsrat des Europäischen Patentamtes zu starten.“

Der Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft nannte die EPA-Entscheidung verheerend. „Züchter und Landwirte brauchen den freien Zugriff auf die genetische Vielfalt aller Pflanzensorten und Tierrassen. Das bestehende Sortenschutzrecht reicht völlig aus, um die geistige Leistung zu schützen“, sagte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein. Das sieht auch der Bund der Deutschen Pflanzenzüchter (BDP) so. Das Patentrecht werde durch die Entscheidung über den Bereich der technischen Erfindungen hinaus, für die es eigentlich vorgesehen sei, unangemessen ausgedehnt, argumentierte BDP-Geschäftsführer Carl-Stephan Schäfer: „Durch diesen Schritt sehen wir Innovation in der Züchtung und Zugang zu genetischer Diversität gefährdet“.

Laut einem Bericht von Keine Patente auf Saatgut! hat das EPA bereits 2400 Patente auf Pflanzen und 1400 Patente auf Tiere erteilt habe. Tausende weiterer Patenanträge seien eingereicht. 120 der erteilten Patente beträfen die konventionelle Züchtung.

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WHO: Glyphosat ist „wahrscheinlich krebserregend“

Das Internationale Krebsforschungszentrum (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO hat die bisher vorhandenen Forschungsarbeiten zu Glyphosat bewertet und das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Es gebe „begrenzte Belege“ dafür, dass Glyphosat Lymphdrüsenkrebs beim Menschen auslöse sowie „überzeugende Belege“ dafür, dass der Wirkstoff bei Labortieren wie Mäusen und Ratten Krebs verursache. Die Mitteilung des IARC wurde in der britischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht und hat für Aufsehen gesorgt. Schließlich handelt es sich um das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid. Umweltschützer forderten in der taz ein vorsorgliches Verbot von Glyphosat.

In der EU steht in diesem Jahr die Neuzulassung von Glyphosat an. Die grundlegende Bewertung dafür hat das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung 2013 erarbeitet und dem Herbizid darin einen von Umweltschützern stark kritisierten Persilschein ausgestellt. In einer ersten Stellungnahme schreibt das BfR, die Einstufung des IARC sei „auf Basis der vorliegenden Informationen wissenschaftlich schlecht nachvollziehbar und offenbar nur mit wenigen Studien belegt. Die Entscheidung der IARC kann jedoch nicht abschließend beurteilt werden, da die finale IARC-Monographie, in der die Entscheidung ausführlicher begründet werden wird, noch nicht vorliegt.“
Die Süddeutsche Zeitung zitiert den zuständigen BfR-Abteilungsleiter mit den Worten, man habe vor Kurzem 150 neue und 900 ältere publizierte Studien zu Glyphosat ausgewertet. Darunter seien auch diejenigen Studien gewesen, die jetzt in Lancet als Beleg für die Gefährlichkeit von Glyphosat angeführt würden. „Das Ergebnis war, dass Glyphosat für Menschen nicht krebserregend ist. Die Schlussfolgerung der WHO ist für uns nicht nachvollziehbar“. Ähnlich argumentiert Monsanto: „Jede Studie, die das IARC verwendet hat, wurde bereits von Zulassungsbehörden bewertet – zuletzt durch deutsche Behörden im Auftrag der EU.“

Dass Glyphosat entgegen allen amtlichen Beurteilungen Erbgut und Embryonen schädigt, ist ebenfalls seit Jahren ein Thema. Am deutlichsten treten diese Folgen in Argentinien auf, wo das Herbizid im großen Stil von Flugzeugen über Felder und Menschen gesprüht wird. Der TV-Journalist Andreas Rummel war mit seinem Team 18 Tage in Argentinien unterwegs. Was er dort gesehen und erlebt hat, schildert der Dokumentarfilm „Tote Tiere, kranke Menschen“ am Dienstag, den 31. März, um 21 Uhr 15 auf Arte.

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Länderminister fordern vom Bund ein einheitliches Anbauverbot

Auf der Agrarministerkonferenz (AMK) letzte Woche in Bad Homburg haben die Bundesländer den Gesetzentwurf von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt für Anbauverbote von Gentechnikpflanzen abgelehnt. Schmidt will die Umsetzung solcher – nach EU-Regeln jetzt erlaubter – Anbauverbote den Bundesländern übertragen. Sein Ministerium begründet dies mit der Rechtssicherheit: „Je genauer ein Opt out auf die Besonderheiten vor Ort abstellt, desto eher wahrt es die Verhältnismäßigkeit und hat damit vor Gericht Bestand.“ Schmidts Vorstoß stieß bei Bio- und Umweltverbänden auf massive Ablehnung. Sie überreichten kurz vor Beginn des Ministertreffens 335.000 Unterschriften, die eine bundeseinheitlich Regelung forderten.

Die Bundesländer forderten auf der AMK erneut den Bund eindringlich auf, die Verantwortung nicht auf die Bundesländer abzuschieben „Ein länderbezogenes Verbot wie es Bundesagrarminister Schmidt wiederholt vorgeschlagen hat, ist aus Sicht der AMK nicht vertretbar. Dies führt zu einem Flickenteppich von Ländern in denen GVO angebaut wird und solchen in denen das nicht geschieht“, erklärte die AMK-Vorsitzende und hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz. Der Bund sei aufgefordert worden, eine bundesweite Regelung mit den Bundesländern zusammen zu ermöglichen.
Auch andere Länderminister griffen das Thema in ihren Bilanz-Mitteilungen zur AMK auf. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer warnte: „Ein Gentechnik-Flickenteppich, bei dem möglicherweise in Sachsen-Anhalt Genpflanzen angebaut werden dürften und in Niedersachsen nicht, wäre eine große Gefahr für den Erhalt einer gentechnikfreies Landwirtschaft.“ Schmidts CSU-Parteikollege Helmut Brunner, bayerischer Landwirtschaftsminister, sprach von einem „klaren Signal der Länderminister nach intensiven Diskussionen mit dem Bund“. Dies ist eine übliche Formulierung dafür, dass es deutliche Meinungsverschiedenheiten gab und die Standpunkte sich nicht angenähert haben.

