Archiv der Kategorie ‘Allgemeines‘

 
 

Gentech-Mücken und Gentech-Lachs lassen Börsenkurse fallen

Eine Marktanalyse hat den Aktienkurs der US-amerikanischen Biotechnologie-Firma Intrexon um 25 Prozent fallen lassen. Eine Anwaltskanzlei droht mit Sammelklagen wegen fehlerhafter Informationen gegenüber den Anlegern und Gentechnik-Aktivisten werten die Vorgänge als Erfolg. Denn sie kämpfen schon seit Jahren gegen die Produkte, die Intrexon über seine Tochterfirrmen vermarkten will. Zu Intrexon gehören die Unternehmen Oxitec (genmanipulierte Moskitos), Okanagan Speciality Fruits (Arctic Apple) und Aquabounty (genmanipulierter Lachs).
Die Marktforscher von Spotlight Research veröffentlichten ab 21. April mehrere Analysen, in denen sie Intrexon vorwarfen, seit 17 Jahren kein wirtschaftlich erfolgreiches Produkt auf den Markt gebracht zu haben. Das Unternehmen generiere die Hälfte seiner Umsätze durch Geschäfte mit verbundenen Unternehmen und den Rest durch den Verkauf von Rindern über eine weitere Tochterfirma. Der wahre Wert des Unternehmens sei minimal im Vergleich zum derzeitigen Börsenwert von 4,5 Milliarden US-Dollar. Seit Anfang des Jahres hatte sich der Börsenkurs von Intrexon aufgrund der Nachrichten über das von Mücken verbreitete Zika-Virus nahezu verdoppelt.
Intrexon wies diese Vorwürfe zurück. Der Bericht von Spotlight sei inhaltlich falsch und irreführend. Dessen Basis seien Behauptungen eines Hedgefonds, der auf fallende Intrexon-Kurse gesetzt habe. Man sei Ziel einer Kampagne, die den Handel mit Intrexon-Aktien manipulieren und das Unternehmen diskreditieren wolle. Trotz des Dementis des Unternehmens sei der Bericht bei einigen Analysten auf Zustimmung gestoßen, berichtete das Portal gmwatch.org.
Die von Spotlight veröffentlichten Analysen führten dazu, dass die Anwaltskanzlei Bronstein, Gewirtz & Grossman eigene Untersuchungen ankündigte, die gegebenenfalls in einer Sammelklage wegen Verstoßes gegen Börsenvorschriften münden könnten. Die Kanzlei ist spezialisiert auf solche Fälle, zur Zeit untersucht sie auch potentielle Verstöße der Deutschen Bank.

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Unverändert kritisch: Drei Viertel der Deutschen lehnen Agro-Gentechnik ab

Drei Viertel der Deutschen finden, dass der Mensch kein Recht habe, Pflanzen und Tiere gezielt gentechnisch zu verändern. Dementsprechend wünschen sie, dass gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft verboten werden. Das ergab die Naturbewusstseinsstudie 2015 des Bundesumweltministeriums, für die repräsentativ ausgewählte 200 Bundesbürger befragt wurden.
79 Prozent von ihnen lehnten es ab, „dass viele unserer Nutztiere mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden.“ Umgekehrt hatte gerade mal ein Viertel der Befragten „kein Problem damit, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu essen.“ 30 Prozent fanden es gut, „wenn durch gentechnische Verfahren in der Landwirtschaft die Lebensmittelpreise sinken.“ Noch etwas höher war mit 33 Prozent die Zustimmung zu der Meinung, „dass Gentechnik in der Landwirtschaft ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung des Welthungers ist.“

