Archiv der Kategorie ‘Allgemeines‘

 
 

Europaparlamentarier wollen Moratorium für Nano-Food und Label für Klon-Fleisch

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (EP) hat seine Vorschläge für eine neue Novel Food Verordnung mit 57 zu 4 Stimmen bei zwei Enthaltungen verabschiedet. Die Abgeordneten fordern darin ein Moratorium für Nano-Lebensmittel und eine Kennzeichnung von Klon-Fleisch. Für den grünen EP-Abgeordneten Martin Häusling ist jetzt schon klar: „Dem EU-Parlament ist ein großer Wurf für mehr Lebensmittelsicherheit gelungen.“

Darum geht es: Die Novel Food Verordnung regelt, dass neuartige Lebensmittel eine Zulassung brauchen, bevor sie in der EU vertrieben werden dürfen. Damit dies auch für Lebensmittel mit Nanozutaten oder Fleisch und Milch geklonter Tiere gilt, muss die Verordnung geändert werden. Ein erster Versuch dazu scheiterte im März 2011, weil sich EP, Rat und Kommission nicht auf einen Kompromiss einigen konnten. Ende 12013 hat die Kommission erneut einen Entwurf erarbeitet und zur Stellungnahme an das EP geschickt. Dessen Umweltausschuss hat nun seinen Bericht mit zahlreichen Änderungen zum Kommissionsvorschlag fast einhellig verabschiedet. Der schottische Berichterstatter James Nicholson erhielt den Auftrag, mit dem Ministerrat zu verhandeln. Die Minister der Mitgliedsstaaten müssen ihre Position erst noch festlegen.

Die wichtigsten Forderungen des EP:
Fleisch, Milch und andere Produkte von geklonten Tieren sollen nur mit Kennzeichnung in den Handel kommen. Mitgliedsstaaten sollen ein zugelassenes Novel Food zeitweilig verbieten dürfen, wenn neue Informationen vermuten lassen, dass es ein Risiko für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt darstellt. Dies soll solange gelten, bis es spezifische Regeln für Klon-Lebensmittel im Rahmen des Gentechnikrechts gibt.
Lebensmittel und Verpackungen, die Nano-Materialien enthalten, sollen vorerst nicht auf den Markt kommen. Sie müssen erst eine Risikoabschätzung durch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA durchlaufen, bevor sie zugelassen werden können. Zudem sollten alle nach der Novel Food Verordnung zugelassenen Lebensmittel auch danach noch überwacht werden, um eventuelle Risiken feststellen zu können.

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Neue Studie: Glyphosat rottet Regenwürmer aus

Der Einsatz des Herbizidwirkstoffs Glyphosat beeinträchtigt die Fortpflanzungsrate von Regenwürmern. Das ergab ein Experiment, dessen Ergebnisse argentinische Forscher in der Zeitschrift Water, Air & Soil Pollution veröffentlichten.

Die Forscher hatten Regenwürmer der Gattung Eisenia fetida in mehrere große Töpfe verteilt. Eine Gruppe erhielt eine Glyphosatdusche in der für die Unkrautbekämpfung üblichen Konzentration, die zweite eine doppelt so hohe Anwendung, die dritte Gruppe blieb glyphosatfrei. Die Regenwürmer in diesen Töpfen entwickelten sich gut, während die beiden mit Glyphosat behandelten Gruppen negative Wachstumsraten aufwiesen. „Die Ergebnisse legen nahe, dass solche subletalen Effekte dazu führen können, das Populationen von Nicht-Zielorganismen örtlich aussterben.“ Dies unterstreiche die Bedeutung solcher Studien für die Umweltverträglichkeitsprüfung von Agrarchemikalien.
Deutliche Nebenwirkungen von Glyphosat auf Regenwürmer und Bodenpilze hatten auch Wissenschaftler der Universität für Bodenkultur in Wien festgestellt und im Juli 2014 veröffentlicht. „Im Gegensatz zu vielen anderen Studien, die die Wirkung von Herbiziden auf Nicht-Zielorganismen im Labor in Petrischalen untersucht haben, verwendeten wir große Pflanzentöpfe mit Feldboden, Pflanzen, Regenwürmern, Pilzen und Mikroorganismen – sozusagen ein vereinfachtes Ökosystem”, erklärten die Wiener Wissenschaftler.
Die Glyphosathersteller behaupten hingegen weiterhin: „Die Risikobewertungen internationaler Behörden haben bisher immer ergeben, dass der vorschriftsmäßige Gebrauch von Glyphosat-haltigen Herbiziden kein wesentliches Risiko für Nicht-Zielorganismen darstellt.“