Als nächstes ist nun Bundesumweltministerin Barbara Hendricks am Zug. Denn nun müssen im Rahmen der Ressortabstimmung die anderen Bundesministerien zu Schmidts Entwurf Stellung beziehen. Bisher hat sich Hendricks klar für ein nationales Verbot ausgesprochen Das sei wichtig, um Rechtssicherheit zu bekommen. „Wenn wir ein gesplittetes Anbauverbot haben, würden wir unglaublich viele Rechtsstreitigkeiten haben“, zitierte sie euroactiv.de. Schmidts Gesetzesvorschlag sei „nur ein erster Arbeitsentwurf“.

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EU veröffentlicht die Opt-out-Regelung

In ihrem Amtsblatt hat die EU die Regelung veröffentlicht, die es den Mitgliedsstaaten erlaubt, nationale Anbauverbote zu erlassen. Sie tritt Anfang April in Kraft. Die Richtlinie (EU) 2015/412 fügt in den Artikel 26 der Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG einige Ergänzungen ein. Sie beschreiben die Anforderungen, die ein nationales Anbauverbote erfüllen muss und das genaue Prozedere.
Demnach kann ein Mitgliedstaat „Maßnahmen erlassen, um in seinem gesamten Hoheitsgebiet oder in Teilen davon den Anbau eines GVO oder einer Gruppe von nach Kulturpflanzen oder Merkmalen festgelegten GVO“ nach der Zulassung beschränken oder untersagen. Das bedeutet, ein gibt kein pauschales verrbot gegen alle GVO, sondern es muss sich aus einzelne Pflanzen, einzelne Arten oder bestimmte Gen-Manipulationen beziehen. Möglich wäre es also, alle gentechnisch veränderten Rapssorten zu verbieten oder alle Pflanzen, die Bt-Toxine produzieren.
Allerdings sieht die Richtlinie vor, dass „diese Maßnahmen im Einklang mit dem Unionsrecht stehen und begründet, verhältnismäßig und nicht diskriminierend sind und sich zudem auf zwingende Gründe stützen.“ Als Beispiele für solche zwingenden Gründe listet die Regelung auf:
„a) umweltpolitische Ziele;
b) Stadt- und Raumordnung;
c) Bodennutzung;
d) sozioökonomische Auswirkungen;
e) Verhinderung des Vorhandenseins von GVO in anderen Erzeugnissen unbeschadet des Artikels 26a;
f) agrarpolitische Ziele;
g) öffentliche Ordnung.“
Diese Gründe können einzeln (außer g)) oder zusammen aufgeführt werden. Je nach „den besonderen Gegebenheiten in dem Mitgliedstaat.“

Wie dies rechtssicher umgesetzt werden kann, darüber diskutieren gerade Bundeslandwirtschaftminister Schmidt und seine Kollegen aus den Bundesländern auf der Agrarministerkonferenz. Mehr dazu am Montag.

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Gentechnik in London: Vorsorge ist unbritisch

Der Wissenschaftsausschuss des britischen Unterhauses hat einen Bericht zur Agro-Gentechnik veröffentlicht. Er kommt zu dem Schluss, dass die EU-Regelungen zur Gentechnik mit ihrem Vorsorgeprinzip den Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen in Großbritannien verhindern und deshalb ersetzt werden sollen. Auch die britische Regierung setzt sich vehement für mehr Gentechnik auf den Äckern ein.

Das im EU-recht verankerte Vorsorgeprinzip sei sinnvoll für Fälle, in denen die vorliegenden wissenschaftlichen Daten unzureichend oder widersprüchlich seien, argumentiert der Ausschussvorsitzende Andrew Miller und behauptet: „Es ist wissenschaftlich eindeutig belegt, das gentechnisch veränderte Pflanzen kein größeres Risiko für Menschen, Tiere und Umwelt bedeuten als konventionell gezüchtete Pflanzen.“ Das EU-Recht erlaube es gentechnik-kritischen Mitgliedsstaaten das Wachstum der Agro-Gentechnik in andern Ländern zu blockieren. „Das hat die Forschung aus der EU vertrieben und gefährdet die Fähigkeit Großbritanniens eine führende Rolle in der modernen Agrartechnik zu spielen.“ Die von der EU beschlossene Opt-out-Regelung sieht Miller als einen Fortschritt, weil dadurch die Blockadehaltung gentechnikkritischer Staaten aufgeweicht werde. Notwendig sei jedoch eine Regelung, die es einzelnen Mitgliedsstaaten erlaube, Gentechnik-Pflanzen für den Anbau zuzulassen, sobald sie die Risikoabschätzung der EFSA durchlaufen hätten.

Kein gutes Haar an dem Bericht lassen die britischen Gentechnik-Kritiker. Claire Robinson von GMWatch wirft dem Ausschuss vor, sämtliche Studien ausgeblendet zu haben, die schädliche Auswirkungen etwa von Bt-Mais auf Schmetterlinge und andere Nützlinge belegen würden. Statt dessen berufe sich der Bericht auf überholte und widerlegte Daten.

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