Die Detailauswertung ergab dass sich Frauen stärker gegen Gentechnik positionieren als Männer. „Sehr bemerkenswert ist, dass die Ablehnung in der Altersgruppe bis 29 Jahre deutlich geringer ausfällt“, heißt es in der Studie. Bildung und Einkommen haben demnach keinen nennenswerten Effekt, wohl aber die Ortsgröße. Die Ablehnung der Gentechnik ist in kleinen Landgemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern weitaus stärker als in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern. Dieser Unterschied zeigte sich auch bei der Bewertung anderer landwirtschaftlicher Produktionsmethoden wie dem Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger. Bei der Zustimmung zu agrarpolitischen Forderungen lagen Tier- und Umweltschutz mit je über 90 Prozent an erster Stelle. Drei Viertel der Befragten stimmten der Forderung zu: „Die Biolandwirtschaft wird ausgebaut“. Ebenso viele befürworteten „die finanzielle Förderung einer naturverträglicheren Landwirtschaft durch den Staat.“

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss: „Der grundsätzlich starke Rückhalt in der Bevölkerung für eine naturverträgliche Landwirtschaft stellt einen gut begründeten Ausgangspunkt für die konsequente Umsetzung entsprechender agrarpolitischer Maßnahmen dar.

Die Kurzfassung der Umfrage
Die Langfassung

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Schon ohne TTIP: US-Lobbyisten beeinflussen EU-Gentech-Politik

Saatgut-Konzerne und US-Beamte versuchen hinter den Kulissen seit Monaten zu verhindern, dass die EU neuartige Züchtungstechniken als Gentechnik einordnet und reguliert. Dies zeigen Dokumente, die von Greenpeace, Genewatch UK und Corporate Europe Observatory (CEO) veröffentlicht wurden. Sie lassen vermuten, dass die EU gegenüber neuartigen Züchtungstechniken eine strenge regulatorische Haltung einnehmen wollte und die für November 2015 angekündigte Bekanntgabe der EU-Position vor allem auf Druck aus den USA inzwischen mehrfach verschoben wurde.

So schrieb die US-Vertretung bei der EU im Oktober 2015 an die Generaldirektion Verbraucherschutz und Gesundheit der EU, ihr sei zu Ohren gekommen, dass die EU die Oligonukleotid-gesteuerte Mutagenese (ODM) als gentechnischen Verfahren definieren wolle. Dies sei ein weiterer Schlag gegen Landwirtschaft und Technologie. Im November warnte die US-Vertreter in einem weiteren Schreiben vor ungerechtfertigten rechtlichen Hürden und Handelshemmnissen. Mit Hilfe von ODM hat die US-Firma Cibus eine herbizidresistenten Raps hergestellt, dessen anstehende Vermarktung in der EU umstritten ist.

Das Portal EurActiv zitierte einen EU-Sprecher mit den Worten: „In diesem Zusammenhang möchte ich darum bitten, doch von der GVO-fokussierten Debatte abzurücken, wenn es um Innovationen beim Pflanzenvermehrungsmaterial geht.Wir sollten nicht alle neuen Methoden gleich als versteckte GVOs verurteilen.“ Darüber hinaus bestehe keinerlei Verbindung zwischen der Aussetzung der Rechtsüberprüfung und den TTIP-Verhandlungen.

Nina Holland von CEO sprach davon, dass die Biotech-Industrie hinter verschlossenen Türen intensiv daran arbeite, dass neue Züchtungstechniken nicht unter die Gentechnikregelungen fallen. „Die TTIP-Verhandlungen werden von den Industrieverbänden auf beiden Seiten sowie von der US-Regierung als perfekte Möglichkeit angesehen, Entscheidungsprozesse in der EU zu blockieren, die die Gesundheit der Menschen und die Umwelt schützen sollen. Die Regulierung neuer Züchtungstechniken zeigt das beispielhaft.“ Franziska Achterberg von Greenpeace forderte die EU-Kommission auf, sich jetzt endlich aus der Deckung zu wagen und klar festzulegen, dass das so genannte Genome-Editing ein gentechnisches Verfahren ist.

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Acht Jahre später: Ein befreites Weizenfeld ist kein Schadensfall

Das Landgericht Magdeburg hat eine Klage des Instituts für Pflanzengenetik (IPK) abgewiesen. Das Institut wollte von GentechnikgegnerInnen, die 2008 ein Versuchsfeld mit genmanipuliertem Weizen in Gatersleben zerstört hatten, mehr als eine Viertelmillion Euro als Schadensersatz. Die Forderung sei unzureichend begründet gewesen, meinten die Richter.