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Ratten gesundgeschrieben? Testbiotech streitet mit EU-finanzierten Forschern

Die gentechnik-kritische Organisation Testbiotech fetzt sich mit Forschern, die im Rahmen eines EU-Projekts Ratten mit dem Gentech-Mais MON810 fütterten und keine Effekte feststellten. Die habe es sehr wohl gegeben, konterte Testbiotech und warf den Forschen Industrienähe vor.

GRACE (GMO Risk Assessment and Communication of Evidence) ist ein von der EU 2012 gestartetes und finanziertes Forschungsprojekt. Es soll unter anderem untersuchen, wie aussagekräftig 90-Tage-Fütterungsstudien für die Risikoabschätzung von Gentech-Pflanzen sind. Im Oktober veröffentlichten GRACE-Forscher Ergebnisse einer solchen Fütterungsstudie in der Zeitschrift Archives of Toxicology. Das Ergebnis: Bei den mit MON810 gefütterten Ratten hätten sich keine negativen gesundheitlichen Ergebnisse gezeigt. Veröffentlich hatten die Forscher auch die Rohdaten des Versuchs.
Diese Daten wertete Testbiotech aus und präsentierte Anfang November das Ergebnis: „Insbesondere erscheint inakzeptabel, dass eine signifikante Abnahme des Gehalts an Gesamtprotein (Gesamteiweiß) im Serum, die Verringerung des Pankreasgewichts und die Erhöhung des Glukosespiegels bei den Versuchstieren als toxikologisch nicht relevant eingeschätzt wird.“ In einem offenen Brief hielten die GRACE-Forscher dagegen, dass diese beobachteten Abweichungen nicht auf den Gentechnik-Mais im Futter zurückzuführen seien. In einer Replik blieb Testbiotech dabei, dass der Versuch „biologisch relevante, statistisch signifikante und dosisabhängige Effekte“ gezeigt habe.

Keine Reaktion der Forscher gab es auf einen anderen Vorwurf von Testbiotech: „Der führende Autor der GRACE-Studie, Pablo Steinberg, hat aktive Verbindungen zu industrienahen Einrichtungen wie dem International Life Science Institute (ILSI). Er ist zudem selbst einer der Herausgeber von Archives of Toxicology.“ Auch die leitenden Herausgeber der Zeitschrift, Jan G. Hengstler und Hermann Bolt, hätten enge Verbindungen zur Industrie. Testbiotech wirft den Autoren deshalb vor, „ihre Ergebnisse in einem Journal mit zu großer Nähe zur Industrie veröffentlicht zu haben. Möglicherweise sollte auf diese Weise eine genauere Prüfung der Daten vermieden werden.“

Auch an der Unabhängigkeit von GRACE selbst zweifelt Testbiotech. „Etwa die Hälfte der Experten, die bei GRACE mitarbeiten, kann Organisationen zugeordnet werden, die ganz oder teilweise von der Gentechnik-Industrie finanziert werden“, heißt es in einer Analyse von 2013. Zudem seien viele GRACE viele Personen beteiligt sind, „die auch für die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA tätig waren oder sind. Deshalb sei zu erwarten, „dass GRACE die heftig umstrittenen Standards der EFSA eher rechtfertigen als infrage stellen wird.“

Der Streit ist vermutlich nur der Auftakt zu einer noch intensiveren Auseinandersetzung. Denn die GRACE-Forscher führen auch eine einjährige Fütterungsstudie durch.