„Das Urteil ist eine krachende Niederlage für das IPK“, sagte Susanne Meyer-Mähne, eine der Feldbefreierinnen des Jahres 2008, „Was in Gatersleben geschah, war ein skandalöser Versuch. Wir gingen auf das Feld, um die Gefahr für die alten Getreidesorten der Genbank durch den gentechnisch veränderten Weizen zu beenden, nachdem das Bundesamt für Verbraucherschutz trotz eigener Bedenken, die Freisetzung einfach zugelassen hatte.“ Bereits vor drei Jahren hatte das Landgericht das Strafverfahren gegen drei der Feldbefreier von Gatersleben mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eingestellt. Nun ist auch im Zivilprozess eine Entscheidung gefallen. Zwar kann das IPK noch Revision einlegen. Doch das Oberlandesgericht hatte schon früher im Sinne der Feldbefreier entschieden und verlangt, dass die Hintergründe der damaligen Genehmigung und die Einhaltung der Auflagen durch das IPK überprüft werden müssten. Daran dürfte das Institut wenig Interesse haben.

Rechtsanwältin Katrin Brockmann, die die Feldbefreierin Miriam Anschütz vertrat, hält die Entscheidung des Gerichts für folgerichtig: „Im gesamten Verfahren ist das IPK dem Gericht klare Aussagen zu der Anzahl der zerstörten Pflanzen und Auswirkungen der Zerstörung auf die Versuchsauswertung schuldig geblieben.“ Der Gutachter im Verfahren, Biostatistik-Professor Piepho aus Hohenheim, habe noch einmal weitere gravierende Mängel bei der Versuchsplanung und -durchführung aufgezeigt. Das IPK konnte daher seine Behauptung nicht beweisen, dass der Freisetzungsversuch aufgrund der Zerstörung von Pflanzen unauswertbar gewesen sei.

Georg Janssen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft nannte das Urteil „eine kluge und richtige Entscheidung“. Es widerspreche zwar bäuerlichem Denken, wenn eingesätes Pflanz- und Saatgut mutwillig herausgerissen werde. „Wer aber alle wissenschaftlichen, bäuerlichen und rechtlichen Argumente gegen die risikoreiche Freisetzung von Gentechnik-Weizen in unmittelbarer Nähe der Genbank Akzessionen in Gatersleben – der Wiege des Saatguts – arrogant ignoriert, der muss sich nicht wundern, dass 2008 Hand angelegt wurde.“

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Bundesregierung will für Glyphosatzulassung stimmen – Umweltministerin eingeknickt

Die Bundesregierung gibt grünes Licht Für Glyphosat. „So geht es aus einem Schreiben des Agrarministeriums im Namen Deutschlands an die EU-Kommission von Ende März hervor“, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). „Mit seiner Zustimmung möchte Deutschland dazu beitragen, das Verfahren zur Wiedergenehmigung des Wirkstoffs Glyphosat . . . erfolgreich abzuschließen“ steht laut SZ in dem Brief, der vom Leiter des Referats Pflanzenschutz im Bundeslandwirtschafsministerium stammen soll.

Der Bericht der SZ legt nahe, dass Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ihren Widerstand gegen Glyphosat für einige Formelkompromisse aufgegeben hat. Deutschland sei „sehr offen für das Anliegen einiger Mitgliedsstaaten“, Glyphosat zur „Steuerung des Erntetermins“ auszuschließen, heißt es in der SZ. Das würde bedeuten, dass das Spritzen von Glyphosat kurz vor der Ernte eingeschränkt werden könnte. Zudem sollen die Mitgliedsstaaten den Risiken für die Artenvielfalt und das Tierreich „besondere Aufmerksamkeit“ widmen, zitiert die Zeitung eine weitere Formulierungen. Die Nachrichtenagentur dts schreibt dazu: „Aus Regierungskreisen hieß es am Montag, die beteiligten Staatssekretäre hätten sich in dem Punkt auf die Gründung einer Arbeitsgruppe geeinigt, die Möglichkeiten für den Schutz der biologischen Vielfalt in der Zulassungspraxis herausarbeiten soll.“