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Weltweit größte Studie zu GVO und Pestiziden angekündigt

Eine russische gentechnik-kritische Organisation will nächstes Jahr mit der bisher größten unabhängigen Fütterungsstudie zu gesundheitlichen Auswirkungen gentechnisch manipulierter Pflanzen starten. Für die Studie mit dem Titel Factor GMO sollen zwei bis drei Jahre lang fünf Generationen Ratten mit herbizidresistentem Mais von Monsanto gefüttert werden. Kosten: rund 20 Millionen Euro.

Initiiert hat die Studie die russische NGO National Association for Genetic Safety (NAGS). Deren Direktorin Elena Sharoykina erklärte, ihr Organisation werde das Projekt koordinieren, aber keinerlei Einfluss auf das Studiendesign, die Durchführung der Versuche oder die Interpretation und Veröffentlichung der Daten nehmen.

Für all das werden drei wissenschaftliche Experten verantwortlich zeichnen, die sich selbst als unabhängig sowohl von industriellen Interessen als auch von der Anti-GVO-Bewegung bezeichneten. Oxana Sinitsyna ist Abteilungsleiterin eines Forschungsinstitutes, das dem russischen Gesundheitsministerium untersteht. Bruce Blumberg arbeitet als Professor für Zellbiologie an der Universität von Kalifornien. Fiorella Belpoggi ist Krebsforscherin am italienischen Ramazzini-Institut.

Die bisher aquirierten Gelder sollen von Privatpersonen aus Russland und der EU stammen und die Kosten von 20 Millionen Euro zum großen Teil schon abdecken. Die Liste aller Spender soll zum Start des Experiments 2015 veröffentlicht werden. Spenden von Unternehmen der Agro-Gentechnik würden nicht akzeptiert, sagten die Organisatoren. Die Spender hätten keinen Einfluss auf das Design der Studie und deren Veröffentlichung. Durchgeführt würden die Experimente an Orten in Russland und Westeuropa, die aus Sicherheitsgründen geheim gehalten würden.

Die britische Zeitschrift The Guardian hat nach der Vorstellung der Studie in London Kommentare eingeholt. Dabei zeigt sich eine positive Resonanz bei den Gentechnik-Kritikern und zurückhaltung bei den Befürwortern. Deren Standpunkt ist ja, dass es bereits ausreichend Studien gibt, die eine Ungefährlichkeit von GVO belegten.

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Abstimmungen in den USA: Wieder siegte das große Geld

In Colorado und Oregon standen bei den Kongresswahlen in der letzte Woche auch Gesetzesinitiativen zur Gentechnik-Kennzeichnung zur Abstimmung an. Während in Colorado die Kennzeichnungsgegner klar mit zwei Dritteln der Stimmen gewannen, entwickelte sich in Oregon ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Zum Schluss lagen die Kennzeichnungsgegner mit 50,2 Prozent vorne.
Viel eindeutiger waren die Gelder für die jeweiligen Ja- und Nein-Kampagnen verteilt. In Colorado brachten die Kennzeichnungsbefürworter eine knappe Million Dollar auf, während die Gegner 16,7 Millionen Dollar investieren konnten. Die fünf größten Einzelspender in Colorado waren Monsanto mit 4,7 Millionen und DuPont/Pioneer mit drei Millionen. Je gut eine Million Dollar steuerten Pepsico, Coca-Cola und Kraft Foods bei. In Oregon standen den 7,5 Millionen Dollar der Befürworter 20 Millionen Dollar der Konzerne gegenüber. Auch hier waren Monsanto und Dupont mit jeweils gut vier Millionen Dollar die größten Sponsoren.
Die Verbraucherorganisation Center of Food Safety wies darauf hin, dass die großen Chemie- und Lebensmittelkonzerne bisher insgesamt über 100 Millionen Dollar investierten, um die Abstimmungen in den US-Staaten Kalifornien, Washington, Oregon and Colorado in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Erfolgreich waren die Kennzeichnungsbefürworter bisher in Vermont. Dort soll das Gesetz 2016 in Kraft treten, die Konzerne klagen dagegen. In den Staaten Maine and Connecticut ist die Kennzeichnung beschlossen, tritt aber erst in Kraft, wenn noch andere Staaten dazu stoßen. Die Chance besteht weiterhin, den in rund 30 US-Staaten steht das Thema auf der Tagesordnung, heißt es in einem Bericht der Agentur AP.
Einen Erfolg gab es in Humboldt County in Kalifornien. Die Bürger des Landkreises sprachen sich mit 60 Prozent dafür aus, den Anbau von Gentech-Pflanzen und die Werbung dafür im ganzen County zu verbieten.