Die Bürgerbewegungen Campact und WeMove.EU haben beim britischen Meinungsforschungsinstitut YouGov eine Umfrage in Auftrag geben, wonach 64 Prozent der Menschen in den fünf größten EU-Mitgliedsländern ein Verbot von Glyphosat fordern. An der Spitze der Ablehnung stehen mit 76 Prozent die Italiener, gefolgt Deutschland mit einer Ablehnungsquote von 70 Prozent. Nur elf Prozent der Bundesbürger wären dafür, Glyphosat wieder zuzulassen. Auf den Plätzen folgen Frankreich mit 60 Prozent sowie Großbritannien und Spanien mit je 56 Prozent Ablehnung Das EU-Parlament will am Mittwoch eine kritische Resolution zu Glyphosat verabschieden, die der Umweltausschuss vorgelegt hatte.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hatte die Glyphosat-Hersteller, insbesondere Monsanto, aufgerufen, ihre bisher unter Verschluss gehaltenen Studien zu veröffentlichen. Das lehnte der Industrieverband Glyphosat Task Force ab und schlug statt dessen vor, Teile der Studien in einem Leseraum ausgewählten Interessierten zur Verfügung zu stellen.

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BÖLW: Beim nationalen Opt-out ist ein Kompromiss in Sicht

Eine Bund-Länderarbeitsgruppe hat nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaf (BÖLW) einen Entwurf für ein nationales Opt-out-Gesetz erarbeitet, der in dieser Woche von der Agrarministerkonferenz beraten werden soll. Damit scheint ein Kompromiss bei dem zwische Bund und Ländern umstrittenen Gesetzesvorhaben möglich. „Wir begrüßen, dass Bund und Länder einen Kompromiss gefunden haben, mit dem das Gesetzgebungsverfahren für Gentechnik-Anbauverbote nun zügig vollendet werden kann“, kommentierte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein den Vorschlag.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte im Februar 2015 einen ersten Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem die im EU-Recht geschaffene Möglichkeit nationaler Anbauverbote, die Opt-out-Regelung, umgesetzt werden sollte. Der Entwurf wollte den Ländern die Verantwortung für Opt-out-Regelungen aufbürden. Das lehnten die Länder ab und verabschiedeten im Bundesrat einen eigenen Gesetzentwurf. Nun haben sich beide Parteien auf einen gemeinsamen Wege verständigt. Er sieht nach Angaben des BÖLW so aus:
Wenn eine Mehrheit der Länder es wünscht, muss der Bund in der ersten Phase via EU-Kommission verlangen, dass ganz Deutschland als Anbaugebiet aus dem Zulassungsantrag für eine neue Gentechnik-Pflanze gestrichen wird. Weigert sich das Gentechnik-Unternehmen, Deutschland aus seinem Anbau-Antrag herauszunehmen, ist der Bund in Phase 2 verpflichtet, eine nationale Rechtsverordnung auf den Weg bringen, über die der Bundesrat abstimmen muss. „Entscheidend ist, dass der Wunsch der Bundesländer dann auch wirklich zu einem Opt-out für das gesamte Bundesgebiet führt“, betonte Löwenstein. Das neue Gesetz dürfe hier keine Lücken lassen, mit denen das Verfahren unterlaufen werden könne Die Pflicht des Bundes müsse im Gesetz „glasklar verankert“ sein, mahnte der BÖLW-Vorsitzende. Anbauverbote auf Länderebene dürfe es nur im Notfall fehlender Mehrheiten im Bundesrat geben.

Die Agrarminister von Bund und Ländern treffen sich von 13. bis 15. April zu ihrer halbjährlichen Konferenz in Göhren-Lebbin in Mecklenburg-Vorpommern.