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Schadensbericht: An der Agro-Gentechnik verdienen nur die Konzerne

Eine langfristige Wirtschaftlichkeit der Agro-Gentechnik ist nicht zu erkennen. Die Betriebskosten für die Erzeuger steigen, die Erträge bleiben gleich. Es verdienen nur die großen Saatgut- und Chemiekonzerne. Das ist eine der Schlussfolgerungen, die Axel Wirz vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) in seinem Schadensbericht Gentechnik 2014 zieht. Vorgestellt hat er ihn auf der Herbsttagung des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) letzte Woche in Berlin.

Wirz berichtete, dass die Saatgutkosten für GV-Soja seit der Einführung 1996 in den USA um 320 % gestiegen seien. Saatgut für GV-Mais koste dreimal so viel wie 2002. Während beim GV-Maisanbau die Pestizidkosten gleich blieben, seien sie bei GV-Soja binnen zwei Jahren um 75 Prozent gestiegen. Denn die Zahl Glyphosat-resistente Pflanzenarten wachse.

Wirz listete in seiner Bilanz auch die im GV-Kontaminationsregister aufgelisteten Schadensfälle durch Verunreinigungen mit nicht zugelassenen GVO auf. Von 2000 bis 2014 waren es weltweit 409 Vorkommnisse. Die vier größten Schadensfälle mit StarLink-Mais, Bt10-Mais, LL601-Reis und Triffid-Leinsamen verursachten weltweit Schäden von mindestens 5,4 Miliarden US Dollar.

Um solche Schadensfälle zu vermeiden, müssen Erzeuger, Verarbeiter und Händler, die gentechnikfrei wirtschaften wollen, einen enormen zusätzlichen Aufwand leisten: Für die Reinigung von Lager und Maschinen, die Getrennthaltung und zahllose Analysen entlang der Produktionskette. Das FiBL bezifferte für konventionelle Milch mit der Auslobung „Ohne Gentechnik“ den Mehraufwand auf 7,5 Cent je Liter Milch. Bei einem konventionellen Ei wären es 0,6 Cent mehr.

Um diese Kosten zu senken, plädierte das FiBL für eine 100-prozentige Gentechnikfreiheit bei den Futtermitteln. Dadurch würde die aufwändige Trennung entfallen. Unterstützung dafür kam auf der BÖLW-Tagung vom Handelskonzern Rewe. Dessen Leiter strategischer Einkauf, Ludger Breloh, schilderte die Anstrengungen des eigenen Konzerns und der anderen Lebensmittelhändler, die bislang nicht kennzeichnungspflichtigen tierischen Produkte – Fleisch, Eier und Milch – auf gentechnikfreies, möglichst heimisches Futter umzustellen.

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Synthetische Biologie: Staaten sind verpflichtet, vorsorglich zu handeln

194 Staaten haben sich darauf geeinigt, dass beim Thema ‘Synthetische Biologie’ das Vorsorgeprinzip zwingend zur Anwendung kommen muss. Zudem sollen die Staaten eine effektive Risikoabschätzung und ein funktionierendes Risikomanagement einrichten, bevor sie überhaupt daran gehen, Feldversuche mit Produkten der synthetischen Biologie zuzulassen. Niedergeschrieben ist das in einem Beschluss der zwölften Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention zum Schutz der Artenvielfalt (CBD). Die Konferenz fand von 06. bis 17. Oktober 2014 in Pyeongchang in Korea statt. Unter synthetischer Biologie versteht man die Schaffung künstlichen Erbguts und damit künstlichen Lebens, um es industriell zu nutzen.

„Die Entscheidung ist ein klares Signal, dass die Synthetische Biologie dringend bewertet und reguliert werden muss“, kommentierte Dana Perls of Friends of the Earth USA die Entscheidung. Jim Thomas von der Umweltorganisation ETC Group verglich die bisherige Entwicklung von Synbio mit dem gesetzlosen Wilden Westen. „Endlich bahnt die UNO den Gesetz den Weg.” Wie die einzelnen Staaten den Beschluss der Konferenz umsetzen, bleibt abzuwarten. Dem Bericht der ETC Group zufolge hatten einige Industriestaaten, darunter Kanada, Australien und Großbritannien lange und massiv gegen den Beschluss opponiert. Zahlreiche Entwicklungsländer hingegen wollten ein komplettes Moratorium für Synbio-Produkte. Denn einige der von künstlich geschaffenen Mikroorganismen hergestellten Stoffe sollen traditionelle Erzeugnisse wie Vanille oder Safran ersetzen und könnten dadurch deren traditionelle Produzenten vom Markt verdrängen. „Die Analyse der sozio-ökonomischen Auswirkungen synthetischer Produkte und Organismen soll daher auch Bestandteil der wissenschaftlichen Analysen sein“, schreibt Katja Heubach vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in ihrem Blog-Beitrag von der Konferenz. „Hervorzuheben ist hier insbesondere, dass der Text explizit vorschlägt, indigene und lokale Gemeinschaften an diesen Analysen zu beteiligen.“

Was den Schutz der Artenvielfalt angeht – das Hauptthema der Konferenz – gibt es wenig Positives zu vermelden.

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Gentechnikfreie Hähnchen bei Edeka

Der Handelskonzern Edeka, größter Lebensmittelhändler der Republik, hat erste Eigenmarkenartikel mit dem Siegel „Ohne Gentechnik“ eingeführt. In Edeka-Märkten im Südwesten und Südosten Deutschlands gibt es verschiedene als gentechnikfrei ausgelobte Hähnchenprodukte der Eigenmarke Gut&Günstig. Die Einführung weiterer gelabelter Produkte sei in Vorbereitung, heißt es in der Mitteilung des Konzerns. Nach den Hähnchenfleischprodukten solle auch die Fütterung bei Schweinen, Rindern und anderem Geflügel für die Eigenmarke schrittweise „auf heimische Futtermittel oder auf zertifiziert verantwortungsvolleres, gentechnikfreies Soja“ umgestellt werden, teilte die Edeka-Zentrale mit.

Sie ist seit dem Sommer Mitglied des Verbands Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG). VLOG-Sprecher Alexander Hissting nannte das Angebot der Edeka ein „zukunftsweisendes Signal für den deutschen Geflügelmarkt.“ Vor allem ein Warnsignal. „Ein Großteil der deutschen Hähnchenfleischvermarkter, allen voran das Branchenschwergewicht Wiesenhof, weigert sich seit Anfang des Jahres, gentechnikfreies Futter einzusetzen“, erläutert Hissting. „Doch wer aus ideologischen Gründen meint am Markt vorbei produzieren zu müssen, darf sich nicht wundern, wenn er früher oder später auf seiner Ware sitzen bleibt.“ Das Gut&Günstig-Hähnchenfleisch stammt laut VLOG von einem Hersteller aus Norditalien. Die Tiere würden ausschließlich mit gentechnikfreiem Futter aus Europa gemästet.
Auch die anderen Handelsketten drängen die deutschen Geflügelmäster dazu, auf gentechnikfreies Futter zu setzen. „Wenn die großen Tierhalter nicht mitziehen, werden wir auf kleine, regionale zurückgreifen, die einfach auf gentechnikfreie Produktion umschalten können“, zitiert der Spiegel einen Rewe-Manager.

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Studie: Maispollen fliegt weiter als gedacht

Der Pollen von Maispflanzen wird vom Wind weiter getragen als bisher angenommen. Deshalb müssen für Felder mit Gentech-Mais größere Sicherheitsabstände festgelegt werden als bisher. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, an der auch das Bundesamt für Naturschutz beteiligt war. Dafür hatten die Wissenschaftler über zehn Jahre hinweg die Daten von 216 Pollensammlern in Deutschland, Belgien und der Schweiz ausgewertet.