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Urs Niggli äußert sich abwägend zu CRISPR/Cas – Bio-Züchter schlagen Alarm

Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL), hat sich in einem Interview in der taz positiv zu einzelnen Aspekten der gentechnischen Methode CRISPR/Cas in Bezug auf Pflanzenzüchtung geäußert. Darauf haben die im Verein saat:gut zusammengeschlossenen ökologischen Pflanzenzüchter mit einem offenen Brief reagiert. Sie fordern darin den Stiftungsrat des FiBL auf Niggli einen Maulkorb zu verpassen. Bei CRISPR/Cas handelt es sich um eines der umstrittenen neuen Verfahren, mit denen gezielt in das Erbgut von Lebewesen eingegriffen werden kann.

In dem taz-Interview sprach Niggli der CRISPR/Cas-Methode ein großes Potential zu und fügte hinzu: „Sie hat aber wie jede Technologie auch Risiken und kann falsch verwendet werden. Das sollte man für jede Anwendung einzeln bewerten, statt diese Technik generell abzulehnen.“ Auf die Frage nach einer möglichen sinnvollen Anwendung sagte Niggli: „Man kann zum Beispiel Gene für Krankheitsanfälligkeit ausschalten oder Resistenzgene aus der verwandten Wildpflanze wieder in moderne Sorten einführen. Das sind Eigenschaften, die zum großen Teil durch die Züchtung auf Ertrag oder Qualität in den letzten hundert Jahren verloren gegangen sind. Da könnte man tatsächlich in großem Maßstab Pestizide einsparen.“ Als konkretes Beispiel nannte der Forscher die Pilzkrankheit Falscher Mehltau, gegen die Ökobauern kupferhaltige Mittel einsetzen müssten. Im Gegensatz zum Mainstream in der Bio-Branche plädierte Niggli dafür, die neuen Pflanzenzüchtungsverfahren nicht pauschal dem Gentechnikrecht zu unterwerfen, sonder jeden Einzelfall entsprechend dem jeweiligen Risiko zu behandeln. Mit Hilfe von CRISPR/Cas hergestelltes Saatgut und die daraus entstandenen Früchte sollten aber auf jeden Fall gekennzeichnet werden. Niggli ging in dem Interview davon aus, das die Bio-Branche bei ihrer grundsätzlichen Ablehnung der Technik bleibt und wies auf eine Konsequenz hin: „Das bedeutet, dass die Ökoszene ihre Anstrengungen für die eigene Züchtung vervielfachen muss.“

Die Ökozüchter sahen Nigglis Interview jedoch nicht als Plädoyer, mehr Geld in die Ökozüchtung zu investieren sondern als Angriff auf die Glaubwürdigkeit der ganzen Branche: „Willentlich und wissentlich setzt sich Prof. Niggli über den bekundeten Willen der deutschen Biobranche hinweg und diskreditiert die gemeinsamen Anstrengungen der Erzeuger-, Verarbeiter- und Verbraucherverbände. Er brüskiert das Vertrauen unserer Kunden und sät Zweifel an unserer Haltung zur Gentechnik“, heißt es in dem offenen Brief, der sich an den Stiftungsrat des FiBL in der Schweiz richtet sowie an den Vorstand von FiBL Deutschland. Besonders verärgert hat die Züchter „die Implikation, die ökologische Pflanzenzüchtung sei langwierig, umständlich und nicht finanzierbar(zu teuer).“ Ein besonderer Tiefpunkt sei „das Übernehmen der Argumente der Gentechnik-Lobby: was, wenn der konventionelle Landwirt eine resistente Kartoffelsorte hat und der biologisch wirtschaftende Nachbar nicht.“ Als Unterzeichner fordern die Züchterin Barbara Maria Rudolf sowie Heinz-Peter Christiansen und das Team von Christiansens Biolandhof als Unterzeichnerzeichner Stiftungsrat und den Vorstand auf, „ihre Mitarbeiter darauf zu verpflichten, in ihren öffentlichen Äußerungen zu den Zielen und Inhalten des Ökolandbaus zu stehen und die gemeinsamen Anliegen der Biobranche zu befördern, nicht konterkarieren!“

Ausführlich nimmt Urs Niggli auch in einer Diskussion auf 3sat Stellung.

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Salztolerante Pflanzen – gezüchtet ohne Gentechnik

Durch den steigenden Meeresspiegel an der Küste und künstliche Bewässerung im Inland versalzen immer mehr landwirtschaftliche Flächen. Mit salzresistenten Kartoffeln aus den Niederlanden und ebensolchem Reis aus Tansania haben Pflanzenzüchter gezeigt, dass die herkömmliche Züchtung weit schneller zu hilfreichen Ergebnissen kommt als die Gentechniklabore der großen Saatgutkonzerne.

In Tansania hat die Wissenschaftlerin Sophia Kashenge von der Sokoine Universität in Morogoro drei Reissorten entwickelt, die höhere Salzgehalte im Boden tolerieren. Eine der drei Sorten habe bereits die amtliche Zulassung, berichtete die tansanische Zeitung The Citizen. Basis der Züchtung waren salztolerante Reissorten aus Japan, die dort nach dem Tsunami 2011 selektiert worden waren, heißt es im Portal SciDevNet. Die Forscher hätten den Anbau der neuen Sorten mit Methode kombiniert, bei denen der Salzgehalt durch das Ausbringen von Gips verändert wird. Ausprobiert haben Saatgut und Bodenbehandlung über 1000 Kleinbauern auf ihren bewässerten und versalzenen Feldern in der Nähe des Kilimandscharo. „Die Bauern sind jetzt in der Lage sechs Tonnen Reis pro Hektar zu produzieren, das ist die höchste bekannte Erntemenge in der Geschichte des Reisanbaus in Ost- und Südafrika“, zitierte SciDevNet die Forscherin Sophia Kashenge.

Auf der niederländischen Texel hat ein Biobauer zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Amsterdam eine salztolerante Kartoffel gezüchtet und im Herbst 2014 vorgestellt. Pakistanische Bauern testen die Knollen seit einem Jahr mit guten Ergebnissen. Beim Kochen muss man die Kartoffeln trotzdem noch einmal würzen. Denn das Salz aus dem Boden reichert sich in den Blättern an, aber nicht in der Knolle. Sie schmeckt eher süßer als eine herkömmliche Kartoffel. Auch salztolerante Möhren und Tomaten werden auf der Salzfarm Texel gezüchtet. Insgesamt laufen dort Anbauversuche mit 20 Pflanzenarten.

Bereits 2012 hatten australische Forscher einen salztoleranten Hartweizen gezüchtet und erzielten damit in ersten Feldversuchen auf salzigen Böden 25 Prozent höhere Erträge.

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Afrika: Gentechnik-Konzerne greifen nach den Grundnahrungsmitteln – aus reiner Wohltat

Das African Centre for Biodiversity (ACB) hat in einem neuen Report beschrieben, wie multinationale Unternehmen unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit zunehmend an der genetischen Manipulation afrikanischer Grundnahrungsmittel arbeiten. Im Focus stehen dabei Pflanzen, deren Saatgut bisher kaum kommerziell genutzt wurde, die jedoch in der Subsistenzwirtschaft der Kleinbauern eine wichtige Rolle spielen: Kassava, Hirse, Süßkartoffel, Kochbanane, Augenbohnen und Straucherbse.

Derzeit würden in Ägypten, Burkina Faso, Ghana, Kenia, Nigeria, Südafrika und Uganda Gewächshaus- und Feldversuche mit verschiedenen manipulierten Pflanzen durchgeführt, heißt es in dem Report. Die meisten dieser Versuche betreffen Dürre- und Salztoleranz, effektive Stickstoffnutzung und Resistenzen gegen Schädlinge und Krankheiten. Ausgangspunkt der Versuche seien meist Spenden von multinationalen Konzernen gewesen, schreibt das ACB. Diese hätten afrikanische Forscher, die zumeist bei staatlichen Forschungsanstalten beschäftigt seien, lizenzfrei manipuliertes Erbgut zur Verfügung gestellt. Zusätzliches Geld für die Forschungsprogramme würden US-amerikanische Organisationen und Universitäten zur Verfügung stellen, aber auch die US-Entwicklungshilfe und die Bill und Melinda Gates Stiftung. Deren konzernfreundliches Engagement hat die britische Organisation Global Justice im Januar in einem Bericht beschrieben. Alle an der Förderung dieser Gentechnik-Forschung beteiligten Organisationen würden jede Menge Propaganda über bahnbrechende Ergebnis veröffentlichen, schreibt ACB.