Jede Maispflanze produziert pro Jahr fünf bis 50 Millionen Pollenkörner, die vom Wind transportiert werden. Da die Körner vergleichsweise schwer sind, sinken die meisten schon im Abstand von wenigen Metern wieder nieder. Deswegen halten die meisten Experten einen Sicherheitsabstand von 30 Metern für ausreichend. In Deutschland beträgt er bei konventionellem Mais 150 und bei Bio-Mais 300 Meter. Aber selbst das ist zu wenig. In dieser Entfernung fanden die Forscher im Schnitt immer noch fast 50.000 Maispollen je Quadratmeter. Selbst in vier Kilometern Entfernung vom nächsten Maisfeld ließen sich noch einige Tausend Pollenkörner nachweisen. Entsprechend groß müssten die Sicherheitsabstände sein, empfahlen die Autoren. Dabei hatten sie nicht nur mögliche Auskreuzungen im Sinn, sondern auch die unbeabsichtigte Wirkungen von GVO-Maispollen mit Bt-Toxin auf bestimmte Schmetterlingsraupen.

Kritik übten die Wissenschaftler an dem statistischen Modell, das die EU-Lebensmittelbehörde EFSA verwendet, um die Ausbreitung von Maispollen abzuschätzen. Es unterschätze die Pollenverbreitung in Entfernungen über 10 Metern deutlich. Auf der Basis ihrer Daten schlugen die Autoren deshalb eine eigene Modellrechnung für die Risikobewertung vor.

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Neuer Bericht zeigt: Patentamt erteilt weiterhin Patente auf herkömmliche Züchtungen

Ein breites Bündnis von Organisationen hat heute vor dem Europäischen Patentamt (EPA) in München demonstriert. Der Anlass war eine öffentliche Anhörung zu Patenten auf Brokkoli und Tomaten. Die Große Beschwerdekammer des EPA diskutierte dabei mit der Industrie darüber, ob Saatgut, Früchte, Pflanzen und Tiere aus der konventionellen Züchtung so wie technische Erfindungen patentiert werden können. Die Demonstranten forderten ein Verbot solcher Patente.

Im Vorfeld hatte die Koalition „Keine Patente auf Saatgut!“ einen Bericht vorgelegt. Darin steht, dass das EPA bereits 2400 Patente auf Pflanzen und 1400 Patente auf Tiere erteilt habe. Tausende weiterer Patenanträge seien eingereicht. 120 der erteilten Patente beträfen die konventionelle Züchtung. „ Die Reichweite von vielen dieser Patente ist extrem umfangreich und erstreckt sich oft auf die gesamte Kette der Lebensmittelerzeugung, vom Acker bis zum Verbraucher. Diese Patente sind ein Missbrauch des Patentrechts, der darauf abzielt, die Kontrolle über die Grundlagen unserer Ernährung zu erlangen“, heißt es in der Zusammenfassung des Berichts.

Aufgezeigt wird dieser Missbrauch an einigen 2013 erteilten Patenten. So ließ sich der Konzern Syngenta eine Kreuzung aus kommerziellen Paprikapflanzen mit einem wilden Paprika aus Jamaika patentieren, der natürlicherweise über eine Insektenresistenz verfügt. Die geistige Leistung Syngentas bestand darin, dass die Forscher des Konzerns natürliche Marker-Gene identifiziert hatten, mit denen sich erkenne ließ, wo im Erbgut diese Resistenz verankert ist. Doch erteilt wurde das Patent für Stufen der Züchtung und Nutzung der Pflanzen, einschließlich der Selektion, des Anbaus und der Ernte. „Die Industrie und das Patentamt haben das Patentsystem zu einem Werkzeug der systematischen Aneignung unserer Lebensgrundlagen gemacht, sie verhökern die Zukunft unserer Ernährung“, warnt Christoph Then, einer der Autoren des Reports. „Diese Entwicklung hemmt die Pflanzenzüchtung und gefährdet den Erhalt der agrarischen Vielfalt und die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels.“

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