„Die Gentechnik-Industrie kommt bei ihrem Versuch, gentechnisch veränderte Pflanzen auf dem afrikanischen Kontinent einzuführen effektiv voran“, warnt Mariam Mayet, Geschäftsführerin des ACB. Dabei versuche sie, ihre wahren Interessen und ihren wachsenden Einfluss ein menschliches Antlitz zu geben. Für ACB-Kampaignerin Zakiyya Ismail sind ökologische Anbausysteme die beste Lösung für Vitamin- und Mineralstoffmangel, zusammen mit den traditionellen Küchengärten. „Sie tragen besser zu einer gesunden und vielseitigen Ernährung und befähigen die Menschen dazu, ihr eigenen Lebensmittel anzubauen.“

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Schlechte Ernte in Indien: Regierung will Monsantos Lizenzgebühren kappen

Bisher konnte der Gentechnik-Konzern-Monsanto staatlich festgelegte Lizenzgebühren kassieren, sobald sein indischer Partner Mahyco Saatgut für Bt-Baumwolle an einen Bauern verkaufte. Doch diese Geldquelle droht auszutrocknen. Schuld daran sind die drastischen Ernteverluste, die indische Bauern mit dem genmanipulierten Saatgut erlitten.
Als Reaktion darauf kürzte die indische Zentralregierung die Lizenzgebühren um 70 Prozent und fror zudem den Preis für das Saatgut ein, auf 800 Rupien für 450 Gramm (gut 10 Euro). Der Bundesstaat Andhra Pradesh forderte, die Lizenzgebühr ganz zu streichen. Monsanto kündigte an, es werde sein Indien-Geschäft überprüfen müssen und beklagte die willkürlichen und innovationsfeindlichen Regelungen. Der indische Landwirtschaftsminister gab zurück, Monsanto sei frei, das Land zu verlassen, wenn es die Saatgutpreise nicht akzeptieren wolle. Doch vorerst zog der Konzern nur vor Gericht.

Der indische Premierminister Narendra Modi war in seiner Zeit als Ministerpräsident des Bundesstaates Gujarat ein Verfechter von Bt-Baumwolle. Seine Regierung steht Gentechnik-Versuchen weiterhin offen gegenüber. Die Gentechnikbehörde des Umweltministeriums würde gerne genmanipulierten Senf für den kommerziellen Anbau freigeben, hat sich aber aufgrund der öffentliche Proteste für eine neuerliche Sicherheitsüberprüfung entschieden. Doch die zunehmenden Bauernproteste wegen schlechter Baumwollernten haben Modi indischen Medienberichten zufolge wohl ins Grübeln gebracht. Zumal die beiden großen und gentechnikkritischen Kleinbauernverbände Swadeshi Jagran Manch and Bharatiya Kisan Sangh (BKS) zu den (durchaus hindu-nationalistischen) Vorfeldorganisationen von Modis Partei BJP zählen. BKS gehört auch den Verfechtern des ökologischen Landbaus in Indien und fordert von der Regierung die Gründung von sechs neuen Landwirtschaftsuniversitäten, die ausschließlich dem Ökolandbau gewidmet sind. Daneben gibt es aber auch andere Verbände, die dafür plädieren, einen möglichen Rückzug Monsantos dazu zu nuzen, eigene, in Indien Entwicklete genetchnik-Pflanzen zu pushen. Die indischen Baumwollforscher haben einige solcher Sorten in der Pipeline und auch der Gentech-Senf ist Made in India.

Zusammengestellt aus Berichten von
The Wire
The Economic Times
Times of India
The Indian Express

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